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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Synthie Pop
Musik für die Computerwelt

 

Vom Experiment in die Charts: Synthie Pop

Mit den Beach Boys und Wendy Carlos zieht der Synthesizer bereits in den 1960er Jahren in die Popmusik ein. Doch erst zu Beginn der 80er Jahre taucht „Synthie Pop" auf. Im Gefolge von Kraftwerk und Vangelis schaffenDepeche Mode, Human League und Soft Cell einen Entwurf von Chartmusik, der vom Beat bis zur Harmonie auf Synthesizer baut. New Order und die Pet Shop Boys (großes Foto) lassen sich dabei stark anhören, wo sie sich so rumtreiben: in den Clubs.

Als Kraftwerk Mitte der 70er Jahre zu ihrem stilprägenden Sound aus Synthesizern übergehen, ist das Instrument bereits in der Popmusik heimisch geworden. In den 60er Jahren haben die Beach Boys auf ihrem Hit Good Vibrations den tastaturlosen Synthesizer Theremin schwirren lassen. Wendy Carlos spielt 1968 die LP Switched On Bach ein: Die Kompositionen des barocken Meisters werden hier gut obskur auf dem Moog-Synthesizer interpretiert. In Köln profitieren Can Ende der 60er Jahre vom WDR-Studio 1. Es gilt zu der Zeit als einer der modernsten Aufnahmeräume überhaupt. Teile der Band studieren Musik bei Karlheinz Stockhausen. Da Stockhausen dem Kölner Studio vorsteht, nutzen Can die Zugangsmöglichkeiten und integrieren die Synthesizer in ihre Musik. Im Gegensatz zu heute ist das Instrument zu Zeiten von Can nicht erschwinglich für Studierende.

Zum Einfachen hin

Zur gleichen Zeit lassen auch Kraftwerk in Düsseldorf ihre Schlagzeuge und Querflöten ins Kosmische wuchern. Im Laufe der Jahre aber findet die Band zu einer bis dahin kaum gehörten Einfachheit. Sie basiert auf dem Gedanken, der Künstler solle in einer Zeit digitaler Maschinen als eine Art Ingenieur fungieren. Der erste Personal Computer ist zwar noch in der Entwicklung, als Kraftwerk ihre bahnbrechenden, nur auf Synthesizern beruhenden Songs wie das 20-minütige Autobahn 1974 veröffentlichen. Dennoch entwickeln Kraftwerk so die Popmusik der neu entstehenden Computerwelt, wie ein Kraftwerk-Album im Jahr 1981 heißen wird. Auch Brian Eno, Vangelis, Jean-Michel Jarre und Tangerine Dream entwerfen Landschaften aus Synthesizer Kling Klang.

So dauert es auch nicht lange, und Synthesizer Pop findet in die Charts. Depeche Mode etwa verstehen sich auf Melodien und sind darüber hinaus auch noch total gut aussehende Jungs: Ihr Just Can't Get Enough geht 1981 weltweit in die Hitlisten. Zu dieser Zeit haben Human League ihre LP Reproduction bereits veröffentlicht, und auch Soft Cell mit ihrer Synthie-Version des Supremes-Songs Tainted Love werden von Kritik und Teenie-Magazin geschätzt.

Sinn und Sinnlichkeit gehen feiern

Synthie Pop ist zu Beginn der 80er Jahre der gut verkäufliche Sound der New Wave. OMD und die Eurythmics gehören zu den bekannten Bands. Tears For Fears, Duran Duran oder Ultravox dagegen arbeiten zwar auch mit konventionellen Instrumenten, die Kühle des Synthie Pop ist jedoch auch ihrem Design eigen. Und auch der frühe Electro-HipHop eines Afrika Bambaataa schuldet vor allem einer Band die große Idee: Kraftwerk.

Überhaupt wird der Synthesizer neben der Drum Machine im Laufe der 80er Jahre zu dem Instrument der Clubmusik. New Order und Anne Clark nehmen die gerade Bassdrum des aus Chicago und New York kommenden House auf und reüssieren in der Hacienda ebenso wie in den Charts. Bronski Beat hört man ebenso das Sich-rumtummeln in schwulen Clubs an, denn ihre Songs lassen immer wieder Sounds und Rhythmen des Hi-NRG durch schimmern. Mit dem Material der Clubmusik als Grundlage schreiben vor allem aber die Pet Shop Boys Songs, die schlicht Bewunderung auslösen: West End Girls oder It's A Sin sind gleichermaßen kühl in der Analyse wie leidenschaftlich in der Kunst: Der Kulminationspunkt des Synthiepop als Feierei von Sinn und Sinnlichkeit.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Wolfsheim, Yellow Magic Orchestra, Yazoo, Alphaville, Thompson Twins, Yello, Gary Numan, Visage

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

The Human League: Reproduction [1979]
Kraftwerk: Computerwelt [1981]
Soft Cell: Non-Stop Erotic Cabaret [1981]
Anne Clark: Changing Places [1983]
Depeche Mode: Some Great Reward [1984]
Bronski Beat: The Age Of Consent [1984]
Pet Shop Boys: Please [1986]
New Order: Substance [1987]

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