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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Glam Rock
Federboas küsst man nicht

 

Theatralische junge Männer spielen Glam Rock

Mit der Epoche Glam Rock wird in den frühen siebziger Jahren die Theatralität in die Popkultur eingeschleust: Die Federboas von David Bowie, die Dekadenz von Roxy Music, die kirren Kostüme der New York Dolls. Auch wenn im Laufe der Jahre diese Epoche zu Ende geht - das Prinzip Glam lebt. Es hat viel Platz zwischen dem Glam Himmel Ziggy Stardusts und der Hölle von Marilyn Manson.

Die Männer des Rock'n'Roll sind noch ganze Kerle. Doch als sich um die Jahrzehntwende 60/70 der Glamrock heran schleicht, weiß man auf einmal gar nicht mehr, wer Männlein und wer Weiblein ist. Geschlechterverwirrungen werden von Lou Reed auf "Transformer" thematisiert: "Brushed her eyebrows on the way/Shaved her legs/And then he was a she" singt Reed in "Walk On The Wild Side" über einen zur Autostopperin mutierenden Autostopper. David Bowie inszeniert sich in der Kunstfigur Ziggy Stardust als Alien, dem die irdischen Geschlechter fremd sind.

Wenn es ein paar charakteristische Züge der Musik Glam Rock gibt, dann sind es vielleicht die kosmischen Keyboard Sounds und die kühle Produktion, die den Rock'n'Roll jetzt umhüllen. Das trifft auch auf die coole Band T.Rex zu, die mit "Get It On" einen lässigen Hit feiern. Der glammy Chart Topper stammt aber von Mott The Hoople. Ihre explizite Schwulen-Hymne "All The Young Dudes" wird 1972 von ganz Europa und den USA gesungen.

Glam wird publikumstauglich

Eine Album-Band bilden dagegen Bryan Ferry und Brian Eno plus Verstärkung als Roxy Music. Die selbstbetitelte LP aus dem Jahr 1972 brilliert mit schwülstigen Melodien und zärtlichen Rockzitaten. Im Jahr 1975 ist die Glanzphase des Glam Rock dann eigentlich überschritten.

Dennoch steigt in diesem Jahr noch einmal die Publikumstauglichkeit des Genres. Queen hauen mit "A Night At The Opera" noch mal kräftig auf die gepuderte Bombast-Trommel. Und mit dem Kinofilm "The Rocky Horror Picture Show" wird der Hype in seiner Blutsauger-Variante noch mal so amüsant wie publikumstauglich auf den Punkt gebracht.

Satan als Verführer

In der Popgeschichte folgen nun Punk Rock und noch später Heavy Metal. Die Rotznasen wie die Schwermetaller haben auch schon glamouröse Ahnen: Die New York Dolls spielen Punk, lange bevor es das Wort gibt; Iggy Pop ist in seiner The Stooges Phase kaputter, als es der Sex Pistol Johnny Rotten später je sein wird. Und Alice Cooper gibt den geschminkten Hard Rocker lange vor Kiss. In den Achtziger Jahren hört man wenig vom Glam Rock.

Ein paar Mikrorevivals ereignen sich in den Neunzigern. Pulp und Suede bringen die großen Posen der Hingabe und des Lasziven zurück in die Musik, während Marilyn Manson besonders mit seinem/ihrem Album "Mechanical Animals" den Satan von seiner verführerischen Seite zeigt. Der kriegt selbst ganze Kerle rum.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Suzi Quatro, Runaways, Slade, Sweet, Gary Glitter, Mud, The Sensational Alex Harvey Band, Placebo

Diese Alben besitzen Schlüsselqualitäten:

Roxy Music: Roxy Music [1972]
David Bowie: The Rise And Fall Of Ziggy Stardust [1972]
T. Rex: T. Rex [1970]
Lou Reed: Transformer [1972]
Diverse: The Rocky Horror Picture Show Soundtrack [1975]
Gary Glitter: Glitter [1972]
Queen: A Night At The Opera [1975]
Pulp: A Different Class [1995]
Marylin Manson: Mechanical Animals [1998]

Interesse geweckt?
Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Das Theater des Bösen (Heavy Metal), Anarchie ist ein Headbanger (Punk Rock) oder Die Entdeckung des Teenagers (Rock'n'Roll).