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DDR-Rock
Anti-Yeah-Referate und Punk-Erlasse

 

Rock in Zeiten der DDR

Auch wenn sich die Butlers nach Ulbrichts "Anti-Yeah"-Referat von 1965 inKlaus Renft-Combo umbenennen mussten und das Team 4 fortan den befremdlichen Namen Thomas Natschinski und seine Gruppe trug: Rock in der DDR boomte bis in die späten Siebziger. Dann erlebte der Staat eine - auch für die Musikszene folgenschwere - Finanzkrise.

Popmusik in der DDR besaß bis Mitte der Sixties noch etliche Anschlüsse an den Sound des kapitalistischen Westens. In Tanzdiele und Radio wurden Beat-Instrumentals geliebt. Weit geschätzte Bands nannten sich Butlers oder Team 4. Damit aber aus dem Osten ein Block würde, musste die Politik handeln. Die kulturellen Schotten zum Westen sollten dicht gemacht werden, und eine Konsequenz dieser Strategie trug den Namen "Anti-Yeah"-Referat. Walter Ulbricht hielt diese Rede 1965, nach ihr sollten Anglizismen und Kapitalismen aus dem Geist der populären Musik des Arbeiter- und Bauern-Staates verschwinden.

Die Butlers nannten sich staatsgedrungen in Klaus Renft-Combo, Team 4 hießen von nun an Thomas Natschinski und seine Gruppe. Deren Album Die Straße ragt unter all den Beat-LPs des Landes heraus. Den internationalen Schwung der Popmusik machten die angesagten DDR-Bands aber mit Vergnügen mit. Der ging hin zum Rock mit schweren Riffs. Einem Song wie Türen öffnen sich zur Stadt der Puhdys hört man mühelos den Einfluss einer Band wie Deep Purple an.

Boom und Elegie

In den Siebziger Jahren boomte Rock in der DDR. Frühen Rockern wie der Stern Combo Meißen oder Wir, folgte bald schon eine elegisch-grüblerische Generation mit City, Karat und Rockhaus. In der BRD wurden diese Bands kaum wahrgenommen, bis Peter Maffay im Jahr 1979 den Karat-Hit "Über Sieben Brücken Musst Du Gehen" coverte. Der Verkaufserfolg war ein gesamtdeutscher. So wurden nun also Karat und auch mal City durch die Radios der Bundesrepublik gejagt. Doch zur gleichen Zeit bahnte sich in der DDR bereits eine Finanzkrise an, die zu Beginn der Achtziger Jahre handfest spürbar wurde.

Zusammenbruch und Nostalgie

Die Krise zog gravierende Sparmaßnahmen der Regierung nach sich. Auch die Rockszene traf das ziemlich hart. Schließlich brachte in der DDR nur Live-Spielen Geld, an den Plattenverkäufen waren Bands nicht beteiligt. Silly, Mona Lise als wichtigste Frauenband, Pankow und Die Zöllner gehörten zu den wenigen erfolgreichen Bands der Zeit. Zum mangelnden Geld kamen weitere Beschränkungen hinzu. So ging die Regierung restriktiv gegen dissidente Bewegungen wie den Punk Rock - in der DDR tauchte der z. B. in Gestalt von Sandow oder den Skeptikern auf - vor. Stasi-Chef Mielke befahl in seinem „Punk-Erlass" von 1984 ein hartes Vorgehen gegen Punk.

Im Laufe des Jahrzehnts entwickelte sich die Krise des Staates allerdings hin zum Zusammenbruch, bald schon sollte man das Jahr 1989 schreiben. Seitdem kennt man nur noch den einen, den vereinigten deutschen Rock. Seitdem ist „Ostrock" aber auch zum Nostalgie-Label für „witzige" Partys mutiert.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Cäsars Rockband, Elefant, Karat, Keimzeit, Klaus-Lenz-Big-Band, Lift, Neumis Rock Circus, Perl, Wolfgang Ziegler

Diese Alben besitzen Schlüsselqualitäten:

Keimzeit: Irrenhaus [1990]
City: Casablanca [1992]
Pankow: Wetten, Du willst [1994]
Silly: Best Of Silly Vol.1 [1996]
Rockhaus: The Best [1996]
Die Zöllner: Goldene Zeiten [1996]
Puhdys: Zwanzig Hits aus Dreissig Jahren [1999]
Klaus Renft Combo: Original Klaus Renft Combo [2001]

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