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Southern Rock
Ein bisschen Boogie, bitte

 

Das Klimpern der Region: Southern Rock

Wie selbstverständlich entsteht aus dem musikalischen Schatz der US-Südstaaten eine eigenwillige Definition von Rock: Ihren Anfang nimmt sie bereits mit Country-Rock-Alben von Gruppen wie der International Submarine Band. Zum Etikett des "Southern Rock" kommt es Anfang der Siebziger Jahre, als die jam-wütige Allman Brothers Band ebenso Furore macht wie die straighten Lynyrd Skynyrd.

Zwischen Southern und Country Rock mögen Unterschiede bestehen, die Vorläufer beider Musikstile allerdings sind dieselben. Und auch die geografische Region, auf die sich die Musiken jeweils beziehen. Mitte der Sechziger Jahre hat sich der Süden und insbesondere der Bundesstaat Tennessee zu einer bedeutenden Region populärer Musik der USA - und somit der westlichen Welt - entwickelt. Mit Memphis, Tennessee verfügt der Appalachen-Staat über die Hauptstadt des Rock'n'Roll. Gleichsam sitzt dort mit Stax Records das neben den Detroiter Musikfirmen Tamla und Motown wichtigste Label des Soul.

Mit Nashville hat sich die Hauptstadt Tennessees zu dieser Zeit längst als Zentrum der Country Music etabliert. Chet Atkins hat als Gitarrist, Produzent und Chef von RCA Records jenen Modernisierungsschub des Country vollzogen, der mit seinem transparenten, popnahen Klang sich längst als Nashville Sound durchsetzen konnte. Zum Country Rock kommt es, als frühere Rock'n'Roller, aber auch Psychedelic Rocker sich der Anziehungskraft dieses modernen Country-Entwurfes nicht länger verweigern möchten.

Frühe Alben, deren Rock nach Country klingt, sind Safe At Home der International Submarine Band und ein Jahr später Sweetheart Of The Rodeo der Byrds. Besonders Gram Parsons mit den Byrds und später den Flying Burrito Brothers prägt den Stil vieler nachfolgender Bands, die Folk, Country und Rock und Psychedelia in verschiedenartiger Weise miteinander verschränken. Während Country Rock bereits eine spezifisch südliche Spielweise der Rockmusik bedeutet, prägen die Medien erst zu Beginn der Siebziger Jahre den Begriff des "Southern Rock".

Der Bass geht wandern

In jener Zeit veröffentlicht die Allman Brothers Band ihr Live At The Fillmore East, und auch Lynyrd Skynyrd schaffen mit Pronounced Leh-Nerd Skin-Nerd im Jahr 1973 ein bahnbrechendes Album. Rein musikalisch betrachtet besteht ein beträchtlicher Unterschied zwischen den Gruppen, doch eine gewisse Atmosphäre eint sie dann doch, die ausufernden Jams der Allman Brothers Band aus Georgia und die hart rockenden Songs von Lynyrd Skynyrd aus Jacksonville, Florida.

Der Einfluss von Blues und Boogie Woogie ist omnipräsent, dazu kommen Sounds und Motive aus Folk und Country, im Falle der Allman Brothers zusätzlich mit Funk-Einflüssen. Während die fesselnden, bis zu 20 Minuten andauernden Jams aus Live At The Fillmore East eines der meistverkauften Live-Alben bis heute machen, schaffen Lynyrd Skynyrd 1974 mit Sweet Home Alabama ihren endgültigen Durchbruch. Der Song ist eine Replik auf Neil Yongs Southern Man, worin er das Stereotyp des rassistischen Mannes aus dem Süden erst konstruiere, um es zu kritisieren - so der Vorwurf von Lynyrd Skynyrd.

Sound der Kneipen

Mit den beiden Bands voran entsteht ein komplettes Genre, das aus dem unendlichen Erbe des US-Südens seine Rocksongs erschafft. Recht Folk- und Country-nahe klingen etwa Little Feat, während ZZ Top und Molly Hatchet sehr auf Blues und den wandernden Bässen des Boogie Woogie gründen. Mit Bands wie den Georgia Staellites Ende der 80er Jahre oder den Black Crowes in den Neunzigern schaffen es auch immer wieder Bands, international in die Hitparaden einzusteigen. Auf Scheunen-, Pub- und Kneipenlevel ist der Southern Rock sowieso nie untergegangen.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

Dixie Dregs, Ozark Mountain Daredevils, 38 Special, Blackfoot, Doc Holliday, Black Oak Arkansas, The Marshall Tucker Band

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

International Submarine Band: Safe At Home [1967]
The Allmann Brothers Band: Live At The Fillmore East [1971]
ZZ Top: Tres Hombres [1973]
Lynyrd Skynyrd: Pronounced Leh-Nerd Skin-Nerd [1973]
Atlanta Rhythm Section: A Rock and Roll Alternative [1976]
Molly Hatchet: Flirtin' With Desaster [1979]
The Black Crowes: The Southern Harmony And Musical Companion [1992]
V.A.: Crossroads - Southern Routes [2000]

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