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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Mariachi
Die mit den Sombreros

 

Mariachi zwischen Spanien und Pan-Amerika

Als zu Beginn des 16. Jahrhunderts der spanische Eroberer Hernán Cortés das Azteken-Reich in Mittelamerika brutal kolonisiert, beginnt sie auch schon, die Geschichte der Mariachi-Musik. Durchdringen sich von da an die Kulturen dieser beiden Bevölkerungen doch gegenseitig. So entwickelt sich im 19. Jahrhundert eine Musikformation. Ihr Name ist "Mariachi". Längst sind ihre Traditionen in Rock und HipHop eingesickert.

Wenige Begriffe nur sind so verwaschen wie das Wort "Mariachi". Nicht nur über die Bedeutung dieser Musik wird bis heute heftig gestritten, nein: Streng genommen ist "Mariachi" überhaupt kein Musikstil. Der Stil, den die Mariachi-Gruppen spielen, ist eigentlich der Son.

So ist es wohl klug, mit den gesicherten Erkenntnissen zu beginnen, wo sich derart rutschiges Terrain auftut. "Mariachi", der Name taucht erstmals im 19. Jahrhundert auf. In Cocula, so will es die mündliche Überlieferung, jedenalls aber im mexikanischen Bundesstaat Jalisco, wird dieses Wort geprägt. Der Streit um den Namen selbst kennt zwei widerstreitende Meinungen. Laut einer Expertise kommt es von Maria, der Mutter Jesu nach christlichem Glauben. Da die Mariachi zu den großen Festen aufspielen und viele Feiern in Mexiko einen christlichen Hintergrund besitzen, kann diese Einschätzung ebenso überzeugen wie die zweite Expertise. Demnach kommt die Bezeichnung aus dem französischen Wort für Hochzeit, also "mariage". Beiden Theorien gemein ist immerhin der Gedanke, dass es sich bei den Mariachi um Musiker und Musikerinnen handelt, die Musik für Volksfeste spielen.

In den ersten Jahrzehnten treten die Mariachi in der alltäglichen Kleidung der Landbevölkerung auf. Die folkloristischen Kostüme tragen sie erst seit seit Mitte des 20. Jahrhunderts. "Charro" werden sie genannt, die eng sitzenden schwarzen Hosen, die taillierten Jackets mit den Bordüren, die großen Sonnenhüte. Sie knüpfen an die Uniformen der mexikanischen Landkorps aus dem 19. Jahrhundert an.

Die musikalische Tradition der Musik der Mariachi-Formationen geht noch weiter zurück in die Vergangenheit. Im Grunde beginnen schon mit der Eroberung des Azteken-Reiches durch Spanien beide Kulturen, sich zu durchmischen. Als sich dann im 19. Jahrhundert die Mariachi-Gruppen bilden, ist aus den alten Musiken Mittelamerikas mit ihren Rasseln, Trommeln und Flöten eine amerikanisch-europäische Mischform entstanden. Der Son, den die Mariachi spielen, ist geprägt von spanischen Deklamierweisen. Außerdem importiert Mexiko nicht nur nach und nach Instrumente wie die Gitarre, die Harfe oder die Blechbläser aus Europa. Auch werden bis heute von den Mariachi Rhythmen wie der Walzer oder die Mazurka von den Mariachi-Gruppen angeeignet.

Sehnsuchtsvolle Gesänge und energische Trompetenstöße kennzeichnen den Son der Mariachi ebenso wie die beschwingte Rhythmik. Violinen und Harfen verleihen dem Takt einen daunenweichen Nachhall. Und doch ist der Son Mexikos in erster Linie Tanzmusik. Mittlerweile hat es sich in den Kirchen des Landes sogar eingebürgert, Mariachi-Messen zu feiern.

Bei aller Popularität jedoch hat sich das Prominentenwesen in der Musiklandschaft Mexikos erst spät herausgebildet. Jahrzehntelang ist diese Musik regional begrenzt gewesen. So verwundert es kaum, dass der ersten Star der Mariachi-Musik erst im 20. Jahrhundert berühmt wurde: Gaspar Vargas hatte die Mariachi Vargas de Tecalitlán im ruhmbehafteten Städtchen Jalisco gegründet. Schon drei Jahre später siedelte die Gruppe nach Mexico City um und sollte 1934 zur Inauguration des populistischen Präsidenten Lázaro Cárdenas spielen. Von da an trieben die Mariachi Vargas de Tecalitlán die Entwicklung der Mariachi voran und brachten Stars wie Miguel Aceves Mejia hervor.

Mittlerweile aber hat diese Musik selbst neue Wege gefunden. Natürlich treten die Mariachi überall da auf, wo Folklore gefragt ist, ob in Mexiko selbst oder in Europa. Doch Mariachi-Traditionen bilden einen integralen Bestandteil des TexMex-Rock, und auch durch Sampling von HipHoppern fanden die Mariachi ihren Weg in die Popkultur der Gegenwart. Dass Calexico in Europa bekannter sind als in den USA, dürfte vor allem auch an ihren gemeinsamen Studio-Produktionen mit den Mariachi Luz De Luna liegen.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Lila Downs, Pedro Infante, Juan Gabriel, Miguel Aceves Mejia, Duo Gala Y Su Mariachi, Eugenia León, Lola Beltran, José Alfredo Jiménez/a>

Schlüsselalben dieses Genres sind:

Mariachi Vargas de Tecalitlán: Hot Mexican Nights 1991]

V.A.: Mexico Y Sus Canciones [1994]

Mariachi Cobre: XXV Aniversario 1971 - 1996 [1996]

V.A.: The Rough Guide To Tex-Mex [1999]

Calexico: Hot Rail [2001]

Nati Cano & Mariachi Los Camperos: Llegaron Los Camperos!l [2006]

V.A.: Mariachi - The Sound Of Hysteria And Heartache [2008]

Miguel Aceves Mejia: Miguel Aceves Mejia [2009]

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Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Als Cooder kam (Kubanischer Son), Schuld war nur der Bossa Nova (Musica Popular Brasileira ) oder Eine kleine Grenzmusik (TexMex).