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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Filmkomposition
Spiel mir das Lied zum Film

 

Die Geschichte der „Original Scores"

Im Unterschied zum Überbegriff „Soundtrack" wird der „Original Score" als Auftragsarbeit für einen Film komponiert. Denn „Score" ist das englische Wort für Partitur, und ein so bekannter wie unerlässlicher Score ist Das Piano, den der Komponist Michael Nyman für die Regisseurin Jane Campion geschrieben hat. In diesem Film verschränken sich Bild und Ton.

Die Brüder Lumière tragen das Licht im Namen. Im Grand Café zu Paris führen sie 1895 als Erste einen Film der Öffentlichkeit vor. Damit beginnt die Filmgeschichte - und auch die Geschichte der Filmmusik. Bis es allerdings zu den feinsinnigen Ton-Bild-Verschränkungen wie etwa in Jane Campions Das Piano (großes Bild) kommt, worin die Musik von Michael Nyman ebenso wichtig ist wie die Kamera-Aufnahmen, bis dahin werden noch viele Erkenntnisse gewonnen. Technische Hilfsmittel erfunden, Fehler gemacht und „Music Consultants" erfunden. Die Geschichte der Filmmusik ist eine Geschichte des stetigen Wachstums einer sich ebenso stetig spezialisierenden Industrie.

In den ersten Jahren des Films hätte Nyman mit seiner neo-impressionistischen Klavierpartitur aus dem Piano gar nicht erst ankommen können. Zwar wurden bereits in den Jahren nach der Jahrhundertwende Kinoorgeln, Stehgeiger und Klavierspieler zum Untermalen von Stummfilmen engagiert. Doch hatte das schlicht pragmatische Gründe. Denn die Vorführgeräte verursachten Lärm, und der sollte übertüncht werden. Meist waren es Ragtime und Jazz, die zu den Filmaufführungen gespielt wurden. Im Laufe der 10er Jahre wurden von den größeren Sälen auch ganze Orchester gebucht. Zu dieser Zeit hatte bereits auch die Entwicklung der Filmmusik als eigene Gattung begonnen. Denn mit Camille Saint-Saëns war einer der angesehenen Komponisten seiner Zeit von Regisseur Charles Le Bargys beauftragt worden, die Musik zu dem 1908 erscheinenden Film „Die Ermordung des Herzogs von Guise" zu schreiben.

Die Bedeutung wächst

Mit dieser Bestellung beginnt sowohl die Geschichte des „Soundtracks", als auch die Geschichte des „Score" in engerem Sinne. Denn während ein Soundtrack aus bereits veröffentlichten Kompositionen, Popsongs und Tracks in beliebiger Kombination bestehen mag, bezeichnet „Score" als englischer Begriff für „Partitur" immer eine eigens für den Film verfasste Musik. Ihre Bedeutung wächst mit der Erfindung des Tonfilms im Jahr 1927. In „King Kong und die weiße Frau" aus dem Jahr 1932 etwa zeigt Komponist Max Steiner, wie Musik das Dramatische eines Films steigern kann. In der gleichen Ära werden etliche Swing-Filme produziert, in denen Sound und Tanz die Hauptrolle spielen. Die Swing-Filme haben in diesen Jahren die Funktion inne, die heute Internet und Musikfernsehen einnehmen: Sie bewerben Songs, Stars und neue Moden. Ein Pendant dazu in der Weimarer Republik ist etwa W. Thieles Die Drei von der Tankstelle mit dem jungen Heinz Rühmann. Durch diesen Film wird das Lied Ein Freund, ein guter Freund zum Gassenhauer. Es stammt aus der Feder von Werner Richard Heymann.

Die Filmmusik-Industrie

Nach dem Zweiten Weltkrieg entsteht dann endgültig diese hochgradig spezialisierte Filmindustrie, die Berufe wie „Location Scouts" und „Music Consultants" erfindet. Gerade die letztgenannte Berufsbezeichnung zeigt, welch enorm wichtige Rolle eigens für den Film komponierte Musik einnimmt: Mit einem Großteil der Klassiker assoziiert man deutliche Bilder ebenso wie Sounds. Da ist die Dusch-Szene in Psycho, begleitet von den spitz kreischenden Streichern des Komponisten Bernard Herrmann; da sind Ennio Morricones Sensemann-Mundharmonika in „Spiel mir das Lied vom Tod" und die immer neuen Suggestionen eines unheimlichen „Da ist noch mehr, als du siehst"-Gefühl, die Angelo Badalamenti für die Bilder von David Lynch kreiert.

Diese vielfältigen Bedeutungen von Filmkompositionen - in Bildern gezeigtes verstärken, Zwischentöne einmischen, sogar konterkarieren - haben zu eindeutigen visuellen Aufladungen der bekannten Filmmusik-Themen geführt. Ebenso haben sich Grundmuster herausgebildet, Arbeitstechniken, die zur Steigerung der Atmosphäre beitragen. So führt die Filmmusik auch jenseits des Films längst ein Eigenleben: Gerade im auf Samples basierten Pop seit den späten 80er Jahren werden immer wieder Versatzstücke bekannter Themen benutzt. Ein schönes Beispiel ist Lalo Schifrin, der Komponist des Mission: Impossible-Themas. Der in Beverly Hills lebende Argentinier wurde bereits gesampelt von Madonna in Forbidden Love, Portishead in Sour Times und im HipHop von A Tribe Called Quest und Cypress Hill. So gehört der Original Score längst zum kulturellen Weltgedächtnis.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

Maurice Jarre, Michael Kamen, Nino Rota, Howard Shore, Mark Isham, Hans Zimmer, John Barry

Schlüsselalben dieses Genres sind:

Werner Richard Heymann: Die Drei von der Tankstelle [1929]
Bernard Herrmann: Psycho OST [1960]
Henry Mancini: Der rosarote Panther [1964]
Lalo Schiffrin: Bullitt [1968]
Danny Elfman: Batman OST [1989]
John Williams: Star Wars Trilogie [1993]
Yann Tiersen: Die fabelhafte Welt der Amélie OST [2001]
Ennio Morricone: Movie Masterpieces [2004]

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