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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Samba
Musik von Welt

 

Fundament Brasiliens: Der Samba

Samba ist das Fundament der Musik Brasiliens: Der Bossa Nova geht auf den Tanz zurück, ebenso neuere Musikstile. So mischt sich im Axe einer Daniela Mercury der Samba mit Reggae und Mainstream Pop. Auch Clubmusik wie Nu Jazz baut auf diese federnden Offbeats, die sich aus den Tänzen afrobrasilianischer Sklaven entwickelt haben. Und der Samba-Enredo, der auf den Paraden des Karnevals getanzt wird, zieht längst um die Welt.

Kaum eine Musik trägt soviel Weltgeschichte in sich wie der Samba. Wenn zum Karneval tausend Farben gut berauscht durch die Straßen Rio de Janeiros ziehen, dann zeigt sich die ganze Geschichte Brasiliens. Denn dann wird zum katholischen Datum des Karnevals jener Tanz zelebriert, der sich wiederum in den Gemeinschaften afrikanischer Sklaven entfaltet hat. Genau 1500 vom Seefahrer P.A. Cabral betreten und als Kolonie Portugals deklariert, entwickelt sich Brasilien zum Zuckerrohr-, Kaffee- und Diamantenstaat. Für die körperliche Schwerstarbeit werden Sklaven aus Afrika nach Brasilien verschleppt. Erst 1888 wird die Sklaverei aufgehoben.

Zu diesem Zeitpunkt haben sich in Bahia und Rio de Janeiro aus den afrikanischen Reigentänzen der Sklaven bereits Samba-artige Tänze entwickelt, zu denen schlicht getrommelt wird. Schließlich lässt sich eine Trommel ziemlich einfach herstellen in den Ende des 19. Jahrhunderts entstehenden Slums brasilianischer Großstädte wie Sao Paolo und Rio. Gespielt wird die Musik anlässlich religiöser Treffen wie auch als Begleitung des Capoeira, der brasilianischen Kampfkunst.

Erste Schallplatte im Jahr 1917

Anfang des 20. Jahrhunderts schließich entwickelt sich der Samba zur Musik des Karnevals. Mit Pelo Telefone erscheint 1917 ein Samba des Musikers Donga auf Schallplatte; Donga selbst bezeichnet seine Komposition als "Samba Carnevalesca". Elf Jahre später gründet Ismael Silva mit "Deixa Falar" die erste Sambaschule Brasiliens. Mit dieser Schule gewinnt die Paradenform des Samba, der Samba-Enredo, an Bedeutung; auch das neue Massenmedium Radio hilft bei dessen Verbreitung. Im Laufe des 20. Jahrhunderts lassen Sambaschulen wie Mangueira, Portela und Imperatriz Leopoldinense den Karneval Rios zum großen Spektakel werden. Längst wird der brasilianische Karneval in aller Welt gefeiert. Auf dem Berliner Karneval der Kulturen spielen die Samba-Blocks eine tragende Rolle; die größte Parade außerhalb Brasiliens findet jeden letzten August-Samstag des Jahres in Tokyo statt und zieht über eine halbe Million Menschen in den Stadtteil Asakusa.

Inspiration für die Club-Musik

Doch Samba wirkt ebenso in die Welt, wie die Musik noch in jede Form der Musica Popular Brasileira (Populäre Musik Brasiliens) eingegangen ist. Mit dem Bossa Nova hat sich die bekannteste brasilianische Liedform aus dem Samba entwickelt. Heute heißt Pop in Brasilien auch Axe. Diese Musik aus Samba, Reggae und den Formaten des internationalen Pop schafft ständig Stars wie etwa Daniela Mercury.

Angesichts der Perkussivität dieser Musik erscheint es logisch, dass auch Club- und DJ-Musiken immer wieder auf den Samba zurück greifen. Ian Pooley etwa greift in einem Track wie Coracao Tambor sofort erkennbar auf den Samba zurück. Auch Jazzanova als bekannte Protagonisten des Nu Jazz bedienen sich immer wieder dieses federnden Offbeats. Auch innerhalb Brasiliens werden schließlich neuere Tanzmusiken wie Drum'n'Bass mit der Rhythmik des Samba konfrontiert. Samba bleibt also Musik von Welt.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Zuco 103, Rica Amabis, Paulinho Da Vola, Sambaschule Beija-Flor, Carlinhos Brown, Olodum, Sambass

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Verschiedene: Rough Guide To Samba [1982]
Velha Guarda De Mangueira: ...E Convidados [1999]
Cartola: Divino Samba [1999]
Verschiedene: Brazilectro [2000]
Ian Pooley: Since Then [2000]
Daniela Mercury: Sou De Qualquer Lugar [2002]
Dudu Tucci: Inae - Impressions From Brazil [2002]
Escolas De Samba: Carnaval & Samba [2002]