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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Frühzeit des Schlagers
Von Wien nach Berlin

 

Die Genrewerdung des frühen Schlagers

Aus dem Wienerlied und unzähligen weiteren Vorfahren entwickelt sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Schlager. Zunächst nur ein Marktbegriff für ein Lied mit hoher Beliebtheit, vereinnahmt sich die Liedform späterhin diverse Charakteristika der Berliner Operette, des Chansons und des Old-Time-Jazz.

Bis zu den Innerlichkeits-Dramen des gegenwärtigen Schlagers nimmt das Genre einen langen Weg. Über die Jahrzehnte hinweg hat sich die Bedeutung des Begriffes daher stetig geändert. Der älteste der direkten Vorfahren indes kann eindeutig benannt werden. Im Wiener Lied wird interessanterweise jedoch nicht die zwischenmenschliche Harmonie beschwört.

Vielmehr entwickelt es sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Liedform der Singspielhallen, und oft ging es darin derb zu, klangen die Texte sarkastisch und handelten vom Leben der Boheme. Stars des Wiener Liedes wie etwa die Sängerin Fiaker-Milly oder später der Sänger Alexander Girardi oder der Komponist Robert Stolz machten das Wiener Lied nicht nur über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, sondern verhalfen dem Genre zu Popularität in Europa.

Für gut verkaufte Lieder erfand die Notenblatt-Industrie schließlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Begriff "Schlager": Er wurde für Notenblätter jeglicher musikalischer Ausrichtung verwendet.

Ankunft in Berlin

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts verbreitete sich der Ausdruck "Schlager" für populäre Lieder im ganzen deutschsprachigen Raum. In Berlin, das als Unterhaltungsmetropole aufsteigt, werden nun ständig neue Schlager aus den Operetten von Komponisten wie Paul Lincke geboren. Aus Linckes Frau Luna etwa wird der Marsch "Das ist die Berliner Luft" zum Verkaufsknüller. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts verbreitete sich der Ausdruck "Schlager" für populäre Lieder im ganzen deutschsprachigen Raum. In Berlin, das als Unterhaltungsmetropole aufsteigt, werden nun ständig neue Schlager aus den Operetten von Komponisten wie Paul Lincke geboren. Aus Linckes Frau Luna etwa wird der Marsch "Das ist die Berliner Luft" zum Verkaufsknüller.

Eine Modernisierung erfolgt noch in den 1920er Jahren, als auch durch das Populärwerden des neuen Mediums Film zunehmend auf die Persönlichkeit von Interpreten und Interpretinnen geachtet wird. So wird nun Stars wie Trude Hesterberg oder Lilian Harvey das Liedgut direkt auf den Leib komponiert. Noch im gleichen Jahrzehnt verändert eine weitere Quelle den Klang des Schlagers: Aus New Orleans rückt der Jazz heran. Die auch heute noch beliebten Comedian Harmonists setzen sich in Berlin geschickt als Acapella-Gesangsgruppe in Szene.

Durchhalteparolen im "Dritten Reich"

Durch Filme wie "Der blaue Engel", für den Komponist Friedrich Hollaender im Jahr 1930 die Musik geschrieben hat, wird zum Ausklang der Weimarer Repunlik die Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich zum Star. Doch die Zeiten ändern sich: Mit der Machtergreifung Hitlers emigriert die Dietrich 1932 in die USA, weitere Größen des Schlagers wie etwa Rudolf Nelson folgen ihr.

Die Nationalsozialisten nutzen dennoch den Schlager für ihre Zwecke. Vor allem der Schlager "Lili Marleen" aus der Feder von Norbert Schultze wird zur musikalischen Durchhalteparole für die Soldaten an der Front. Erst mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird der Rote Sonnen, süße Weine in Deutschland wieder weltoffen.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Blandine Ebinger, Otto Reutter, Claire Waldoff, Eduard Künneke, Fritzi Massary, Liane Haid

Schlüsselalben dieses Genres sind:

Marlene Dietrich: Die frühen Aufnahmen [1997]
Rudolf Nelson: Und Rudi macht Musik dazu: Rudolf Nelson. Ein musikalisches Porträt [1999]
Friedrich Hollaender: Wenn ich mir was wünschen dürfte [2000]
Lilian Harvey & Willy Fritsch: Glückskinder [2003]
Comedian Harmonists: The Comedian Harmonists Story [2007]
Verschiedene Originalinterpreten: Paul Lincke - Lieder der Liebesnacht [2010]
V.A.: Berliner Diseusen [2001]
V.A: Schlager im Spiegel der Zeit - 1933 [2010]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Informationen rund um die Musikstile an. Zum Beispiel in den Einträgen Rote Sonnen, süße Weine (Deutscher Schlager), It Don't Mean A Thing... (Swing) oder Tri Tra Trullala (Musik-Comedy).