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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Worldbeat
Einmal Globalkolorit bitte

 

Fusioniert internationalen Pop mit regionalen Klangfarben: Worldbeat

Worldbeat ist nicht gleich Weltmusik: Das Wort beruht auf der Idee westlicher Popstars wie Peter Gabriel und Paul Simon. Die beginnen in den 80ern damit, Folklore aus verschiedenen Weltregionen in ihre Musik zu flechten. Aus diesem Import entsteht ein Austausch nach beiden Richtungen, und Stimmen aus zuvor entlegenen Musikgegenden wie Afrika und Asien werden nun auch im Westen gehört: Etwa Youssou N'Dour. Bis heute nimmt diese Dynamik zu, wie die Hits von Shakira und Panjabi MC zeigen.

Obwohl die beiden Begriffe "Weltmusik" und "World Beat" oft synonym gebraucht werden, besteht doch ein Unterschied zwischen den Wörtern. "Weltmusik" ist der Überbegriff. Der wird schon seit den 50er Jahren benutzt. Von 1952 an veröffentlicht die Firma Capitol Records ihre Serie "Capitol Of The World". Darin erscheint die Musik aus neuen Tourismus-Regionen der US-amerikanischen Bevölkerung, etwa Calypso von den Karibik-Inseln Trinidad und Tobago.

Idee und Begriff des Weltbeat dagegen entstehen erst in den 80er Jahren. Ex-Genesis-Sänger Peter Gabriel startet 1982 sein WOMAD-Festival in England: "World Of Music Arts And Dance". Unter seinen Kollegen erwacht ein Interesse an Folklore aus der ganzen Welt.

Austauschprozess nach beiden Seiten

So produzieren Mitte der 80er Jahre David Byrne, Paul Simon und Gabriel selbst erste Alben, in denen sie mit Musikern aus Asien, Südamerika und vor allem Afrika zusammen arbeiten.

Weltbeat fusioniert also ganz bewusst Folkloren aus allen Regionen der Erde mit dem internationalen Kommunikationsmittel Popmusik. Durch den kommerziellen Erfolg der folkloristisch angereicherten Popstars rücken im Laufe der 80er Jahre auch diverse MusikerInnen aus der gesamten Welt ins Blickfeld der internationalen Medienwelt: Aus Einbahnstraßen-Import (Folklore nach Pop) entsteht ein Austauschprozess nach beiden Seiten, der sich bis dato dynamisiert. Ladysmith Black Mambazo zum Beispiel mit ihrem Zulu-Vokalgesang starten durch ihre Beiträge zu Simons Album Graceland im Jahr 1986 eine lange Wanderung von internationalem Festival zu internationalem Festival.

Aus aller Welt in alle Charts

Weiter werden durch die neue Aufmerksamkeit für nicht-westliche Musiken Ofra Haza, Youssou N'Dour oder Mory Kante entdeckt, die jeweils Riesencharthits feiern und im Falle des Senegalesen N'Dour auch kontinuierliche Karrieren starten. In Europa sind es Bands wie Les Negresses Vertes und 3 Mustaphas 3, die nun ganz eklektizistisch verschiedene Folklorestile mixen und darunter nochmal Housebeats bumpen.

Die zunehmende Globalisierung von Industrie und Medien erschließt ständig neue Regionen für den Im- und Exportprozess. Pop kommt immer mehr überall hin, und von überall kommt er verändert zurück. Durch den Zusammenbruch des Realexistierenden Sozialismus in Osteuropa und Zentralasien fallen alte Wegbarrieren, und Bands wie Yat-Kha touren von Tuva aus regelmäßig durch Europa. Und dass ein Megastar wie Shakira in Kolumbien geboren, mit der Musik ihres libanesischen Vaters aufgewachsen ist, um schließlich Led Zeppelin für sich zu entdecken: Man hört es ihr an.

Auch in den westlichen Großstädten ist das Geben und Nehmen in vollem Gange. In Berlin veranstaltet Schriftsteller Wladimir Kaminer seine Russendisko und spielt folkloristische Kraftwerk-Coverversionen aus dem Land, das er selbst verlassen hat. In Großbritannien ist die Musik pakistanischer und indischer Migrantenkinder mittlerweile dem Club-Underground entwachsen, wie ein weltweiter Riesenhit wie Mundian To Bach Ke von Panjabi MC zeigt. Auch die Musik dieses Hits ist Globalkolorit pur: die gerade Housebassdrum stampft, ein Sample aus der Fernsehserie Knight Rider schnickelt sich ein, eine Sitar ertönt und Panjabi rappt.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Salif Keita, Johnny Clegg & Savuka, Zap Mama, Manu Dibango, Yat-Kha, Mano Negra, Mari Boine

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Paul Simon: Graceland [1986]
Les Negresses Vertes: Mlah [1988]
Youssou N'Dour: The Lion [1989]
3 Mustaphas 3: Heart Of Uncle [1989]
Manu Chao: Clandestino [1998]
Verschiedene: Genghis Blues OST [2000]
Verschiedene: Globalista [2002]
Asian Dub Foundation: Enemy Of The Enemy [2003]
Verschiedene: Russendisko [2003]