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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Black Metal
Niemals nicht Mainstream sein

 

Der Black Metal und sein Irrtum

Härte, Kreischen, brennende Kirchen, Corpse-Paint, Blasphemie und der Mythos eiskalter Fjorde - das ist der Black Metal von Bathory über Mayhem bis Immortal. Ein Sammelsurium zwielichtiger Gestalten, deren Hingabe dem Gehörnten gegenüber durchaus unterschiedlich ausfällt.

Rockmusik war schon immer mit dem Teufel im Bunde. Der Heavy Metal, wie immer einen Zacken extremer, fokussierte schon früh vor allem auf diesen Aspekt. Okkult, mystisch oder satanisch sind viele Themen auch wenn es den Bands selbst damit gar nicht so ernst war. Black Sabbath sangen 1970 über eine "Big black shape with eyes of fire" (aus "Black Sabbath") und waren selber mehr erlebnisfreudige Arbeiterkinder als opferwütige Anti-Christen.

Während sich die New Wave of British Heavy Metal Band Iron Maiden nahezu unverschuldet durch ihr Album "The Numer Of The Beast" in den USA den Ruf zuzog, dem Teufel zu dienen, prägen ihre Landsleute Venom im gleichen Jahr (1982) den Namen für ein fortan im Untergrund florierendes Sub-Genre. "Black Metal" ist geboren, auch wenn es Venom, das Trio aus Newcastle, mit ihrem polternd-punkigen Satanismus auch nicht sonderlich ernst meinten.

Im folgenden Jahr nennt sich ein junger Schwede Seth Quorthon und gründet eine Band namens Bathory. Der Multi-Instrumentalist nimmt die von Venom oder den Schweizern Celtic Frost begonnene Sache weitaus ernster und wird durch kontinuierliche Veröffentlichungen in den 80er Jahren zum Vorbild für viele skandinavische Underground-Bands.

Heavy Metal gewann in den 80er Jahren immer mehr an Mainstream-Boden. Der Underground versuchte sich durch immer komplexer werdenden Thrash-Sound, zunehmender Härte oder auch unangepasstem Outfit wie Patronengurt und Kutte vom "Posertum" à la Bon Jovi oder Cinderella zu distanzieren. Die Entwicklung gipfelt zum Jahrzehntwechsel im Stark an Zulauf gewinnenden Death Metal, der für den Black Metal der heutigen Form zwar musikalisch entscheidend, ideologisch jedoch weitestgehend unannehmbar war. Während Death-Metal-Bands wie Entombed oder Orbituary von der Straße weg in Shorts oder Jogging-Hosen auf die Bühne gingen, war die norwegische Szene mit Mayhem, Burzum oder Darkthrone davon stark abgestoßen.

1993 geschah dann, womit der Black Metal bis heute leben muss. Die Animositäten und Eifersüchteleien im so genannten "Inner Circle" des Ton angebenden, norwegischen Black Metals waren außer Kontrolle geraten. Mayhem-Mastermind und Szeneguru Euronymus wird von Burzum-Egoman Varg Vikernes (alias Count Grishnack) erstochen. Im Weiteren gehen viele norwegische Holzkirchen in Flammen auf. Der Black Metal wird gewalttätig und zeigt immer stärker, dass er von faschistischem und fanatischem Gedankenträgern durchsetzt ist.

Durch die Gewalt mit Aufmerksamkeit bedacht, ist der Black Metal allerdings alles andere als dem Tod geweiht. Einige Musiker wandern ins Gefängnis, die Szene macht vereinzelt gegen rechte Ideologen mobil und vom anrüchigen Mythos des Black Metal gepusht, erheben sich Bands wie Cradle Of Filth oder Dimmu Borgir langsam aus dem Underground in den Mainstream. Sie ebnen den Weg für die Szene-intern wesentlich anerkannteren Immortal, Emperor, Enslaved, Satyricon oder Ulver.

Zur Jahrtausendwende ist der einstmals nur im rumpelnd-verhallten Kellersound gespielte Black Metal Major-Label-kompatibel. Das Fauchen und die rasenden Gitarren werden von viel Image und provokant-durchgestylten T-Shirt-Motiven umspült. Auf der anderen Seite erlaubt ein von der Dogma-Last befreiter Black Metal auch Mut zu Experimenten. Thorns, Dödheimsgard oder Ulver kombinieren die Härte ihrer Musik mit Samples und Beats. Ein paar Black Metal-Labels erweitern ihr Programm bis hin zum Ambient. Der Black Metal nutzt dadurch sein musikalisches Potential, welches vormals unter der Ideologie der Szene-Sheriffs unterzugehen drohte.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Mercyful Fate, Possessed, Bal Sagoth, Mortiis, Samael, Sigh, Gorgoroth, Arcturus oder Old Man's Child

Einige Alben mit Schlüsselqualitäten:

Venom: Black Metal [1982]
Possessed: Seven Churches [1985]
Bathory: Under The Sign Of The Black Mark [1986]
Emperor: In the Nightside Eclipse [1994]
Mayhem: De Mysteriis Dom Sathanas [1994]
Cradle of Filth: Dusk And Her Embrace [1997]
Immortal: Blizzard Beasts [1997]
Thorns: Thorns [2001]