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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

HipHop deutscher Sprache
Krauts mit Attitude

 

Die Images im HipHop deutscher Zunge

Torch gebührt Respekt! Der MC aus Heidelberg hat die Zulu Nation nach D-Land geholt und lieferte seine Lyrics schon ganz früh in deutscher Sprache. Der Charts-Boom geht so richtig mit den Fantastischen Vier in den Neunzigern los. Heute ist HipHop deutscher Sprache längst etabliert. Mit ihm Spaßvögel wie Fettes Brot, Literaten wie Zentrifugal, Politische wie der Freundeskreis und Ladies wie Pyranja.

Gib mal Mikro. Die ersten HipHop-Jams in der Bundesrepublik finden Mitte der 1980er Jahre statt. Die ersten LP-Releases mit deutschem Sprechgesang setzen etwa fünf Jahre später ein. Mitte der Neunziger Jahre boomt das dann so richtig.

Mit dem Erfolg haben sich die Images der MCs vervielfältigt. Da gibt es zum Beispiel die Hardcoreler. Das sind Leute wie Torch, die Stieber Twins und MC Rene. Bis heute geht es diesen Aktivisten der frühen Stunde um die richtige Attitude - Kein Sellout bitte! Besonders Torch hat HipHop hierzulande unermüdlich propmotet, hat die Zulu Nation her geholt, hat mit Advanced Chemistry schon um 1990 rum auf deutsch mc't. Anfang der Neunziger Jahre trug MC Rene definitiv die Freestyle-Krone, die er bis auf weiteres an den Hamburger Pferdelungen-MC Samy Deluxe abgegeben hat. Batteln kann aber auch der Berliner Kool Savas ziemlich gut. Dazu gilt er als ausgemachter Bösewicht, schwulen- und frauenfeindlich wie er runter textet.

Wenn das mal Moses Pelham nicht hört. Nach dem kommerziellen Megaerfolg seines Rödelheim Hartreim Projekt saß er jahrelang auf dem Thron der total aselig dissenden Nervensägen.

Und wo von Bösewichten die Rede ist: Da muss etwas zu den Fantastischen Vier gesagt werden. Übers Wetter zu rappen ("Regen") oder über den Urlaub ("Tag am Meer") ist Anfang der 90er dem Rest der noch kleinen Szene nicht credible genug. Dazu bringen die Fanta 4 mit "Vier Gewinnt" das erste deutschsprachige Rap-Album in die Charts! Erst von bürgerlichen Medien wie FAZ und ZEIT werden die Stuttgarter später rehablitiert - wegen der Qualität ihrer Texte. Dass auch die Weimarer Zentrifugal ausgemachte Literaten sind, das zeigt schon die kleine Zeile von MC Bastian Böttcher: "Mit metaphernüberladenen Balladen baller ich dich dicht!" Auch Eins, Zwo gehören ins Literarische Quartett. Legendär ihre Losung "HipHop ist wie Pizza - auch schlecht noch recht beliebt".

Die humoristischen Qualitäten des Hamburger Duos lassen an weitere freaky Spaßvögel denken: Props gehen an Fettes Brot, Flowinimmo und Fünf Sterne Deluxe. Eher wenig zu lachen haben die Frauen im deutschsprachigen Rap. Wenigstens Cora E. und Pyranja konnten da bisher Respekt ernten. Und mehr Respekt für Afro-Deutsche, das fordert der Zusammenschluss von Torch, Afrob, Xavier Naidoo und vielen anderen zu den Brothers Keepers. Mit politischen Anliegen sind vor ihnen der Freundeskreis und Das Department laut geworden. Wort.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Tefla & Jaleel, Ferris MC, Kinderzimmer Productions, DCS, Dynamite Deluxe,Lee Buddah, Massive Töne, RAG, Deichkind

Alben mit Schlüsselqualitäten sind:

Advanced Chemistry: Fremd Im Eigenen Land [1992]
Die Fantastischen Vier: Vier Gewinnt [1992]
Rödelheim Hartreim Projekt: Direkt Aus Rödelheim [1994]
Kinderzimmer Productions: Im Auftrag Ewiger Jugend Und Glückseligkeit [1996]
Freundeskreis: Quadratur des Kreises [1997]
Eins, Zwo: Gefährliches Halbwissen [1999]
Zentrifugal: Tat oder Wahrheit [1999]
Flowinimmo: Terra Pi [2000]
Fünf Sterne Deluxe: Sillium [1998]

Interesse geweckt?
Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Informationen rund um die Musikstile an. Zum Beispiel in den Einträgen Echo des Halls (Dub), Soviel Soul auf einmal (Philly Soul), oder Mehr so eine Haltung (Post Rock). (cb)