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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

12-Ton-Komposition
Aufbruch zu Beginn des 20. Jahrhunderts

 

Zwölfton-Musik - Eine Idee macht Epoche

Fast 100 Jahre ist es nun schon her, dass die Musikgeschichte eine ihrer größten Revolutionen erlebte. Vor allem ein Name ist damit verbunden: Arnold Schönberg. Seine Idee einer Zwölfton-Musik beeinflußte nicht nur seine direkten Schüler Alban Berg, Anton von Webern und Hanns Eisler, sondern wurde epochemachend für Generationen von Komponisten nach ihm.

Fast alle Komponisten zu Anfang des 20. Jahrhunderts spürten, dass die Musik in einer Sackgasse gelandet war. Die Klangräusche eines Wagners oder Strauss wirkten langsam fahl und abgestanden, der bis aufs äußerste ausgereizten Harmonik konnte man keine neuen Ausdrucksmöglichkeiten mehr entlocken. "Atonalität" hieß das neue Zauberwort. Richtungsweisen wurden dabei die Experimente Arnold Schönbergs und seine Idee einer Zwölfton-Musik, die die 12 vorhandenen Töne ganz neu und andersartig anordnete. Keinem hierarchischen System mehr unterworfen, standen nun alle 12 Töne gleichberechtigt nebeneinander. Schönbergs erstes, ganz im neuen Stil komponierte Werk ist die Klaviersuite op. 25 von 1923, Moses und Aaron die erste zwölftönige Oper.

Die Zwölfton-Musik wurde zunächst nur von Schönbergs direkten Schülern übernommen und weiterentwickelt. Wegweisend sind die Werke Anton von Weberns, dessen Musik - oftmals zu aphoristischer Kürze tendierend - von einer Helle und Klarheit erfüllt ist, die nicht nur auf rationale Arbeit, sondern auch auf eine besondere musikalische Intuition beruht. Bei Alban Berg, ebenfalls Schönberg-Schüler, zeigt sich, dass Zwölftontechnik und Expressivität sich nicht ausschließen. Gerade sein Violinkonzert, geschrieben anläßlich des Todes eines jungen Mädchens, sucht in seiner tief ergreifenden Emotionalität seinesgleichen.

Auch Hanns Eisler schrieb in dieser Zeit, bevor er seine Musik in die Aufgaben des politischen Kampfes stellt, Zwölftton-Musik (herausragendes Werk: Vierzehn Arten den Regen zu beschreiben op. 70). Nach 1945 verbreitete sich die Zwölfton-Musik rasch international.

Vollkommene Rationalität und Esoterik

Eine Weiterführung fand sie in der seriellen Musik, die neben den Tonhöhen auch andere musikalische Parameter wie Klangfarbe, Dauer und Lautstärke nach vorab festgelegten Reihen organisierte. Die serielle Musik - wichtige Vertreter waren z.B. Pierre Boulez und Luigi Nono- verkörpert die Idee einer "musique pure" von vollkommener Rationalität. Gerade die Werke Karlheinz Stockhausens zeigen aber auch deutlich esoterische Momente. Doch auch in ihrer ursprünglichen Ausrichtung - wenn auch zumeist äußerst undogmatisch eingesetzt - blieb die Zwölfton-Technik für viele Komponisten der Nachkriegsgeneration, wie z.B. für Hans Werner Henze, wichtige Grundlage ihrer Kompositionen.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Stephan Wolpe, Ernst Krenek, Luigi Dallapiccola, Bruno Maderna, Paul Dessau, Bernd Alois Zimmermann

Ein paar Alben mit Schlüsselqualitäten:

Arnold Schönberg: Ein Überlebender aus Warschau (Abbado/Wiener Philharmoniker) [1993]
Arnold Schönberg: Moses und Aaron (Boulez/BBC)]
Alban Berg: Lulu (Stratas/Minton/Boulez/OOP) [1986]
Alban Berg: Lyrische Suite (Juliard String Quartet) [1996]
Anton von Webern: Das Gesamtwerk op. 1-31 (Boulez) [1991]
Ernst Krenek: Lamentatio Jeremiae Prophetae (Nederlands Kamm. Chor/Gronostay) [1992]
Hanns Eisler: Kammermusik (Ulbrich/Zindler/Dillner) [1996]
Paul Dessau: Puntila (Süss/Rehm/Dessau) [1994]
Hans Werner Henze: Requiem (Metzmacher) [1994]