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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Great American Songbook
Der Kanon

 

Lieder der USA: The Great American Songbook

Ella Fitzgerald, Aretha Franklin, Rod Stewart. Jede fähige oder auch nur markante Stimme sucht irgendwann die Herausforderung namens "The Great American Songbook". Die Liedersammlung, zu der besonders die großen Songs der Swing-Ära wie etwa "My Funny Valentine" oder "Puttin' On The Ritz" gehören, ist kein fest definierter Kanon. Dennoch wurden vom Komponisten und Musikwissenschaftler Alec Wilder (1907-1980) in seinem einflussreichen Buch "American Popular Song: The Great Innovators, 1900-1950" im Jahr 1972 die Standards gesetzt.

Das sind die sechs Größten: Harold Arlen, Jerome Kern, Irving Berlin, George Gershwin, Cole Porter und Richard Rogers. Sagt zumindest Alec Wilder über die Song-Komponisten der USA in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diesem prominenten Sextett nämlich widmet der Musikwissenschaftler Alec Wilder jeweils ein Einzelkapitel in seinem Buch "American Popular Song: The Great Innovators, 1900-1950". Und da Wilder selbst ein paar ziemlich bekannte Songs komponiert hat, zum Beispiel das von Peggy Lee zum Hit gemachten "While We're Young", wurde diese Bestandsaufnahme neueren us-amerikanischen Liedguts aus dem Jahr 1972 zum einflussreichen Standardwerk.

Und das im doppelten Sinn: Man könnte sagen, dass Wilder in "American Popular Song" zum einen den Bestand an populären und substantiellen Songs gesichtet und bewertet hat. Dabei wirkte sein Buch, das zum "Great American Songbook" geworden ist, als Verstärker. Denn die favorisierten Stücke wie "Over The Rainbow", "Puttin' On The Ritz" oder "My Favorite Things" zählten im Veröffentlichungsjahr 1972 längst zu den Standards insbesondere des Jazz.

Untrennbar mit dem Swing verbunden

Überhaupt sind diese großen Songs der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts untrennbar mit der Geschichte des Jazz verbunden. Über die Jahrzehnte brachten New Orleans Jazz, Tin Pan Alley und Swing so viele substantielle Songs hervor, dass sich auch die großen Erneuerer des Jazz immer wieder auf bestimmte Stücken einigen konnten. Charlie Parker etwa liebte Sessions zu einem alten Thema: "Indiana" hieß das Stück aus der Feder des Tin Pan Alley-Kompnisten James F. Hanley.

Bei Parker wurde 30 Jahre nach der Komposition durch Hanley der Standard "Donna Lee" draus, ein stürmischer Ritt über Synkopen hinweg. Und "My Favorite Things" aus dem Musical The Sound Of Music (deutsch: "Meine Lieder, meine Träume") des Texter-Komponisten Gespanns Rogers/ Hammerstein wurde zu einer der Erkennungsmelodien für John Coltrane.

Spielraum für Interpretationen

So dienen bis heute die Stücke des Great American Songbook als gemeinsame Sprache unter Musikern: unablässiges Material für Sessions, ein Geflecht, das sich um die Welt gesponnen hat. Und so hat das Great American Songbook auch seinen Interpretationsspielraum unter Beweis gestellt. Ella Fitzgerald und Billie Holiday, die größten Stimmen des Jazz haben "Summertime" und "Georgia On My Mind" gesungen.

Als Standard-Repertoire des Jazz blieben die Songs auch in den 1960ern ungebrochen beliebt. Besann sich doch die Bürgerrechtsbewegung der USA insbesondere auf ein gemeinsames kulturelles Erbe des schwarzen Amerikas. So nahmen Aretha Franklin und Diana Ross ihre Interpretationen des Songbooks ebenso auf wie Ray Charles. Bis heute erfreut sich dieser Liederkanon großer Beliebtheit. Das beweist täglich der unbekannte Pianist in der Hotel-Lobby ebenso wie ein Rod Stewart. Der Engländer bezeichnet sein Verhältnis zu diesem Repertoire als "Sucht" und erzielte mit diversen Aufnahmen des Great American Songbook europaweit hohe Verkaufszahlen. (cb)

Weitere Interpreten dieses Genres sind:

Sarah Vaughan, Peggy Lee, Phil Woods Quintet, Chet Baker, Sonny Rollins

Schlüsselalben dieses Genres sind:

V.A.: Cole Porter's Great American Songbook [2004]
V.A.: American Songbook [2006]
Billie Holiday: The Great American Songbook [2009]
Ella Fitzgerald:The Great American Songbook [2009]
Frank Sinatra: The Great American Songbook [2009]
Bing Crosby: Bing Sings The Great American Songbook [2010]
Rod Stewart: The Best Of The Great American Songbook [2011]
Aretha Franklin: The Great American Songbook [2011]

Interesse geweckt?
Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Informationen rund um die Musikstile an. Zum Beispiel in den Einträgen It Don't Mean A Thing... (Swing), Das Gedächtnis des Schlagers (Evergreen) oder Über den Folk hinaus (Singer/Songwriter). (cb)