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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Mozarts Opern
Musikdrama im Geist der Aufklärung

 

Wolfgang Amadeus Mozart und seine Bühnenwerke

Wolfgang Amadeus Mozart zählt zu jenen Medienstars, deren Namen auf Anhieb Trivialassoziationen hervorrufen: von der "Mozart-Kugel" bis hin zum Musical "Falco Meets Amadeus". Die Inhalte gehen verloren, sobald solch ein Name auftaucht. Dabei lohnt sich gerade bei Mozart ein Blick auf die politischen und sozialen Umständen, unter denen er lebte. Seine Lebensspanne zwischen 1756 und 1791 ist die Zeit der Aufklärung und des aufstrebenden Bürgertums. Und Bühnenwerke wie "Die Zauberflöte" zeigen eindeutig: Mozart war ein Aufklärer.

Am 27. Jannuar 1756 wird Wolfgang Amadeus Mozart in Wien geboren - mitten hinein in die Zeit der Aufklärung. Acht Jahre zuvor hat Montesquieu seine staats- und kulturphilosophische Schrift "De L'Esprit Des Lois" ("Vom Geist der Gesetze") veröffentlicht. Montesquieus Ideen wiederum gehen deutlich erkennbar in die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 ein, mit der sich 13 ehemalige Kolonien im Norden Amerikas von Großbritannien lossagen.

Der Tod Mozarts wiederum liegt in zeitlicher Nähe zu dem Datum, das bis heute den Aufstieg des Bürgertums versinnbildlicht: 1789 wird in Paris die Bastille gestürmt. Am 5. Dezember 1791 stirbt Mozart. Zu diesem Zeitpunkt hat er eine neue, synkretistische Musik geschaffen, und - wie auch seine Zeitgenossen Haydn und Gluck - die Musiksprachen des Rokoko und Barock vergessen lassen. In seinen Opern aber hat der Komponist durch die Anlage von Figuren, durch Dialog und Handlung all die sozialen Geschehnisse seiner Zeit verarbeiten können.

Das Bürgertum kommt zu Sinnen

"Will der Herr Graf den Tanz mit mir wagen, mag er's nur sagen, ich spiel ihm auf" legen Mozart und sein Librettist Lorenzo Da Ponte 1786 der Titelfigur in Le Nozze Di Figaro in den Mund. Ein Bediensteter nimmt es mit seinem adeligen Herren auf - erst in Mozarts Zeit, die posthum als Klassik bezeichnet wird, wagt sich die Kunst an derartige Motive. Überhaupt hätte Mozart sein ganzes Leben lang gerne eine feste Anstellung als Kapellmeister an einem Hof mit überdurchschnittlichem Opernhaus angenommen.

Eine solche Anstellung bleib ihm allerdings sein Leben lang verwehrt. Statt dessen bleibt bereits die Aufführung von Mozarts erster Oper La Finta Semplice aus, die er im Alter von 12 Jahren in Wien schreibt. Viele andere unvollendete Projekte sollen folgen. Und das, wo doch Mozart soviel Wert auf das Singspiel legt, da es die Kunstform des sich besinnenden Bürgertums ist.

Freier Geist

Die Spätphase Mozarts schließlich ist sowohl musikalisch reich an Ausdruck, wie sich in ihr politische Anliegen und die eigene Biografie verschränken. Als sich der Bürger nicht an die Weisungen seines Arbeitgerbers, des Erzbischofs, halten möchte, macht sich Mozart - als erster Komponist überhaupt - einfach selbständig. Und in diesem Jahr, in dem der Musikus frei nach Kant den "Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit" wagt, beginnt eine arbeitsreiche Phase, die bis zum Tod Mozarts anhalten wird.

Mit dem Librettisten Lorenzo da Ponte schreibt er 1785-86 den Figaro, auf den ein Jahr später der Don Giovanni folgt, ein sexistischer, gewaltbereiter Aristokrat, der am Ende für sein Leben büßen muss. Auf Cosi Fan Tutte schließlich, die letzte Oper in Zusammenarbeit mit Lorenzo Da Ponte, folgt die Oper des Humanismus schlechthin.

Der Textdichter Emanuel Schikaneder und Mozart schreiben in Frühjahr und Sommer 1791 Die Zauberflöte. Sie haben sich in einer Freimaurer-Loge kennengelernt, die mittlerweile vom einst so liberalen Joseph II. verboten ist - nach der Revolution in Frankreich stehen die Wiener Freimaurer unter Generalverdacht, einer Verschwörung gegen die Monarchie anzugehören. Mit der Die Zauberflöte vereinen Schikaneder und Mozart das Wiener Volkstheater mit dem Märchen und durchtränken die Synthese mit dem humanistischen Ideal der Bildung: Prinz Tamino wird nach zahlreichen Prüfungen in den Kreis der Weisen eingenommen und darüberhinaus mit der Liebe zu und von Pamina belohnt.

Auch musikalisch synthetisiert Mozart in dieser einen Oper wie kaum jemand vor ihm alle musikalischen Ausdrucksweisen seiner Zeit. Volkstümlich singt der Vogelfänger Papageno, an Bach geschult die Choräle der Geharnischten, zeittypisch verhalten die Feuer- und Wasserprobe im Finale. Es ist daher nur zu verständlich, dass die alljährlich in Mozarts Geburtsstadt Salzburg stattfindenden Festspiele stets auf eine zeitgemäße Umsetzung der Mozartwerke achten: Ein derart freier und Experimente liebender Geist würde wohl musealisierende Aufführungen seiner Werke kaum dulden.
(cb)

Weitere Meister des Opern-Genres sind:

Georg Friedrich Händel (1685 - 1759), Christoph Willibald Gluck (1714 - 1787), Carl Maria von Weber (1786 - 1826), Giuseppe Verdi (1813 - 1901), Wilhelm Richard Wagner (1813 - 1883), Leos Janacek (1854 - 1928), Giacomo Puccini (1858 - 1924), Alban Berg (1885 - 1935)

Schlüsselalben dieses Genres sind:

La Finta Semplice [1768]
La Finta Giardiniera [1775]
Die Entführung aus dem Serail [1782]
Le Nozze Di Figaro [1786]
Don Giovanni [1787]
La Clemenza Di Tito [1791]
Cosi Fan Tutte [1790]
Die Zauberflöte [1791]