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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Mainstream Rock
Die Mitte der Straße

 

Mainstream Rock in den USA der 70er Jahre

Mainstream Rock - ein diffuser Begriff. Wie und wann er ins alltägliche Reden über Rockmusik getreten ist, bleibt bis heute unklar. Denn eigentlich stammt er aus dem Jazz. Kritiker Stanley Dance prägte ihn in den 50er Jahren, um alle gemäßigten Jazz-Stile von Duke Ellington bis Stan Getz zu bezeichnen. In den USA setzt sich das Wort "Mainstream Rock" in den 70er Jahren durch. Es umfasst grob alle Bands zwischen den soften Carpenters und Hardrock-Stimmen wie Meat Loaf. Mitten drin: Chicago, Toto und Foreigner.

Es ist schon ein Topf: Mainstream. Umfasst das Wort doch deutlicher all das, was draußen geblieben statt das, was drin ist. Zwar kann mit Stanley Dance der Name jenes Musikkritikers genannt werden, der den Begriff in den 50er Jahren in die Geschichtsschreibung wirft. Doch Dance ist Jazz Experte, und so meint er mit "Mainstream" eine Klammer für alle gemäßigten Spielweisen des Jazz. Da fällt dann ein Agent des Swing wie Duke Ellington genauso drunter wie etwa der Coole Saxophonist Stan Getz.

Die Kriterien gleichen sich aber grundlegend, als man in den 70er Jahren mehr und mehr dazu über geht, "Mainstream" auch für das Reden und Schreiben über Rock zu benutzen. Denn gemeint wird die Hauptströmung einer Musik. Und wie sich in den 50ern der Jazz in immer mehr Richtungen splittet und damit Stanley Dance zu seiner Wortfindung verleitet, so ergeht es Rock in den Siebzigern. Aus Rock'n'Roll und Beat spalten sich immer neue Szenen ab.

Gelernte Profis

In den USA ist das Ende der 60er Jahre vor allem der Psychedelic Rock mit Bands wie Grateful Dead und Hard Rock, wie ihn Steppenwolf spielen. Besonders die abgehende Wucht Musik setzt sich in den Staaten im Laufe der 70er Jahre durch. So sehr sogar, dass Led Zeppelin und Meat Loaf immer größere Hallen füllen. Man geht schließlich dazu über, Sport Stadien als Konzertorte zu nutzen.

Das Wort vom Stadion Rock kommt auf: Damit werden Bands bezeichnet, die locker mal 50.000 Menschen und mehr an einen solchen Ort locken können. Neben den Hardrockern sind das Bands wie Chicago, Toto, Foreigner oder REO Speedwagon.

Diese Gruppen sind bis heute die Prototypen der Mainstream Rocker, und zwar aus mehreren Gründen. Im Gegensatz zu den meisten Hardrockern bestehen diese Bands aus gelernten Profi-Musikern. Deshalb sind ihre Arrangements musikalisch komplexer, oft übrigens zum Nachteil der Songs, die im Fall der genannten Bands etwas unangenehm Ausgedachtes ausstrahlen. Ihre Alben sind ausgefeilt produziert und beachten die Radioformate.

Zudem richten sie sich mit ihrer Themen- und Wortwahl explizit an Erwachsene. So entsteht auch der Begriff AOR, also "Adult Orientated Rock", was wörtlich übersetzt "Erwachsenen Orientierter Rock" bedeutet. Im Gegensatz zum Teenie Pop verzichten die Bands auch weitgehend auf visuelle Inszenierungen. Schrille Kostüme bleiben im Schrank.

Nichts Schrilles, nichts Kantiges

Da diese Bands also Musik für die Mitte der Bevölkerung machen und augenscheinlich selbst aus dieser Mitte kommen, werden sie noch mit einem dritten Schlagwort bedacht: "Middle Of The Road" („Mitte der Straße"). Mitte der Straße, Mainstream, Adult Orientated: Diese neuen Überbegriffe treffen auch auf eine Sorte Rock zu, die sich zu Beginn der 70er als Reaktion auf den Hard Rock formiert. The Carpenters zum Beispiel wählen die Ballade als wichtigstes musikalisches Mittel, auch die Eagles oder Jackson Browne erweisen sich als Meister der bedächtigen Form.

Ihre Stilmittel sind reduziert, im Zentrum steht der Song, und die Produktion blendet alles Schrille und Kantige aus. Was eher nicht zutrifft für jene Musik, die in der zweiten Hälfte der 70er wiederum als Reaktion auf jegliche Art von Hippie- wie Profitum auch die USA heimsucht: Punk. Der wird erst im Punkrevival der 90er vollständig in den Mainstream inkorporiert.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Billy Joel, Journey, Bread, Steely Dan, Kansas, Steve Miller Band, Kiss, Styx

Schlüsselalben dieses Genres sind:

Chicago: Chicago 2 [1970]
The Carpenters: Close To You [1970]
Bruce Springsteen: Born To Run [1975]
The Eagles: Hotel California [1976]
Meat Loaf: Bat Out Of Hell [1977]
Foreigner: Double Vision [1977]
REO Speedwagon: You Can Tune A Piano, But You Can't Tuna Fish [1978]
Toto: Toto [1978]

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Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Spiel das einfacher (Hard Rock), Drogen kriechen in die Instrumente (Psychedelic Rock)oder Die Entdeckung des Teenagers (Rock'n'Roll).