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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Latin Pop
Cuba Libre für die Ohren

 

Der Siegeszug des Latin-Pop

Ob zwischen Wanne-Eickel und Frankfurt/Oder, zwischen Flensburg und Konstanz, auf Privatpartys oder in Diskotheken - die Bilder ähneln sich überall: Auch wenn es noch so regnet schütteln mitteleuropäische Freizeit-Latinos ihre Glieder zu Popsongs mit lateinamerikanischem Rhythmus. Ricky Martin und Jennifer Lopez sind die Heroen dieser Dirty Dancing Bewegung, die allerdings höchstens so neu ist wie das Bild des Mexikaners mit Sombrero.

Sei es im Jazz, im Schlager oder Musical - Latin-Sounds gehören seit jeher zur populären euro-amerikanischen Musik. In den 50ern kreierte beispielsweise Richtie Valens den Evergreen "La Bamba" der 1987 noch einmal in der Version der Los Lobos die internationalen Charts eroberte. In den 60ern verschmolz mit viel Erfolg das kubanische Quintett Los Zafiros Bossa und Bolero mit Pop und Doowop. Als Grenzgänger zwischen Rock, Pop, Blues und Latin-Sounds ist seit den frühen 70ern Santana regelmäßig in den Hitparaden vertreten. Und in den 80ern konnte sich kaum jemand Gloria Estefans Schlachtruf zur Eroberung der Dancefloors entziehen: "Get on your feet!"

So richtig durch startet der Latin-Pop jedoch erst seit Anfang der 90er Jahre. Motor der Entwicklung ist der stetig wachsende spanisch sprechende Teil der US-Bevölkerung. Die Generation der in den USA geborenen Kinder lateinamerikanischer Einwanderer begann damals eigene Clubs aufzumachen, eigenen Moden nachzugehen und Musik mit vornehmlich spanischen Texten zu hören. Diese Entwicklung blieb von der US-Unterhaltungsindustrie natürlich nicht unbeobachtet.

Die neue Königin

Ein neuer Markt war entstanden, der nun bedient und abgeschöpft werden wollte. 1997 verfilmte Hollywood daher das Leben der unter tragischen Umständen gestorbenen Sängerin Selena Quintanilla, die auch unter weißen Amerikanern Erfolge feierte mit ihrer vom Tejano (elektrifizierter TexMex-Country) beeinflussten Musik. Die Rolle der Selena übernahm die bis dahin nur als Schauspielerin bekannte Jennifer Lopez. Obwohl die als Sexbombe verehrte Puertoricanerin (die sich angeblich sogar Ihren Allerwertesten versichern ließ - wogegen auch immer!) im Film nur lippensynchron zur Musik agierte, veröffentlichte sie bereits zwei Jahre später ein eigenes Album. Mit durchschlagendem Erfolg: "On the 6" brachte ihr aus dem Stand den Titel der Königin des Latin-Pop ein.

...und ein König

Auch Ricky Martin war Schauspieler ehe er zum Aushängeschild des Genres wurde. Als Barkeeper Miguel Morez verewigte er sich im US-Soap Klassiker "General Hospital". Später bewies er in der Broadway Produktion "Les Miserables" auch musikalische Qualitäten. Sein Durchbruch in den USA aber gelang ihm ausgerechnet mit einem spanischsprachigen Lied über Fußball ("Livin La Vida Loca") - eine Reprise von "La Copa de La Vida"). Längst haben auch Künstler, die weniger verdächtig sind, zur hispanischen Gemeinschaft zu zählen wie etwa Madonna ("La Isla Bonita") oder Geri Halliwell ("Mi chico latino") den Ritmo des Latin-Pop für sich entdeckt. Und sie werden sicher nicht die letzten bleiben, die auf diese Art unserem täglichen Bedarf an Bacardi- und Ballermann-Feeling huldigen.

Weitere Meister des Genres sind:

Marc Antony, Gipsy Kings, Manu Chao, Lou Bega, Buena Vista Social Club, Shakira, Ruben Gomez, Enrique Iglesias, Christina Aguilera

Weitere Platten mit Schlüsselqualitäten sind:

Gipsy Kings: Gipsy Kings [1991]
Gloria Estefan: Mi Tierra [1993]
Selena: Mejores Canciones [1995]
Marc Anthony: Contra La Corriente [1997]
Ritchie Valens: Best of [1997]
Ricky Martin: Vuelve [1998]
Shakira: MTV Unplugged [2000]
Manu Chao: Proxima Estacion:Esperanza [2001]

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