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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

The Hacienda
Zentrum der Welt

 

Kinofilm, Old Skool Revival: The Hacienda ist wieder hip

New Order waren Miteigner. Tony Wilson hieß der Hauptbesitzer der Hacienda. Der Club in Manchester besaß - wie sonst nur Tonträger aller Arten - eine ordentliche Seriennnummer auf Wilsons Indie-Label Factory Records. FAC 51 ist zur Zeit wieder schwer populär: Im Sommer wird in Cannes der Hacienda-Film "24 Hr Party People" gezeigt. Und Compilations wie Back To The Old Skool zeugen vom Revival der Musik mit dem Smiley-Vibe, die zu Zeiten des Summer Of Love 1989 in den Clubs so lief.

Für die Jugend Großbritanniens sollte das Jahr 1989 nicht einfach das Jahr 1989 bleiben. Für alle, die nur im entferntesten daran interessiert waren, sich ab und an zu Musik zu bewegen, wird der Sommer dieses Jahres als "Summer Of Love" in Erinnerung bleiben. Die Kids trugen Anglerhüte, T-Shirts so weit wie Wäscheleinen und dazu Elefantenjeans. Smooth war man drauf: Der Serotonin-Ausschütter Ecstasy war gerade zur Massendroge erklärt worden und beeinflusste auch den Tanzstil derart, dass die Arme auf den Dancefloor ständig irgendwas und irgendwen zu umarmen scheinen wollten.

In Goßbritannien ist die Clubmusik dieser Zeit gerade wieder massiv angesagt. Unter dem Motto Back To The Old Skool werden Chicago House, Detroit Techno, Sixties-Gitarren und HipHop-Beats wieder auf Partys aufgelegt, die Namen wie "Rave Classics" tragen. Die Pophauptstadt der Jahrzehntwende von den 80ern zu den 90ern hieß Manchester, wegen ihres energetischen Treibens auch "Madchester" genannt. Ihr Zentrum hieß The Hacienda. Im Zuge des Old Skool-Revivals erfährt sie zur Zeit eine mediale Heiligsprechung. Kein Bericht über Retro-Clubbing kann einen Bogen um sie machen. In Großbritannien ist soeben der Kinofilm "24 Hour Party People" angelaufen, in dessen Fokus ebenso der Club und seine besten Jahre stehen. Da der Film im Wettbewerb von Cannes läuft, ist auch mit einem Kinostart in Deutschland zu rechnen.

Tony Wilson eröffnete die Hacienda am 21. Mai 1982, zu einer Zeit, als er selbst bereits durch sein Indie-Label Factory Records zur unverzichtbaren Person im Musikleben Manchesters geworden war. Er hatte die große Band Joy Division entdeckt und zu Stars gemacht. Nach dem Selbstmord ihres Sängers Ian Curtis im Mai 1980 gründeten die drei restlichen verbliebenen Joy Division-Mitglieder Bernard Sumner, Peter Hook und Stephen Morris eine neue Band namens New Order. Zum Trio sollte sich schnell die Keyboarderin und Gitarristin Gillian Gilbert gesellen. New Order wurden zu Mitbesitzern der Hacienda, die von Wilson die Seriennummer 51 des Factory-Labels verpasst bekommen hatte.

New Order sind so wichtig für den Sound von Manchester, weil sie schon sehr früh damit begannen, ihren Indiesongs Disco- und Housebeats unter zu schieben. Diese eklektische Haltung prägte auch die Bands, die zu Hochzeiten der Hacienda zum Synonym für Pop aus England wurden. Junge Kids aus Madchester wie die Inspiral Carpets, die Stone Roses, die Charlatans und die Happy Mondays schlossen einfach die herkömmlichen Traditionen des Songwritings mit den Tanz-und Drogenerfahrungen in der Hacienda kurz.

Baggy Pop kam dabei heraus, benannt nach den extrem lässigen Jeanshosen. Es war eine Zeit der offenen Köpfe, und auch Star-DJs wie Andrew Weatherall und Paul Oakenfold spielten Chicago- und Rap House neben Detroit Techno und diesen Gitarren mit Dancebeat. Doch sind gerade jene Bands der Rave-o-Lution bis heute die Darlings, die in Erinnerung geblieben sind: Sie wurden von der Stadt und von dem Club hervorgebracht, die für eine ganze Weile die ganze Welt anlockten.
(cb)

Weitere Meister dieser Strömung sind:

James, 808 State, The Farm, Flowered Up, Northside, Chapterhouse

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Happy Mondays: Bummed [1988]
New Order: Technique [1989]
The Stone Roses: The Stone Roses [1989]
Inspiral Carpets: Life [1990]
Charlatans: Some Friendly [1990]
808 State: EX:EL [1991]
The Shamen: Collection [1997]
Verschiedene: Back To The Old Skool [2002]


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