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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Musikfilm
Vorläufer des Clips

 

Als der Ton aufdrehte: Der Musikfilm

Musik bedeutet weit mehr als eine Kunstform zum Hören: Von Anbeginn ist sie in allen Gesellschaften verbunden mit Tänzen. Dieses körperliche Element trägt entscheidend zum Siegeszug des Tonfilms mit seinen Tanzeinlagen bei: Der Swing dominiert anfangs den Musikfilm. Von den 50er Jahren bis heute schließlich nutzen Stars wie Elvis Presley und die Beatles das visuelle Medium ebenso wie die Verfasser von Bühnenmusicals wie Hair und der Rocky Horror Picture Show.

Lange vor dem Video-Clip entsteht der Musikfilm: Anders als die deutsche Filmindustrie, die zu Beginn der 20er Jahre die Tonfilm-Technologie noch ablehnt, erkennt der US-Amerikaner William Fox deren Potential und kauft die Rechte: 1927 produziert er die „Movietone News". Sie bilden die erste Serie kommerziell erfolgreicher Tonfilme. In Hollywood entwickelt sich der Tonfilm rasch zum Standard.

Einer der Gründe hierfür: Es gibt in den Dreißiger Jahren einen allseits beliebten Musikstil, und er lässt sich prächtig im Film inszenieren: Der Swing. Bereits 1930 entsteht ein Film namens „Swing High", in dem Musical Star Helen Twelvetrees als Zirkusakrobatin zu den Sounds der Zeit turnt. Mit Louis Armstrong schließlich spielt einer der ganz Großen in unzähligen Musikfilmen mit: Dazu gehören etwa „New Orleans" (1937) oder „Cabin In The Sky" (1943). Aus dieser Tradition des Musikfilms heraus entstehen dann die Leinwand-gerechten Tanzfilme wie Singin' In The Rain (dt. „Du sollst mein Glückstern sein", 1952).

Ist die Zukunft dokumentarisch?

„Pennies From Heaven" dagegen zeigt einen Schauspieler in der Hauptrolle, dessen Ruhm ohne den Tonfilm ebenso undenkbar wäre: Bing Crosby ist der beliebteste Sänger in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dazu tragen vor allem seine Rolle in Filmen bei, für die Komponist Irving Berlin seine zukünftigen Evergreens komponiert. So entsteht der Berlin-Hit White Christmas für den 1942 produzierten Holiday Inn, Berlins Reise durch ein Jahr anhand US-amerikanischer Feiertage.

Umgekehrt machen auch Musikfilme erst Stars: Wie etwa Meat Loaf. Vor seinem Auftritt im längst zum Kultfilm avancierten The Rocky Horror Picture Show hat er zwar bereits Tourneen im Vorprogramm von The Who und auch vor weiteren großen Namen gespielt. Doch erst mit der Performance des Eddie in der The Rocky Horror Picture Show, die auch heute noch als Musical auf jeder zweiten Abi-Party aufgeführt wird, bleibt seine komische Theatralik wirklich haften: Das knapp zwei Jahre nach der The Rocky Horror Picture Show veröffentlichte Album Bat Out Of Hell markiert den Durchbruch des Meat Loaf.

Dabei hat der 1946 in Dallas, Texas geborene Fleischbrocken auch zu Zeiten von Rocky Horror bereits eine beachtliche Karriere als Musical- und Musikfilm-Darsteller hinter sich. Sein zweiter musikalischer Weg beginnt sogar damit, dass man ihn Ende der 60er Jahre fragt, ob er nicht in einer Bühnenproduktion des Musicals Hair mitspielen wolle. Das Bühnenstück nimmt sich des Vietnamkrieges an und ist deshalb in jener Zeit hochaktuell. Als es 1979 von Milos Forman verfilmt wird, zählt es bereits zu den meist gespielten Musicals.

John Travolta tanzt

Auch die Produktion von Musikfilmen für den Teenagermarkt funktioniert unablässig. Einen besonders hohen Ausstoß dieser Soaps mit Sound sehen die 70er und 80er Jahre: John Travolta wird berühmt mit Saturday Night Fever und Grease, spätere, auf Tanz und Teeny beruhende Filme heißen etwa Flashdance oder Dirty Dancing.

Doch mit der zunehmenden Aufsplitterung musikalischer Stile wird der Musikfilm zunehmend auch als Kommunikationsmittel neu entstehender Subkulturen genutzt: Charlie Ahearn dreht 1982 den HipHop-Film "Wild Style", dessen Ästhetik tief in die Mainstream-Kultur von heute eingegangen ist. Der englische Regisseur Michael Winterbottom hält später die Energie des Manchester-Clubs The Hacienda fest, in seinem 24 Hour Party People erlebt die Zeit des Acid House eine Reanimierung. Überhaupt kennzeichnet den Musikfilm nach der großen Zeit des Video-Clip ein dokumentarischer Aspekt: So entstehen 2004 mit Ray von Regisseur Taylor Hackford und Irvin Winklers De-Lovely - Die Cole Porter-Story gleich zwei bildnerische Biografien bekannter Musiker.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

Baz Luhrmann (Moulin Rouge), John Landis (The Blues Brothers), Wim Wenders (Buena Vista Social Club), Mark Sandrich (Holiday Inn), Jacques Demy (Die Regenschirme von Cherbourg), Victor Fleming (Der Zauberer von Oz), Herbert Ross (Footloose)

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Gene Kelly, Stanley Donen: Singin' In The Rain (dt. Du sollst mein Glückstern sein) [1952]
Robert Wise: The Sound Of Music [1965]
George Dunning: Yellow Submarine [1968]
Jim Sharman: The Rocky Horror Picture Show [1975]
Milos Forman: Hair [1979]
Charlie Ahearn: Wild Style [1982]
Irving Berlin: In Hollywood [2002]
Taylor Hackford: Ray [2004]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Hits, Tanz, Bühnenbild – Alles drin (Musical), Spiel mir das Lied zum Film (Filmkompositionen) oder Big ist Trumpf (Tanzorchester).