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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Weihnachtsklassik
Süßer die Glocken nie klingen?

 

Lieder zur heiligen Nacht - Weihnachstklassik

Warum sind die über den Rest des Jahres oft verwaisten Gotteshäuser am Heiligen Abend immer rappelvoll? Natürlich wegen der feierlichen Stimmung, aber ganz bestimmt auch aufgrund der wunderbaren Musik, die speziell zu diesem Anlass mit besonderer Inbrunst vom Organisten und vom Chor dargeboten wird. Alle Jahre wieder um die Feiertage kommen "Weihnachtsoratorium", "Weihnachtskonzert" und "Weihnachtsbaum" zu neuen Ehren.

Die Kirche mag darüber etwas anders denken, für die meisten Menschen im christlichen Kulturkreis dürfte allerdings Weihnachten das größte, wichtigste Fest mit religiösem Hintergrund sein. Neben wochenlang andauerndem Kaufrausch, festtäglicher Völlerei sowie obligatorischem Familienstreit ist die klassische Weihnachtsmusik einer der Höhepunkte des alljährlichen Rituals.
Jedes Jahr pünktlich zum Advent erscheint eine Vielzahl Einspielungen bekannter Festtagsweisen im neuen Klanggewand. Während sich Populärmusiker von Patrick Lindner über Torfrock oder Garth Brooks bis hin zu Mariah Carey mit Alben zur Heiligen Nacht mühen, sind es letztlich die Klassiker, auf die das Volk noch immer am häufigsten zurückgreift.

Wenn die Engel flüstern

Die bis heute beeindruckendsten und beliebtesten klassischen Werke zur Saison sind das Weihnachtsoratorium (1734) von Johann Sebastian Bach bzw. Der Messias (1741) von Georg Friedrich Händel. Beide waren, wie damals üblich, Auftragsarbeiten. Sowohl an der Detailverliebtheit als auch an der zwischenzeitlichen Leichtigkeit der Melodien ist jedoch unschwer zu erkennen, dass das Thema von Christi Geburt den Komponisten besonders nah am Herzen lag.

Bereits zuvor hatte Bach ein noch erheblich älteres Werk immer wieder aufgegriffen. Das gleichermaßen mit deutschen wie lateinischen Textzeilen versehene, Ende des 14. Jahrhunderts entstandene "In dulci jubilo" soll dem Autor Heinrich Seuse angeblich von auf die Erde hinab gestiegenen Engeln eingeflüstert worden sein.

Kaum weniger ergreifend sind das zwar weltweit geschätzte, doch hierzulande leider etwas vernachlässigte Weihnachtskonzert (1704) des Italieners Arcangelo Corelli sowie Franz Liszts ungewöhnlich beschwingter Weihnachtsbaum (1873 - 1876). Diese Sammlung von zwölf - in Bezug auf viele seiner sonstigen Arbeiten - vergleichsweise simplen Klavierstücken widmete der ungarische Meister seiner geliebten Enkeltochter.

Wie einst Wolfgang Amadeus Mozart, der nach Kindheitsaufenthalten in London vom walisisch/englischen Weihnachtslied Deck The Halls so beeindruckt war, dass er dessen Melodie in seine als "Sonate Nr. 18" bekannt gewordene Sonate für Klavier und Violine, KV 301 G-dur (1788) einfließen ließ, haben viele der größten Opernsänger unserer Tage glücklicherweise ebenfalls keinerlei Probleme damit, alte Volksweisen à la Oh Tannenbaum oder Stille Nacht zum Besten zu geben. Bei den Festtags-Aufnahmen von z.B. der gefeierten Sopranistin Barbara Schlick, aber auch von José Carreras, Placido Domingo sowie Luciano Pavarotti unter ihrem gemeinsamen Markenzeichen als Die drei Tenöre ist in jeder Note deutlich erkennbar, wie viel Freude die Dame bzw. Herren am Intonieren der vermeintlich trivialen Lieder haben.

Diese Alben besitzen Schlüsselqualitäten:

Helmuth Rilling/Arleen Auger: Johann Sebastian Bach - Weihnachtsoratorium [1985]
Placido Domingo/Wiener Sängerknaben: Weihnachten mit Placido Domingo [1985]
Giovanni Antonini: Weihnachtskonzerte [1991]
Julia Migenes: Festliches Weihnachtskonzert [1993]
Barbara Schlick/Wolfgang Seeliger: Kantaten und Lieder zur Weihnacht [1994]
Wiener Sängerknaben/Peter Schreier: Weihnachten für Millionen (5 CDs) [1996]
André Rieu: Mein Weihnachtstraum [1997]
Leonard Bernstein/Adele Addison: Georg Friedrich Händel - Der Messias [1998]
José Carreras/Placido Domingo/Luciano Pavarotti: Weihnachten mit den drei Tenören [2000]
Alfred Brendel: Franz Liszt - Der Weihnachtsbaum [2000]
Helmut Lotti: A Classical Christmas With Helmut Lotti [2001]