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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Italienische Oper
Diven, Dramen & Belcanto

 

Die italienische Oper

Samstagabend im TV: Deutschland sentimental. Die erste Reihe schwelgt in den venezianischen Klängen der Barcarole, interpretiert von Henry Arland oder Richard Clayderman. Venezianisch? Nein. Denn dieser vermeintliche Prototyp italienischen Opern-Sentiments stammt von J. Offenbach, einem Deutschen in Paris, und ist eine Parodie auf die italienische Oper Verdis, Donizettis oder Rossinis. Und die haben weder mit Gefühlen gegeizt, noch mit großen Melodien.

Die italienische Oper bürgt für Hits. Die Aida ist ein Selbstläufer, sei es in Arenen oder im Stadttheater, den Bajazzo hat wohl jeder schon lachen hören, und die Drei Tenöre verkaufen Millionen von Alben mit Opernarien an ein Pop-Publikum. Das beträchtliche Repertoire bekannter und beliebter Melodien, das die italienische Oper stellt, lässt darauf schließen, dass etwas dran sein muss an dieser Musik, etwas Besonderes, Eigenes, Zwingendes.

Um das zu verstehen, kann man sich die überschwängliche italienische Mentalität vergegenwärtigen. Doch auch ein Blick in die Musikgeschichte hilft. Die Oper entstand im Italien des 17. Jhdts., wo Monteverdi um 1600 mit dem L'orfeo den ersten großen Opernerfolg verbuchte. Heutige Vorstellungen einer statischen, etwas affektiert wirkenden Darstellung dürften in etwa der tatsächlichen damaligen Bühnenpräsentation nahe kommen. Zugleich jedoch war hier schon vieles zu ahnen von der üppigen Pracht und Vielfalt der barocken Oper. 1637 wurde in Venedig das erste kommerzielle Opernhaus gegründet, für das u.a. Vivaldi komponierte. Die Oper - zuvor ein Privileg des Adels - machte einen Popularitätssprung, und das Ausland wurde aufmerksam. Händel etablierte Barockopern im italienischen Stil in London, in Deutschland war im 17. und 18. Jhdt. die italienische Oper Standard. Komponisten wie Gluck und Mozart sahen sich in ihrer Tradition, gingen jedoch zugleich eigene Wege.

Rossinisten gegen Wagnerianer

Neue Impulse kamen um 1800 aus Paris (z.B. Spontini) und von den "Rossinisten", zu denen, neben Rossini, auch Donizetti und Bellini zählten. Sie betonten die italienischen Elemente in Rhythmik und Melodik und widmeten dem als "Belcanto" ("schöner Gesang") bezeichneten klang- und verzierungsreichen Gesangsstil großer Arien, die bis heute unsere Vorstellungen von italienischem Gesang mit Schmelz und großer Stimme prägen. Verdi führte diese Tradition mit seiner "Sing-Oper" fort. Die zentrale Bedeutung des Belcanto, zumal im Verhältnis zum vornehmlich kolorierenden und begleitenden Orchester, stand in deutlichem Gegensatz zur "symphonischen Oper" Wagners, die die Stimmen eher als Instrumente behandelte.

Volksnähe dank Unterhaltungsanspruchs

Mit Mascagni, Leoncavallo und Puccini gelangte die italienische Oper schließlich ins 20. Jhdt. und erschloss sich neben weiteren Themen und Schauplätzen - z.B. in Puccinis Madame Butterfly - vor allem auch ein enthusiastisches weltweites Publikum. Die italienische Oper war immer volksnah und hatte damit fast zwangsläufig einen Unterhaltungsanspruch. Wenn sich mit ihr gelegentlich ein Stück altehrwürdiger italienischer Hochkultur in das Heile-Welt-Umfeld der volkstümlichen TV-Unterhaltung durchmogelt, kann man daher sicherlich von einem weiteren Erfolg sprechen. Ob allerdings Henry Arland der bessere Interpret ist, oder Luciano Pavarotti - wer soll das sagen...

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Claudio Monteverdi (1567-1643): L'Orfeo
Cantolopera "Oper zum Mitsingen - Duetti 1
Farinelli, Il Castrato, Soundtrack [1994]
The Three Tenors In Concert 1994
Giuseppe Verdi (1813-1901): Falstaff

Einige Alben mit Schlüsselqualitäten:

"Barcarole" - Arien & Duette
Giuseppe Verdi (1813-1901): Aida
Cecilia Bartoli - The Vivaldi-Album
Pietro Mascagni (1863-1945): Cavalleria Rusticana
Giacomo Puccini (1858-1924): Tosca
Giacomo Puccini (1858-1924): Madame Butterfly
Giuseppe Verdi (1813-1901): Falstaff