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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Thrash Metal
In der Hitze der Bay Area

 

Thrash Metal entdeckt die schiere Geschwindigkeit

Als einer der ersten Sprosse des Heavy Metal bringt Thrash Metal den alten Keim zu neuer Blüte. Thrash ist dabei die Metal-Spielart, die den Weg aus der Underground/Tape-Szene heraus bis an die Spitze der Charts am konsequentesten vollzieht.

In der Bay Area liegt zweifellos die Wiege des Thrash Metal, aus dem sich ab Mitte der 1980er Jahre auch der Death Metal herausbilden soll. Unter der Sonne Kaliforniens verfallen Bands wie Exodus, Metallica, Megadeth und Testament einem beispiellosen Geschwindigkeitsrausch. Thrash bedeutet gleichzeitig eine unmittelbare Reaktion auf die Engstirnigkeit des straighten Speed Metal-Geprügels, mit dessen Weiterentwicklung sich einige Bands sogar von ihren eigenen Ursprüngen distanzieren. Die erste Generation von Thrash-Bands etabliert einen Hybriden aus Geschwindigkeit, technischer Brillianz und jener Haltung des Do it yourself, wie sie zur selben Zeit in und um San Francisco herum gepflegt wird.

Exodus gelten heute als die erste Bay Area Thrash-Band, obwohl ihnen nie der Erfolg von Metallica, Megadeth und Sacred Reich zuteil wird. Ihr puristischer Thrash inspiriert Legionen von Bands und legt auch den Grundstein für die größte Thrash-( und später auch Rock-)Band aller Zeiten: Metallica. Noch vor ihrem Meilenstein "Bonded by Blood" verlässt Lead-Gitarrist Kirk Hammet Exodus, um bei Metallica einzusteigen.

Mit Metallica in die Charts

Aus Metallica wiederum geht im selben Jahr die dritte wegweisende Bay Area-Band hervor: Dave Mustaine kehrt der Band 1983 den Rücken zu, um kurz darauf Megadeth zu gründen. Es sind jedoch Metallica , die 1988 mit "...and Justice for all" den Thrash in die Charts hieven sollen. In den 90ern verwässern dann sowohl Metallica als auch Megadeth ihren Thrash, bis die Musik schließlich in jedes Alternative-Format passt.

Seine erste Zäsur erlebt Thrash durch das Auftreten von Slayer. Slayer begehen ein Sakrileg, als sie 1985 beginnen, Thrash auf das kurze Format von drei Minuten-Songs zurechtzustutzen. Diese Entschlackung verschafft ihren Stücken jedoch eine Kompaktheit, die bis heute unerreicht bleibt.

Vom Britpopper über den Jazz-Fan bis zum Kuttenträger können sich heute fast alle auf Reign in Blood als eines der wichtigsten Alben aller Zeiten einigen. Slayer erreichen eine fast maschinelle Präzision; selbst die kurzen Soli und Interludes klingen ultra-aggressiv.

Ab Mitte der 1980er Jahre schießen Thrash-Bands dann wie Pilze aus dem Boden. Interessant dabei: die regionalen Auswüchse des neuen Metal-Phänomens. Die Schweiz bringt mit Celtic Frost und Coroner zwei der einflussreichsten europäischen Thrash-Bands hervor. Während Coroner berüchtigt werden für ihre Brutalität, machen sich Celtic Frost durch ihre musikalischen Experimente und vor allem dem unverwechselbaren Grunz ihres Frontmanns Tom Warrior viele Freunde - besonders in der amerikanischen Death Metal-Szene.

Deutschland: Boom

Auch die Metal-Szene in Deutschland erlebt durch einige Thrash-Bands von internationalem Kaliber einen neuen Boom. Kreator und Sodom jedoch klingen bodenständiger als ihre amerikanischen Vorbilder. Was nichts an ihrer guten Reputation in Übersee ändert. Mit den wegweisenden Holy Moses bringt die deutsche Szene schließlich auch eine der besten Thrash-Bands mit einer weiblichen Shouterin hervor.

In Brasilien, traditionell ein guter Nährboden für extreme Musik, gehen Sepultura relativ spät, nämlich erst Ende der 1980er Jahre, den Weg vom Death- zum Thrash Metal. Sie kehren also die übliche Richtung einfach um. Sepultura gelten neben Sacred Reich auch als die Vorbilder des "conscious" Thrash Metal. Die knallharte Genozid- und Kriegs-Symbolik brechen sie mit explizit-politischen Texten und Cover-Artworks auf.

Seine erste Renaissance - und gleichzeitig seinen letzten nennenswerten Höhepunkt - erlebt der Thrash Metal bereits 1992 mit einer Mutante: dem "Power Thrash". Die ehemalige Power Metal-Band Pantera möbelt ihren Sound durch Elemente des Hardcore und Thrash brutal auf. Machine Head profitieren mit ihren Hochglanz-Thrash von diesem Wandel; ihr Debüt "Burn My Eyes" weist aber bereits erste Spuren jenes Konsens-Metals auf, dem sich Machine Head oder andere extreme Bands wie der Sepultura-Nachfolger Soulfly, Kittie oder auch Fear Factory in den späten 1990er Jahren zuwenden. Heute findet Thrash Metal in seiner ursprünglichen Form wieder ausschließlich im Independet-Bereich statt.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Flotsam & Jetsam, Dark Angel, Anthrax, Metal Church, Annihilator, Nuclear Assault, Cryptic Slaughter

Alben mit Schlüsselqualitäten:

Metallica: Master Of Puppets [1986]
Exodus: Bonded By Blood [1985]
Megadeth: Peace Sells... But Who's Buying? [1986]
Slayer: Reign In Blood [1986]
Celtic Frost: Morbid Tales [1984]
Sepultura: Beneath The Remains [1989]
Sacred Reich: Surf Nicaragua [1988]
Anthrax: Spreading The Disease [1985]
Kreator: Endless Pain [1985]
Machine Head: Burn My Eyes [1994]

Interesse geweckt?
Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Informationen rund um die Musikstile an. Zum Beispiel in den Einträgen Anarchie ist ein Headbanger (Punk Rock), Dafür suchen manche die Wüste auf (Stoner Rock) oder Frustration und Lärm (Noise Rock).