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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Beat
Eine britische Invasion

 

Mit Tremologitarren und wuchtigem Schlagzeug ab in die USA: Der Beat

„Merseybeat" nennen die Jugendlichen im Norden Englands ihre Art, Rock'n'Roll zu spielen. Gegen Ende der 50er Jahre machen Liverpooler Bands wie Gerry & The Pacemakers und die Beatles ihr Zuhause zur Patenstadt des Sounds. Im Jahr 1964 brechen die Fab Four in den USA durch und bereiten den Weg für die so genannte „Britische Invasion": Die Londoner Rolling Stones folgen ihnen über den Atlantik, und mit ihnen noch einige Briten mehr.

Der Merseybeat ändert alles. Englands Jugend hört in den 50er Jahren viel Rhythm'n'Blues und Rockabilly aus den USA. Halb schlecht, halb recht wird der Import-Stil auch von Einheimischen wie Cliff Richard & The Shadows oder Billy Fury unters Volk gebracht. Doch viele machen auch selbst Musik, denn der Skiffle ist in dieser Zeit sehr beliebt: Ein Waschbrett als Rhythmusinstrument ist schnell aus dem Keller geholt, mit Papier über dem Kamm ist rapide ein Melodieinstrument gebastelt. Mit diesem Instrumentarium spielt England alte und neue Folksongs in den Nachkriegsjahren.

Durch die Industriestädte im Norden des Landes zieht der Fluss Mersey seine Bahnen. Als die Jugendlichen der Region gegen Ende der 50er Jahre aus Rhythm'n'Blues, Rock'n'Roll und Skiffle einen eigenen Sound zusammen schustern, steht dieser Fluss schnell zur Namensgebung bereit: Der Merseybeat macht sich mit seinen krakeelenden Tremolo-Gitarren und unerhört wuchtigen Schlagzeugsounds schnell auf die Fährte des Erfolgs. Was die zahlreichen Bands spielen ist Rock'n'Roll, der durch die Einfachheit des Skiffle auf seine Essenz reduziert wird. Bald schon verlassen Gerry & The Pacemakers oder The Searchers ihre Liverpooler Clubs für landesweite Touren. Gruppen aus weiteren Merseyside-Städten folgen, etwa die Hollies aus Manchester.

Zweifelfrei bedeutendste Band Liverpools, Englands, und sowieso des gesamten Universums aber werden schnell: die Beatles. Please Please Me heißt ihr Einstand in die Weltmusikhistorie. Die gleichnamige Single landet 1963 auf Platz Eins der britischen Charts. Das wenig später erscheinende Album steht 30 Wochen lang an der Spitze der nationalen Hitliste. Gesang, Gitarren, Melodien und Live-Auftritt haben vor allem ein Plus gegenüber allen anderen: Enthusiasmus. Mit den nachfolgenden Singles weitet sich der Erfolg der Beatles bei der Jugend zu einer Begeisterung aus, die zum Teil hysterische Züge annimmt. Man redet von der „Beatlemania".

In der Hauptstadt London wird - mit Ausnahme einiger stark Beatles-ähnlicher Bands wie den Kinks mal abgesehen - ein Stil gepflegt, der weniger die Harmonie als das Raubein sucht. Schwer zerren die Gitarren der Yardbirds, in den Schemata des Blues schreiben die Rolling Stones ihre Lüsternheiten an Songs. Mit dem Erfolg des Merseybeat wächst der Jugendmarkt rasant. So steigt das Produktionsaufkommen der britischen Musikindustrie in den drei Jahren nach der Veröffentlichung der ersten Beatles-Single Love Me Do im Oktober 1963 um das Zwanzigfache. Das bedeutet: Die Bands und ihre Produkte brauchen ein eindeutiges Image. Andrew Loog Oldham, Manager der Rolling Stones, entwirft seine Band als Antipode der Beatle-Softies. Statt kragenloser Anzugsuniformen tragen Sänger Mick Jagger und Gitarrist Keith Richards schwarzes Leder. Statt bubihaft mit dem Beinchen zu wippen wie John und Paul, geben sich die Stones auf der Bühne so unnahbar, wie es vor ihnen noch nie jemand getan hat.

Beiden Bands sollen die Stilisierungen nutzen, obwohl man hinter vorgehaltener Hand eher Freundschaften pflegt und sogar die Termine von Plattenveröffentlichungen miteinander koordiniert. I Want To Hold Your Hand heißt die Single der Beatles, die 1964 etwas einleitet, was man in den USA wenig später "British Invasion" nennt. Denn der Erfolg der Fabulösen Vier macht aus Beat erst ein weltweites Phänomen. Schon kurz nach I Want To Hold Your Hand sind 60% aller in den USA verkauften Schallplatten Beatles-Erzeugnisse. Ebenso fabelhaft scheint kurz darauf der Erfolg der Stones in den Vereinigten Staaten, Mods wie The Who und The Small Faces folgen ihnen über den Atlantik. Erst drüben schleicht sich in der Alltagssprache allmählich der Begriff „Rock" für diese Art Musik ein und ersetzt langsam das Wörtchen „Beat". Aber geändert hat er wirklich alles, der Merseybeat.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Peter & Gordon, Billy J. Kramer, The Swinging Blue Jeans, The Merseybeats, The Animals, Freddie and The Dreamers, Wayne Fontana and The Mindbenders, The Undertakers

Schlüsselalben dieses Genres sind:

The Beatles: Please Please Me [1963]
Gerry And The Pacemakers: Don't Let The Sun Catch You Cryin' [1964]
The Hollies: In The Hollies Style [1964]
The Searchers: It's The Searchers [1964]
The Pretty Things: The Pretty Things [1965]
The Rolling Stones: Out Of Our Heads [1965]
The Who: The Who Sings My Generation [1965]
The Creation: We Are Paintermen [1967]

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