Start | Genres  | Klassik | Romantik

GENRES

Info

Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Romantik
Klingende Selbsterfahrung

 

Die musikalische Romantik

Mit "Romantischer Musik" verbindet man oft dreierlei: Geniale Komponisten, große Gefühle und eine Reihe von "Hits" des 19. Jahrhunderts. Allerdings handelt es sich bei der Romantik nicht um einen einzigen, klar umrissenen Stil, sondern um ein komplexes Phänomen, das sich nur im Rückblick halbwegs einheitlich darstellt. Was also ist es, das Brahms und Wagner, Berlioz und Tschaikowsky verbindet?

Der Epoche der musikalischen Romantik wird in der Regel die abendländische Kunstmusik zwischen ca. 1830 und der Jahrhundertwende zugeschrieben; als wichtigstes Bestimmungsmerkmal dient die Abgrenzung zur Klassik. Die Vertreter der Wiener Klassik, wie Mozart und Haydn und besonders der übermächtige Beethoven, hatten die Grenzen des strengen Formenkatalogs der Klassiker vollständig ausgereizt und teils gar gesprengt. Mit dem Abschied von Ludwig van Beethoven (1827) und Franz Schubert (1828), deren beider Tod das Ende einer Epoche markierte, ergab sich die Gelegenheit, intensiv an neuen Ausdrucksmöglichkeiten und -formen zu arbeiten. Man muss sich vorstellen, was wohl in dem Publikum vorgegangen sein mag, das 1829, gerade zwei Jahre nach dem Tod Beethovens, erstmals Hector Berlioz hörte - eine fünfsätzige Symphonie, die in schillernden, teils schrillen Farben die Drogenphantasien eines unglücklich verliebten Künstlers beschreibt. Neben der Idee der absoluten Musik wurde damit zugleich die komplette Instrumentations- und Formenlehre auf den Kopf gestellt.

Ausdruck dominiert die Form

Schon hier wird deutlich, was bis heute unser Bild der Romantik prägt: Das Spiel mit den Extremen, ein Ausdruckswille, der jeden Formanspruch dominiert und eine Emotionalität - changierend zwischen Introvertiertheit und Extrovertiertheit -, die dem unvorbereiteten zeitgenössischen Hörer sicherlich vulgär erschienen sein muss. Die Komponisten der Romantik waren getrieben von der Suche nach gesteigertem Ausdruck. Längst hatte die romantische Bewegung in Literatur, bildender Kunst, Ästhetik und Philosophie, die der musikalischen Romantik zeitlich vorausging, auch die Musik erreicht. Musik sollte nun das Innerste des Menschen, das Subjektive, Sehnsuchtsvolle und Leidenschaftliche der Natur des Künstlers zum Klingen bringen. Mit diesem neuen Anspruch an Musik änderte sich zugleich das Musikverständnis insgesamt. Die vielleicht mächtigste Tendenz lässt sich in einem Drang zum Irrationalen (Carl Maria von Weber), zu Natur- und Schicksalsmächten (Franz Liszt) erkennen, die unschwer als Absage an Realismus und Aufklärung zu erklären ist.

Weitere Entwicklungen des gesellschaftlich und politisch bewegten 19.Jahrhunderts reflektierte die Romantik u.a. in Form von Bemühungen um das nationale (Richard Wagner) und volkstümlich-kulturelle Erbe (Antonin Dvorak, Bedrich Smetana, Edvard Grieg). Das ausgeprägte Virtuosentum eines Paganini, die programmusikalischen Vorlieben Franz Liszts und Gustav Mahlers, das späte "Gesamtkunstwerk" Wagners, und ebenso die zeitgenössische Gegenströmung im Gefolge Johannes Brahms, der wieder stärkere Formansprüche formulierte - all das sind weitere Facetten des komplexen Phänomens der Romantik, das sich mit diesem einen Begriff kaum befriedigend beschreiben lässt. Die Musik allerdings ist auch zwei Jahrhunderte später so sinnlich, lebendig und aufregend wie damals.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Peter Iljitsch Tschaikowsky, Carl Maria von Weber, César Franck, Gustav Mahler

Einige Alben mit Schlüsselqualitäten

Hector Berlioz: Symphonie fantastique
Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem
Johannes Brahms: Symphonie Nr.1, c-moll
Anton Bruckner: Symphonie Nr.3, d-moll
Frédéric Chopin: Klavierkonzerte Nr.1, e-moll & Nr.2, f-moll
Antonin Dvorak: Symphonie Nr.8
Felix Mendelssohn Bartholdy: Ein Sommernachtstraum (Ouvertüre)
Robert Schumann: Kinderszenen
Richard Wagner: Der fliegende Holländer