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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Stoner Rock
Dafür suchen manche die Wüste auf

 

Stoner Rock braut Gifte aus historischen Rezepten

Niemand wusste so recht, wo es herkam: Dieses neue Interesse an wuchtigem Geklöppel. An heruntergestimmten Gitarren und stoischen Bassläufen. Doch Bands wie Kyuss und die Melvins folgten der Tradition von Black Sabbath und Blue Cheer. Besonders nach dem Ende des Grunge-Hypes konnten die Queens Of The Stone Age und Monster Magnet ab Mitte der 1990er Jahre die Früchte dieser Pionier-Arbeit ernten.

Ein Blick in die Geschichte könnte die Umstände erhellen, die den Siegeszug des Stoner Rock ermöglichten. Die 1980er Jahre nämlich, sie waren ein Jahrzehnt der Extreme. Die Weltpolitik stand sich in zwei monumentalen Blöcken gegenüber und jazzte ihr Wettrüsten mit nuklearen Raketenköpfen in immer absurdere Mengen hoch. In Sachen Musik zerfiel alles, was nicht Mainstream war, ebenso in Extreme: Alles, wovon es einmal ein Genre gegeben hatte wie Punk Rock oder Heavy Metal spielte immer neue Steigerungsspiele. Aus Punk wurde Hardcore, aus Heavy wurde unter anderem Grindcore mit seiner Anmutung eines Hackschnitzelwerkes.

Die Gegenbewegung - der Begriff ist mit Bedacht gewählt, denn es handelt sich nicht um eine "Reaktion" - entsteht zunächst im Untergrund. Vor allem unabhängige Plattenfirmen in den USA veröffentlichen von etwa Mitte der 1980er Jahre an einen bestimmten Sound. Overkill, Das Damen und die Screaming Trees pflegen auf SST Records einen ähnlich in der Wüste zwischen Punk Rock und Metal zerfließenden Hardrock wie ihre Kollegen Soundgarden, Big Chief und Tad auf dem Label Sub Pop.

Auskosten der Schwere

Was ihnen gemeinsam ist: Der Gedanke, dass ein Ausdruck wie "Hard'n'Heavy" ja nichts mit Geschwindigkeit zu tun hat. Sie kosten die Schwere aus, und mit ihnen tun das zwei sehr einflussreiche Bands: Kyuss und die Melvins . Schließlich hatten doch schon die großen Vorläufer, hatten Black Sabbath und Blue Cheer die Zeit in ihren Songs eher zerdehnt als niedergetrampelt.

Mit seiner Band Kyuss liefert Gitarrist Josh Homme von 1990 an die Grundlage dessen, was später tatsächlich "Stoner Rock" genannt wird. Die GItarren werden heruntergestimmt und gerne auch durch einen Bass-Verstärker gespielt, damit sie noch mehr körperliche Wucht entfalten können. Das Schlagzeug läuft Galopp, und dabei hat dieser Entwurf auch noch die Geerdetheit des Southern Rock. Mit der Nachfolge-Band von Kyuss erfährt Homme dann im Laufe der Zeit die kommerzielle Belohnung für diese Grundlagenarbeit. Gelten die Queens Of The Stone Age doch bis heute zurecht als eine der aufregendsten Bands des Stoner Rock. Bis Ende der 1980er Jahre schwimmen Begriffe wie Grunge oder eben "Stoner Rock" noch in einer Ursuppe, und eine Band wie Soundgarden belegt das: Wahrscheinlich, weil sie auf Sub Pop und damit "dem" Grunge-Label veröffentlichten, zählen sie immer wieder zu dem Genre. Dabei klingen sie weniger kaputt als ihre Grunge-Kollegen. Geschlossene Wand bedeutet Stoner Rock, Zerschlissenheit und Fetzen bedeutet Grunge.

Die so langsamen wie wuchtigen Bretter der Melvins aus dem Staate Washington geben dem Stoner Rock erst Recht Auftrieb. Als Mitte der 1990er Jahre der große Grunge-Hype abklingt, da haben sich längst neue, überzeugende Stoner-Bands formiert. Die Black Crowes definieren Stoner Rock als Aktualisierung des Südstaaten Rock. Bis heute zelebrieren Monster Magnet ihren mit verwirrenden Effekten versehenen Hardrock als Persiflage auf alle Klischees auf den Bühnen, und bis heute möchten sich die Japaner Boris nicht entscheiden: Wollen sie nun experimentelle Musik machen oder doch die neuen Black Sabbath sein? Solange sie alle so gut klingen, ist diese Entscheidung nicht von Belang.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Electric Wizard, Sleep, Fu Manchu, Them Crooked Vultures, Orange Goblin, Saint Vitus

Schlüsselalben dieses Genres sind:

Black Sabbath: Master Of Reality [1971]

Masters Of Reality: Masters Of Reality [1988]

Monster Magnet: Spine Of God [1992]

Kyuss: Welcome To Sky Valley [1994]

Melvins: Houdini [2004]

Queens Of The Stone Age: Rated R [2000]

Boris: Pink [2006]

V.A: High Volume - Stomer Rock Compilation [2005]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Informationen rund um die Musikstile an. Zum Beispiel in den Einträgen Drogen kriechen in die Instrumente (Psychedelic Rock), Bisschen Boogie, bitte (Southern Rock) oder Lizenz zum Illen (Crossover).