Start | Genres  | Rock | Doo-Wop

GENRES

Doo-Wop
Urahne des Kuschelrock

 

Bei Doo-Wop steht der Gesang im Mittelpunkt

Die Übergänge zum Rock'n'Roll sind fließend. Deutlicher noch als sein berühmter Bruder zeigt Doo-Wop jedoch, in welchem Ausmaß die Rockmusik auf afroamerikanischen Grundlagen wie Gospel, Blues, und Swing gebaut ist.

Es ist ein Urbild der Popmusik. Im Halbkreis stellen sich Bass-Stimme Herb Reed und die übrigen The Platters auf die Bühne und singen "The Great Pretender". Eine Urszene deshalb, weil darin die enorme Bedeutung der Gruppenzugehörigkeit in der Popmusik zum Ausdruck kommt, dafür genügt schon ein Vergleich mit der Ikonografie des HipHop. Ein Bild von Bedeutung aber auch ebenso, weil darin noch die Vorgeschichte des Rock'n'Roll im Bild ist. Denn so, wie das Quintett aus Los Angeles hier auf der Bühne steht, könnten die Platters ebenso im Rahmen eines Gottesdienstes singen.

Die Entwicklung von Doo-Wop verlief in etwa parallel zu der von Rock'n'Roll. Doch mehr noch als der berühmte Bruder sind in den Gesangsharmonien und simplen Begleitfiguren von Rhythmus und Melodie noch Swing, Gospel und Blues als die Vorgeschichten herauszuhören. Ob in "Only You" oder "The Great Pretender", "Smoke Gets In Your Eyes" oder "Harbour Lights", in dieser Musik verbinden sich die afro-amerikanischen Musikstile aus der Zeit vor der internationalen Vermaktung populärer Musik noch wesentlich offensichtlicher als im Rock'n'Roll. Und das sind nur die großen Hits der Platters.

Wenn Swing die Musik zum Tanzen schlechthin ist in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, so ist Doo-Wop die Musik zum Kuscheln. Shuffelnde Rhythmen und ausgefeilte Gesangsarrangements erzeugen einen meist romantisch klingenden Sound in einer gewissen schwülen Athmosphäre. Die Stimmen stehen eindeutig im Zentrum, Soli anderer Instrumente, so sie überhaupt in Erwägung gezogen werden, fallen äußerst kurz oder sehr zurückhaltend aus.

Der zeitliche Rahmen des Stils fällt ungefähr mit der Karriere der The Platters zusammen: Als sie sich 1953 in Los Angeles gründen, existieren zwar längst Gesangsgruppen wie die Mills Brothers aus Ohio, die ihre A Capella-Auftritten an den Klang der Gegenwart anpassen. Vor allem aber sind es Gruppen wie die Clovers, die im Verlauf der 1950er Jahre von der Band an der Straßenecke zu Stars in Nordamerika heranwachsen.

Je nach individueller Färbung konnten Doo-Wop-Songs ebenso andächtig und mitternächtlich ausfallen, wie sie einfach ein bisschen Quatsch erzählen wollten. Schließlich sind auch die Liedformen des Vaudeville, einer komödiantischen Form des Theaters, von Bedeutung für die Lieder des Doo-Wop. Seinen Namen zumindest bezieht der Stil aus jenen Lautmalereien, wie sie in den Gesangssätzen der Musik immer wieder auftauchen: Sei es, um Instrumente zu imitieren wie die Bass-Gitarre in den beiden Silben "Doo-Wop" selbst, sei es, um möglichst albern zu klingen wie in "wadda-da-da".

Zwischen 1955 und 1960 etwa erreicht Doo-Wop seinen Zenit: Die glatte Produktion und simple Begleitung macht die Musik der Gesangsgruppen zum idealen Radiofutter in den USA. Gruppen wie The Del-Vikings oder Dion & The Belmonts landen große Hits. Bis heute übt Doo-Wop eine große Faszination aus. Kaum ein Film, der in den 1950er Jahren spielt und etwas von dem Alltag dieser Zeit erzählen möchte, kommt ohne Doo-Wop-Songs aus. Vor allem, wenn der Steh-Blues getanzt werden will.

Weitere Meister dieses Genres sind:

The Chiffons, The Cardinals, The Quotations, The Flamingos, The Earls, The Crew Cuts, The Moonglows, The Chords

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Dion & The Belmonts: The Story [2000]
V.A.:The Golden Age Of American Rock'n'Roll - Doo Wop Edition [2004]
V.A.: Rhythm'n'Blues - Early Doo Wop [2005]
The Mills Brothers: Early Hits And Rarities [2008]
The Coasters: 1955 - 1959 [2009]
The Platters: The Platters [2009]
V.A.: Wir geh'n in das Wunderland - Doo Wop in Germany [2009]
The Drifters: All The Singles 1953 - 1958 [2010]

Interesse geweckt?
Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Informationen rund um die Musikstile an. Zum Beispiel in den Einträgen Die Entdeckung des Teenagers (Rock'n'Roll), Robert Johnsons Pakt mit dem Teufel (Delta Blues) oder Wir singen weiter (Soul).