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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Traditionelle Musik Japan
Volksbelustigung und Göttervergnügen

 

Die traditionelle Musik Japans schaffte den Anschluß an die Avantgarde

Trommelwirbel, Shamisenklänge, Flötenspiel det Shakuhachi - in Nippons Festkultur spielt die traditionelle Musik eine zentrale Rolle. Mit ihrer elementaren Energie beschwören und besänftigen die Japaner bei religiösen Feiern und Umzügen die Götter. Die verschiedenen Schulen und Stilrichtungen der lyrischen Kammermusik erreichten vor allem zur Edo-Zeit (1600-1868) ihre Blüte.

Die althergebrachten Musik- und Tanzdarbietungen bei shintoistischen Festivals heißen bezeichnenderweise Kagura, zu deutsch "Göttervergnügen". Auch die Hofmusik Gagaku, wie sie noch heute etwa am kaiserlichen Hof in Tokyo oder am Kasuga-Schrein von Nara zu hören ist, hat eine über tausendjährige Geschichte. Das typische höfische In-strumentarium bilden altjapanische Blasinstrumente wie Holzquerflöte, die Sho-Mundorgel und die durchdringende Hichikiri-Oboe.

Die Musik im japanischen Mittelalter war stark buddhistisch geprägt. Beliebt waren die "Heikebiwa", mit einer Kurzhalslaute (Biwa) begleitete Erzählungen. Blinde geistliche Spieler rezitierten in bewegenden Epen den Aufstieg und Fall des Heike-Clans im 12. Jahrhundert. Das Noh-Theater, das die Musik raffiniert in das dramatische Geschehen integrierte, markierte den Höhepunkt der Ritterkultur. Hier wechselten Solo-Gesang, Dialoge der Schauspieler und Chorpassagen, freie und strenge Rhythmen in virtuoser Folge miteinander ab.

Haut von Schlangen, Haut von Katzen

Die dreisaitige Laute Shamisen, die im 16. Jahrhundert über China und die Ryukyu-Inseln nach Japan gelangte, entwickelte sich zum Modeinstrument der bürgerlich-städtischen Kultur. In den Vergnügungsvierteln der Edo-Zeit (1600-1868) entlockte ihr die Geisha zartschwingende Töne. Während das Originalinstrument in Okinawa eine Resonanzdecke aus Schlangenhaut besaß, so benutzte man in Japan Katzenhaut. Später verwandte man die bundlose Laute auch zur Untermalung im Kabuki, wobei man Gewehrschüsse und Gefechte, aber auch verschiedene Arten des Weinens musikalisch imitierte.

Die dreizehnsaitige Wölbbrettzither Koto mit ihrem 1 Meter 80 langen Resonanzkasten gilt als edelste aller höfischen Instrumente. Bei den verfeinerten Vertonungen von Gedichtzyklen im siebzehnten Jahrhundert erklang sie im Duett mit der Shamisen zu ausschweifenden Zwischenspielen. Die Bambusflöte Shakuhachi war vor ihrer Säkularisierung ein Soloinstrument der umherziehenden Bettelmönche, die den Gebrauch des Instruments zu einer Art zenbuddhistischen Übung stilisierten.

Aufbruch nach Westen

Die modernen Musiker des Zwanzigsten Jahrhunderts waren danach bestrebt, traditionelle Instrumente wie die Koto in den westlichen Stil zu integrieren. So fügte Michio Miyagi (1894-1956) dem Instrument vier Saiten hinzu, um Baßwirkungen wie in der westlichen Musik zu erreichen. Auch die Biwa, die noch bis Kriegsende die Taten der Samurai verherrlichte, hat den Anschluß an die Postmoderne gefunden. So schrieb der große japanische Komponist Toru Takemitsu (1930-1996) sein Werk "November Steps" für westliches Orchester, Biwa und Shakuhachi.

Weitere Meister der Strömung sind:

The Ondekoza, Yamato Ensemble traditionelle japanische Musik), Micheal Vetter, Ayako Lister, Hideaki Kusibayashi (Koto), Kohachiro Miyata, Hozan Yamamoto (Shakuhachi), Sugiura Hirokazu (Shamisen).

Diese Alben besitzen Schlüsselqualitäten:

The Ondekoza: Kagura [1989]
Kohachiro Miyata: Shakuhachi-The Japanese Flute [1995]
Michael Vetter: Zen Koto [1996]
Toru Takemitsu: Rikyu/Woman in the Dunes (Adams,John/LSI) [1999]
Ayako Lister: The Japanese Koto [2000]
Yamato Ensemble: The Art of the Japanese Koto, Shakuhachi and Shamisen [2000]
Various: Koto Music Of Japan [2001]
Sugiura Hirokazu: Splendour Of The Shamisen [2002]