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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

TripHop
Soundtracks ohne Film

 

Bilder erzeugen, um nach der großen Party zu entspannen: TripHop

Zur Hochzeit des Ravens schiebt sich ein Kontrastprogramm in Clubs und Charts. Massive Attack schaffen mitternächtliche Sphären, Tricky liefert psychotische Raps. Als die DJs Krush und Shadow ein Maximum an Eindringlichkeit aus wenigen Stilmitteln schaffen und Portishead den HipHop-Beat endgültig auf Pulsschlagtempo runterdimmen, entsteht der Begriff "TripHop". Die Musik wirkt stark bild-erzeugend, thematisiert die Droge THC und liefert den Medien und der ravenden Gesellschaft bunte Zonen des Relaxens.

Von "Mitternachtsgängern" ist die Rede, von "Stadtschläfern". Auch singt Shara Nelson im Massive Attack-Song Safe From Harm, als würde ihre Stimme gerade traumwandeln. Sie fügt sich damit ein in die Dünste aus Keyboards, den aus einem Reggae-Stück zusammengesampelten Schlagzeug und kissentiefen Bass. Man schreibt das Jahr 1991. Das Album Blue Lines, aus dem der Song ausgekoppelt ist, macht Massive Attack mit einem Schlag weltweit bekannt. Das Trio ist hervorgegangen aus dem HipHop-Reggae-Soul Soundsystem The Wild Bunch. Es hat in den 80ern bereits Berühmtheit in Großbritannien erlangen können. Tricky gehört dazu und auch Nellee Hooper, der aber Ende der Achtziger nach London geht und zu Soul II Soul stößt.

Massive Attack finden Beachtung für ihre Fähigkeit, angedunkelte bis düstere Atmosphären zu schaffen. Damit nehmen sie eine Musik vorweg, die etwa Mitte der 90er Jahre den Höhepunkt ihrer Beachtung erreicht. Manche nennen sie "Abstract Hop": Die DJs Shadow und Krush auf dem Londoner Mo'Wax-Label etwa üben sich darin, mit wenigen Mitteln - Bassline, Schlagzeug, ein paar Samples oder Synthieflächen - ein Maximum an Eindringlichkeit zu kreieren. Und zwar ganz ohne MC oder Singstimme.

Als Überbegriff für die auf Schaffung von Atmosphären ausgerichtete Musik setzt sich aber schnell der Begriff "TripHop" durch. Dazu tragen besonders ein paar Nachkommen aus der Massive Attack-Stadt Bristol bei. Tricky etwa, der auf Blue Lines schon mit einem Rap zu hören ist. Sein erstes eigenes Album heißt Maxinequaye, erscheint 1995 und strotzt - vor psychotischen Raps und schief gewickelten Beats. Auch Portishead - übrigens der Name einer kleinen Hafenstadt bei Bristol - reihen sich in die jüngere Popgeschichte ein, indem sie die Beats auf Pulsschlagtempo runterschleppen. Der Gesang von Beth Gibbons wälzt sich dazu durch Depressionen und findet auch in immer wieder eingesetzten Funki Porcini mehrere Schichten Schwebesounds in seine Wattebeats packt, dann ruft er Filme hervor. Die können auch zur Zweisamkeit anregen, weshalb eines seiner gelungenen Alben mit Hed Phone Sex betitelt ist.

Auch die meist erwähnte Droge dieser Musik dient der Entspannung: Marihuana, Gras, Haschisch, auf jeden Fall muss die sanft dröhnende Substanz THC in den Zigaretten der Musiker und Produzentinnen enthalten sein. Mit Smokers Delight von Nightmares On Wax und Kruder und Dorfmeisters G-Stoned tragen gleich zwei große TripHop-Alben die Beschäftigung mit diesem Stoff schon im Namen.

Und in welcher Situation entspannt man besonders gerne? Wenn die große Party vorbei ist. Das gilt für real existierende Individuen wie für die Medien: In der Hochzeit des TripHop ist schließlich Rave immer noch ein großes Thema, die Love Parade z. B. verzeichnet wachsende Besucherzahlen. Genauso aber wird TripHop zum Hype: Es passt in die Ökonomie der Musikmedien, wenn sie sich nach Techno als einem Massenauflauf von Körpern mit Entspannung beschäftigen. TripHop kommt also wie gerufen in den mittleren Nineties - als persönlicher und medialer Chillout Room.

Weitere Meister dieses Genres sind:

The Aloof, Howie B, Palm Skin Productions, Kid Loco, Fila Brazillia, Moloko, Sneaker Pimps, Money Mark

Einige Schlüsselalben dieses Genres:

Massive Attack: Blue Lines [1991]
Portishead: Dummy [1994]
Tricky: Maxinequaye [1995]
Funki Porcini: Hed Phone Sex [1995]
Nightmares On Wax: Smokers Delight [1995]
Kruder & Dorfmeister: G-Stoned [1996]
DJ Shadow: Endtroducing [1996]
Rockers Hi-Fi: Mish Mash [1997]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Spiel mir das Lied zum Film (Filmkompositionen), Die Boutique bouncte (Big Beat) oder Wo es begann (Eastcoast Rap).