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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Soul Jazz
Tanzen beim Gottesdienst

 

Soul Jazz - der musikalische Arm der Kirche

Der Soul Jazz ist ein direkter Bruder des Hard Bop und mitunter nicht leicht von ihm zu unterscheiden. Viele Hardbopper wie die Organisten Jimmy Smith und Brother Jack McDuff oder Trompeter Donald Byrd lebten in ihrer Musik sehr intensiv etwas aus, das von jeher zu den Wurzeln afro-amerikanischer Musik gehört: Religion und Spiritualität. So hat der Soul Jazz alle Qualitäten des Hard Bop (Groove und Tanzbarkeit), aber hinzu kamen Elemente, die nicht eigentlich jazztypisch waren: eingängige, singbare Melodien, deren harmonisches Material direkt der Musik der schwarzen Kirchen entlehnt war, dem Gospel.

Anstelle der aggressiven Hard Bop Themen trat der fröhliche, positive, eben religiöse 'Chant', entsprechend den 'Shouts' der schwarzen Prediger ("Brothers and sisters, let´s praise the LORD!").

Kein Wunder, dass plötzlich ein Instrument populär wurde: die Orgel. Keine Kirchenorgel natürlich, sondern die legendäre Hammond B3. Jimmy Smith war der erste und wichtigste, der den singenden, blubbernden Sound der B3 zu seinem Markenzeichen machte, es folgten Organisten wie Brother Brother Jack McDuff, Jimmy McGriff, Charles Earland und Richard "Groove" Holmes. Schlechte Zeiten für Bassisten übrigens, die Organisten ersetzten ihn häufig durch den Fußbass ihrer B3. So entstanden legendäre Trios in der Besetzung Orgel, Gitarre, Schlagzeug. Gitarristen wie Grant Green und Wes Montgomery wurden auf diese Weise bekannt.

Der Trompeter Donald Byrd hat gar einen kompletten Gospelchor mit seinem Septett ins Studio gebracht und eine veritable Jazzmesse inszeniert.

Soul Jazz war wie der Hard Bop 'funky', erdig und dem Blues sehr nahe. So hat der moderne Funk wie auch die Popmusik viel vom Soul Jazz gelernt und es gibt in diesem Umfeld Musiker, deren Fans nie im Leben eine 'richtige' Jazzscheibe kaufen würden:

Der Gitarrist George Benson z.B. hat sehr nahtlos den Übergang zur populären Musik geschafft, ohne seine Wurzeln (Soul, Groove und starke Melodien) zu verleugnen. Die Pianisten Ramsey Lewis und Gene Harris (letzterer mit seiner Band Three Sounds) haben sich frühzeitig von der reinen Lehre des Jazz emanzipiert. Und was wäre der Funk ohne die legendären Jazz Crusaders-Pianist Les McCann und Saxophonist Eddie Harris füllen mit ihrer '90% Funk and 10% Jazz' Formel noch heute Säle - auch sie sind Soul Jazzer. Noch einen Giganten verdanken wir dieser Musik: Ray Charles. Und selbst bis zu Whitney Houston lässt sich die Spur des Soul Jazz verfolgen.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Horace Silver, Stanley Turrentine, Bobby Timmons, Shirley Scott, Gene Ammons, Kenny Burrell, Cannonball Adderley, Nat Adderley, Ray Bryant, Lou Donaldson

Ein paar Alben mit Schlüsselqualitäten:

Cannonball Adderley/Milt Jackson: Things Are Getting Better [1958]
Bobby Timmons: Soul Time [1960]
Jimmy Smith: Back At The Chicken Shag [1960]
Donald Byrd: A New Perspective - Donald Byrd Band & Voices [1963]
Grant Green: Idle Moments [1963]
Stanley Turrentine: Rough `n`Tumble [1966]
Kenny Burrell: Midnight Blue [1967]
Hank Crawford/Jimmy McGriff: On the Blue Side [1989]
Jimmy Smith: Dot Com Blues [2001]