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Eurovision Song Contest in Deutschland
...und dann kam Nicole

 

Die Geschichte des Grand Prix d' Eurovision in Deutschland

Sie ist auch eine Historie des deutschen Schlagers: Die Geschichte der deutschen Vorausscheid-Gewinner zum Grand Prix d'Eurovision. Walter Andreas Schwarz und Freddy Quinn machen 1956 den Anfang. In den Siebzigern lassen Joy Fleming den Soul und Dschinghis Khan die Disco in ihre Beiträge einfliessen. Gekrönt werden die güldenen deutschen Grand Prix-Jahre 1982 mit einem Beitrag des deutschen Eurovision-Regenten Ralph Siegel: Nicole singt Ein Bisschen Frieden.

Los geht's 1956. Da startet der Grand Prix d'Eurovision im schweizerischen Lugano, und die damals nur sieben teilnehmden Länder schicken je zwei Stimmen hin. Die Entsandten aus Deutschland zeigen bereits, dass die Geschichte deutscher Grand Prix-Teilnehmer zugleich eine Historie des deutschen Schlagers ist. Der eine, Walter Andreas Schwarz, singt ein deutlich vom französischen Chanson beeinflusstes Lied. Im Wartesaal zum großen Glück taumelt dabei zwischen Nachkriegsdepression und Hoffnung. Freddy Quinn dagegen ist ein zu der Zeit noch kaum bekannter Name und lässt aus seinem Schlager So geht das jede Nacht jugendliche Boogie Woogie-Begeisterung heraushören.

1975 baut Joy Fleming in Ein Lied kann eine Brücke sein reichlich Motown-Soul ein, gewinnt damit den deutschen Vorausschied, scheitert aber im Gesamtwettbewerb mit einem 17. Platz. International macht dagegen eine vom Münchener Komponisten, Textdichter und Produzenten Ralph Siegel zusammen gestellte Disco-Showgruppe von sich reden. Dschinghis Khan gewinnt 1979 erst den deutschen Vorausscheid zum Grand Pix d'Eurovision und macht dann Karriere. Der mit dem Bandnamen identische Song wird nach dem Grand Prix die erste Chart-Nr.1 Israels in deutscher Sprache. Die Anfang der 80er veröffentlichte Single Moskau ist bis heute der erfolgreichste Verkaufstitel in Australien.

Der 4. Platz beim Grand Prix d'Eurovision 1979 für Dschinghis Khan setzt die Goldene Ära deutscher Vorausscheid-Gewinner fort. Ein Jahr zuvor wird diese mythenbeladene Grand Prix-Zeit von Ireen Sheer und einem 6. Platz in Paris für Feuer eingeläutet. Zwischen dem Feuer-Jahr 1978 und 1987 belegen Vorentscheid-Sieger aus der BRD mit nur einer Ausnahme stets vorderste Plätze im internationalen Wettbewerb. Wind werden mit gleich zwei zweiten Plätzen - 1985 mit Für alle, 1987 mit Lass die Sonne in dein Herz - zu den zweiterfolgreichsten Grand Prix-Entsandten der Republik. Eine Glanzphase stellen jene Jahre zwischen '78 und '87 für Ralph Siegel auch jenseits von Dschinghis Khan dar. Bei den internationalen Finalen schaffen sowohl Katja Ebstein 1980 als auch Lena Valaitis ein Jahr später jeweils den 2. Platz.

Siegel ist ein Kind berühmter Eltern. Sein Vater Ralph Maria Siegel hat in der unmittelbaren Nachkriegszeit den Wirtschaftswunder-Schlager schlechthin getextet - Die Caprifischer. Seine Mutter sang Operetten.

Für die Krönung der Siegel-Jahre sorgt am 24. April 1982 ein 17-jähriges Mädchen mit weißer Gitarre: Nicole singt zu Zeiten des NATO-Doppelbeschlusses mit glockenheller Stimme Ein Bisschen Frieden und gewinnt in Harrogate als bisher einzige deutsche Sängerin den Grand Prix d'Eurovision de la Chanson. Das Lied wird in sechs Sprachen übersetzt und weltweit vier Millionen Mal verkauft. Im Herbst des Jahres ist die Saarländerin so populär, dass eine neue Rosenzüchtung nach ihr benannt wird.

Ungefähr zwischen Ende der 80er und Mitte der 90er Jahre erlebt der Grand Prix mit schwachen Beiträgen in der Bundesrepublik eine Flaute. Erst 1998 verpasst Guildo Horn der Angelegenheit eine Ironie-Spritze und verschafft dem Wettbewerb wieder enorme Aufmerksamkeit in Medien und Bevölkerung. Ebenso wie sein 7. Platz feiert TV-Moderator Stefan Raab mit dem Quatsch-Funk-Song Wadde hadde dudde da eine ansehnliche Platzierung im Europa-Finale.

Mit Gruppen wie Sürpriz oder der Sängerin Corinna May beherrscht Ralph Siegel die deutschen Grand Prix-Wettbewerbe bis ins 21. Jahrhundert hinein. Auch 2003 schickt er mit Let's Get Happy wieder einen Beitrag in die Kieler Stadthalle. In eben diesem Jahr zeichnet sich eine neue Entwicklung ab: Zeitungsverlage nominieren Interpreten und Interpretinnen. So geht der Hamburger Singer/Songwriter Der Junge mit der Gitarre für die Frankfurter Allgemeine in den Vorausscheid, während die tageszeitung aus Berlin die Sängerin Senait entsendet.

Daraufhin folgten Jahre, die an die damaligen Erfolge nicht so recht anknüpfen konnten. Einzig Max Mutzke, Gewinner der Casting-Show "SSDSGPS" (Stefan sucht den Super-Grand-Prix-Star), belegte 2004 den achten Platz. Ansonsten rangierten die deutschen Teilnehmer wie Garcia, Texas Lightning, Roger Cicero und No Angels eher auf dem letzten Drittel der Plätze. Doch alles änderte sich 2010. Lena, die im deutschen Vorentscheid „Unser Star für Oslo“ den ersten Platz machte, gewann mit Satellite den Liederwettbewerb. Es war der zweite deutsche Sieg nach Nicole im Jahre 1982.

Weitere nationale Grand-Prix-Gewinner sind:

Silver Convention, Michelle, Mary Roos, Münchener Freiheit, Conny Froboess, Margot Eskens, Cindy & Bert

Schlüsselalben des deutschen Grand Prix:

Dschinghis Khan: Hadschi Halef Omar [1979]
Nicole: Flieg' Nicht So Hoch, Mein Kleiner Freund [1981]
Guildo Horn und die Orthopädischen Strümpfe: Danke! (Grand Prix Sonderedition) [1998]
Verschiedene: Grand Prix Millenium Collection [2000]
Verschiedene: Das Beste vom Grand Prix [2001]
Kult 3 - Die Besten Schlager... [2001]
Verschiedene: Alle Sieger Des Deutschen Grand Prix 1956 - 2000 [2001]
Verschiedene: Countdown Grand Prix d'Eurovision 2003 [2003]