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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Soul Pop
Gekommen und nie gegangen

 

Im Soul Pop kommt die Selbstermächtigungsidee der Musik zu sich selbst

Seit sich in den 1960er Jahren die Soul-Musik unter ganz speziellen historischen Bedingungen in den USA etablieren konnte, ist sie nie mehr aus dem Pop verschwunden. Vielmehr kehrt sie in immer neuen Wellen als Charts-Musik wieder: artifiziell und mit Glam in den 1980ern, mit Maschinen-Beats hinterlegt in den 1990ern. Seit Mitte der 2000er Jahre gibt es einen Retro-Trend zu verzeichnen: die neue Soul-Nostalgie.

Wie sich die Sounds doch gleichen: Gegen Ende der Nuller Jahre setzt sich im Pop eine neue Nostalgie durch und regiert die CD-Charts, die Radios, die Download-Zahlen. Zu Beginn des Jahres 2011 etwa ist es die Sängerin Adele, die mit ihrem Album 21 ganz vorne mitmischt. Wochenlang. Die 1988 in London geborene Adele Laurie Blue Adkins mit ihrem Soul Pop ist kein Einzelfall: Der 1979 in L.A. geborene Aloe Blacc hat noch kurz zuvor seine Single I Need A Dollar zu einem internationalen Hit gemacht. All das nach jahrelangem Touren durch den Underground der Black Music.

Nun könnte man die Musik der Londonerin und des Kaliforniers durch unzählige Attribute voneinander unterscheiden. Dennoch stehen sie beide in einer Tradition, die nun schon seit den 1960er Jahren fortgeschrieben wird: dem Soul Pop. Weniger ein Genre mit eigener Historie, macht der Begriff deshalb Sinn, weil seit dem Populärwerden von Soul in den 1960er Jahren in unregelmäßigen Abständen eine Neu-Interpretation dieser ursprünglich afro-amerikanischen Musik erfolgt. Und in die Charts gelangt.

In den Charts bleiben

Zu den direkten Vorläufern von Adele und Aloe Blacc zählen unter anderem die Waliser Soulstress Duffy, die so begnadete wie immer wieder sich durch Suchterkrankungen bei der Yellow Press zum Thema machenden Amy Winehouse, die Dame mit dem warmen Vibrato Joss Stone, die mondäne Rumer oder die elegante Norah Jones. Nicht nur deren Gesangsidiome kommen direkt vom Soul. Auch die Art und Weise, wie die Musik produziert ist, wie sie scheinbar vor warmen Röhrenverstärker-Klängen aus der Mitte heraus strahlt, lässt die Musik dieser Künstlerinnen nostalgisch erscheinen.

In den Jahrzehnten zuvor konnte sich der Soul Pop allerdings auch durch Modernisierungen des Soul in das Bewusstsein der Welt singen. Soulgesang mit Beats aus der Drum Machine zum Beispiel lieferten nicht selten das Rezept der Casting-Shows. Schon zuvor, bereits in den 1980er Jahren, hatte Universalkünstler Prince der Musik mehr Punch gegessen: Mit elektronischen Schlagzeug-Pads setzte er der Soul-Musik Schulterpolster auf.

Von den Alten lernen

Mit Labels wie Stax, Tamla und insbesondere der Detroiter Erfolgsmarke Motown kann diese Musik, die zu Beginn ja noch den Soundtrack zur Bürgerrechtsbewegung der USA lieferte, ja auch auf Aushängeschilder der Künstler- und Repertoire-Pflege sowie des Marketings zurück blicken. Dennoch ist es wohl sein musikalisches Ideal, das Soul zu einem derartigen Erfolgsmodell des Pop hat werden lassen: Hat doch die Abfolge von "Eigene Stimme finden, eigene Stimme pflegen" diese Musik längst zur Grundlage jedes Gesangsunterrichtes werden lassen. Individualität in der Konformität finden, das macht Pop schließlich so durchlässig auch für Talente aus unteren sozialen Schichten. Das mag man von oben herab niederschreiben, wie es einst Adorno und Horkheimer taten. Das ist aber auch ein zutiefst demokratisches Prinzip.

Es hat über die Jahre auch dazu geführt, dass sich auch ein deutschsprachiger Soul Pop entwickeln konnte, unter anderem auch getragen von Kindern aus immigierten Familien. Bildete in den 1970er Jahren die Monnemer Röhre Joy Flemming noch eine Ausnahme mit ihrem bluesdurchtränkten Soul Pop, so konnten insbesondere kurz nach dem Siegeszug des deutschsprachigen Rap auch Künstler wie Xavier Naidoo, Glashaus , Laith Al Deen oder Ich+Ich mit von Soulmusik geprägtem Mainstream Pop reüssieren.

Weitere Meister dieses Genres sind:

The Jackson 5,Stevie Wonder, Roberta Flack, Rumer, Lauryn Hill, Ms. Dynamite, Macy Gray

Schlüsselalben dieses Genres sind:

Michael Jackson: Thriller [1982]

Prince: Sign 'O' The Times [1987]

V.A.: Hitsville USA - The Motown Singles Collection 1959 -1971 [2000]

Xavier Naidoo: Zwischenspiel - Alles für den Herrn [2002]

Norah Jones: Come Away With Me [2003]

Amy Winehouse: Back To Black [2006]

Duffy: Rockferry [2008]

Adele: Rolling In The Deep [2011]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Informationen rund um das Thema Soul Pop an. Zum Beispiel in den Einträgen Let Them Entertain You (US-Entertainer), Hitfundus der Popmusik (Motown) oder Hört die Botschaft (Gospel).