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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Bühnenshow
...must go on

 

Die Bühnenshow im Pop

Bereits die erste große Jugendkultur des Pop, die Teds, achtet auf ihr ganz eigenes Outfit. Es ist sogar vor Ihnen da. Will sagen: Ob das eigene coole Aussehen oder die große Inszenierung vor Publikum, ob Elvis, Madonna oder ganz anders noch einmal Massive Attack - die Bühnenshow zählt zu den elementaren Bausteinen der Pop-Musik.

Kleidung, Frisur, ja sogar, die Art und Weise zu gehen: Es gibt so vieles in der Popmusik, was zuerst einmal nichts mit Musik zu tun hat. Sogar die Teds, die erste Jugendkultur nach dem zweiten Weltkrieg und damit so etwas wie die Erfinder des Pop, hatten zuerst ihre Tollen und hre umgekrempelten Jeans, ihren Style also. Erst dann begannen sie im Block, die Musik von Chuck Berry und Elvis Presley zu hören. Der King des Rock'n'Roll indes wusste ebenso wie Chuck Berry als musikalisches Vorbild seiner Generation, dass ein guter Song nicht genügt.

Die Show macht erst die Musik. Nun ist Elvis Presley ein gutes Beispiel, dass nur wenige, dafür aber markante Merkmale genügen, wenn auf der Bühne alles zusammen passt. Man könnte es den Kult der Aura nennen: eine Show, die ganz auf den Typ eines Sängers, einer Sängerin oder einer Band abgepasst ist. Schließlich musste Elvis erst zum Glitzer-Anzug greifen, als seine besten Jahre eigentlich schon vorbei waren. Vorher genügten ihm das Zusammenspiel aus seiner dunklen, luftigen Tolle, dem Schokoladenüberzug über der warmen Stimme, und natürlich dem Hüftschwung, der so sehr Hüftschwung war, dass man auch fast 60 Jahre nach der großen Zeit des Rock'n'Roll-Stars zuerst an Elvis Presley denkt, wenn das Wort "Hüftschwung" auch nur fällt.

Welch ein Aufwand!

Das ist die alte Schule, nicht nur der Musik: Die Show, in der Musik und Performer ganz im Mittelpunkt stehen, mit wenigen Inszenierungen von außen, klar, die Light Show ist schnell Standard geworden. Doch hat sich im Lauf der Popgeschichte auch die ganz große Inszenierung durchsetzen können: ganz im Sinne von Musical und Musikfilm bieten etwa Madonna und Kylie Minogue großes Entertainment. Meist sind diese Gesamtkunstwerke in eine Erzählung oder zumindest einen roten Faden gepackt: so wie etwa Kylie im Jahr 2010 mit ihrer Show Aphrodite, die der griechischen Göttin des Eros gewidmet - oder sollte es heißen: geweiht? - war.

Welch ein Aufwand hinter derartigen Inszenierungen steckt, das zeigt die Labyrinth Tour 2010 von Leona Lewis. Alleine für die Kostüme wurden 200.000 Pfund investiert - fast 240.000 Euro. In Zusammenarbeit mit dem Produzenten William Baker hatte sie ein Multimedia-Spektakel auf die Beine gestellt: Leona Lewis-Hits wie Bleeding Love ertönten, umtanzt von einer ganzen Compagnie, inmitten von umwerfenden Bühnenbauten. Waldlandschaften, Märchenschlösser, ungeheure Kreaturen - ein Wunderland aus dem Reich der Fantasie hatte Baker hier realisiert. Er kennt sich aus mit Bühnenshows, hatte er zuvor doch schon mit Stars wie Britney Spears zusammen gearbeitet.

Weg vom Star-Kult

Mit der Verfeinerung der Musikstile und der zunehmend mit Bildern kommunizierenden Mediengesellschaft hat sich jedoch noch eine weitere Art der Bühnenshow etablieren können: jene, die das Visuelle abseits des Stars in den Fokus rückt. Da hat sich für Grafik-Agenturen ein ganz neuer Wirtschaftszweig erschlossen: das Londoner Büro United Visual Artists etwa konnte sich mit einer LED-Show für die 100th Window-Tour von Massive Attack einen Namen machen und später mit einer gläsernen Box für die Instrumental-Band Battles. Der in Berlin lebende Ali Demirel hat ebenso für Techno-DJ Richie Hawtin die Show Contakt entwickelt: da stehen die Messages des Publikums im Mittelpunkt der Feier. Sie können sich aus dem Internet melden oder gleich vor Ort eine SMS schicken, die dann in den Saal gebeamt wird. Das ist dann die Show 2.0.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Abba, Radiohead, Deus, Kraftwerk, Mouse On Mars, The Flaming Lips, Gwar

Schlüsselalben dieses Genres sind:

Massive Attack: 100th Window [2003]
Elvis Presley: The Early Years [2005]
Madonna: The Confessions Tour [2007]
Battles: Mirrored [2007]
Chuck Berry: Chuck Berry Is On Top [2010]
Leona Lewis: Labyrinth Tour [2010]
Kylie Minogue: Aphrodite [2010]
V.A.: Making Contakt [2010]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Informationen rund um alle Musikstile an. Zum Beispiel in den Einträgen Hits, Tanz, Bühnenbild... (Musical), Vorläufer des Clips (Musikfilm) oder Let them entertain you (US-Entertainer).