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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Urban Folk
Von der grünen Wiese ins Greenwich Village

 

Urban Folk als Sound einer internationalen Protestkultur

Mit Pete Seeger und Woody Guthrie etablieren in den 50er Jahren zwei Folksänger den Klang des Landes im New Yorker Greenwich Village. Schon wenig später werden die Songs dieses Urban Folk weltweit gehört - Joan Baez und Bob Dylan sei Dank.

"Urban Folk" - der Begriff zeigt, wie sehr sich die Bedeutung von Folk seit den Fünfziger Jahren geändert hat. Woody Guthrie hat diesen neuen Folk stark geprägt. Bereits in den 40er und 50er Jahren aktualisierten er und Pete Seeger überliefertes Liedgut der USA, indem sie zu den bekannten Melodien Friedens- und Antikriegstexte sangen. Gegen Ende der 50er Jahre bildeten Guthrie und Seeger den Kern einer Hipster Szene, die im New Yorker Stadtteil Greenwich Village ihre Songs schrieb und Konzerte gab.

Wenig später schon fand diese Szene ihre Superstars in Joan Baez und Bob Dylan. Baez kam aus Boston und sang auf ihren frühen Alben noch überwiegend traditionelle Songs, im Laufe der 60er Jahre bewegte sich ihr Songwriting aber immer deutlicher zu sozialen Themen hin.

Folk wird Teil der Popkultur

Dylan hingegen hatte Ende der 50er die Nähe zu seinem Idol Guthrie gesucht und war ins Greenwich Village gezogen. Schnell wurde er dort für seine düsteren und (an-)klagenden Songs wie "The Times They Are A-Changin" oder "Blowin' In The Wind" bewundert. Wie Dylan und Baez sangen auch Phil Ochs und Tom Paxton über die Themen der Bürgerrechtsbewegung und der Anti-Vietnam-Proteste in den USA. Folk war nun Teil der Popkultur, und Dylan selbst war mitverantwortlich für den Folk Rock, indem er Mitte der 60er Jahre seine Akustik-Gitarre gegen eine Elektrische austauschte und mit Band spielte. Bands wie The Byrds oder Peter, Paul and Mary sollten ihm das gleich tun.

Revival in den 1980er Jahren

Seit der Hochphase des Urban Folk in den 60ern ist das formal einfache Songwriting als Kommunikationsmittel sozialer und politischer Anliegen nicht mehr aus der Popmusik verschwunden. So gab es Mitte der 80er abermals einen kleinen Folk Boom, in desen Zuge sich besonders Songschreiberinnen wie Michelle Shocked und die stark mit Popinstrumentierung arbeitende Tracy Chapman in den Charts fest setzen konnten. Zu Ende des Jahrzehnts fand dann mit Billy Bragg ein Brite weltweit Beachtung - für schlitzohrige Politsongs. In den 90er Jahren schrieben Ani Difranco und Vic Chesnutt herausragende Folksongs, denen allerdings größere Verkaufserfolge verwehrt blieben. Die nächste Welle kommt bestimmt.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Roger Manning, John Wesley Harding, Brenda Khan, Phil Ochs und Tom Paxton.

Diese Alben besitzen Schlüsselqualitäten:

Joan Baez: Joan Baez [1960]
Bob Dylan: Bringing It All Back Home [1965]
Michelle Shocked : Texas Campfire Tapes [1986]

Billy Bragg: Victim of Geography [1998]
Ani Di Franco: Up Up Up Up Up Up [1999]
Vic Chessnutt: The Salesman And Bernadette [1998]
Woody Guthrie: The Collection/American Folk [1949]

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