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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Hard Bop
Heiss, schwarz, ungesüsst und funky

 

Der Hard Bop gibt dem Jazz seine animalische Kraft zurück

Während an der Westküste der USA der Cool Jazz zelebriert wurde und schnell zum modischen Chic dieser Zeit gehörte, drangen Mitter der fünfziger Jahre aus den Jazzkellern New Yorks andere und lautere Töne: Junge, zumeist schwarze Musiker spielten in der direkten Tradition des Bebop, mit ähnlicher instrumentaltechnischer Virtousität, aber v.a. mit unverfälschter Vitalität, oft sogar Aggressivität.

Wo der Cool Jazz als Gegenbewegung zum Bebop feinsinnig, intellektuell und mit einer manchmal resignierenden Grundnote daherkam, explodierte der Hard Bop förmlich:
Im Duktus härter, im Ton aggressiver, aber mit erhöhtem Spaßfaktor, heiss und tanzbar, war Hard Bop im Gegensatz zum Cool Jazz vor allem eins: schwarz. Ihm haftete so gar nichts feinsinnig-intellektuelles, kühles, abstraktes mehr an, er war direkt, bodenständig, groovelastig und schweißtreibend. Stilbildend dafür sind zum Beispiel die Aufnahmen des Trompeters Lee Morgan für das legendäre "Blue Note" Label.

Gleichzeitig fehlte dem Hard Bop jenes politische Potenzial, dass der Jazz zuvor im Bebop und danach im Free Jazz formuliert hat. Den Leuten auf und vor der Bühne ging es im wesentlichen um Spaß. Lee Morgans Bassist Bobby Cranshaw: "Wenn die Leute bei unserem Gig nicht getanzt haben, dann haben wir irgend etwas falsch gemacht."

Und doch hatte der Hard Bop eine gesellschaftliche Aussage: Mehr denn je griffen die Musiker auf die ursprünglichen schwarzen Elemente ihrer Musik zurück. So bildeten sich Stilelemente heraus, die bei allem Respekt vor dem Bebop neu waren. Der Hard Bop war nicht mehr nur swingender Jazz, er wurde aggressiver, "schmutziger", eben "funky" gespielt (tatsächlich taucht der Begriff "Funk" zum ersten Mal in dieser Zeit auf). Zudem gewann der Blues wieder die fundamentale Bedeutung und archaische Kraft, die er im Jahrzehnt vorher verloren hatte und verlieh dem Hard Bop jene Emotionalität, die der Cool Jazz oft (und zum Teil ganz bewusst) ausblendete. Art Blakey, einer der führenden Schlagzeuger dieser Zeit, überbrachte mit seinen "Jazz Messengers" die Botschaft des urwüchsigen Blues. Die Pianisten Horace Silver und Bobby Timmons sowie der Trompeter Donald Byrd integrierten ein weiteres Element schwarzer Musiktradition: den Gospel, die Musik der schwarzen Kirchen. Diese drei Säulen Blues, Gospel und Funk, gespielt mit aggressiver Vitalität, machten den Hard Bop zum direkten Vorläufer nicht nur des Soul Jazz, sondern auch des Funk und des Pop allgemein.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Hank Mobley, Cannonball Adderley, Clifford Brown, Kenny Dorham, Curtis Fuller, Lou Donaldson, Lou Donaldson, Cedar Walton

Ein paar Alben mit Schlüsselqualitäten:

Art Blakey and The Jazz Messengers: Moanin´ [1958]
The Horace Silver Quintet & Trio: Blowin´ The Blues Away [1959]
Hank Mobley: Soul Station [1960]
Donald Byrd: Byrd In Flight [1960]
Bobby Timmons: This Here Is Bobby Timmons [1960]
Kenny Dorham: Whistle Stop [1961]
The Cannonball Adderley Sextet: The Cannonball Adderley Sextet In New York [1962]
Kenny Dorham: Una Mas [1963]
The Horace Silver Quintet: Song For My Father [1964]
Lee Morgan: The Sidewinder [1964]