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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Electro
Planet des elektrifizierten Funk

 

Einer vor Techno und HipHop: Electro

Im Gegensatz zu vielen verwandten Stilen hat sich Electro niemals institutionalisiert. Irgendwie geht es den maschinellen Drumbeats mit ihren futuristischen Synthesizer-Melodien da wie dem Dub: in alle möglichen Richtungen von HipHop bis Techno wird man gezerrt. Und erlebt ab und an ein Revival.

Und gerade weil Electro als Stil sehr kleine Kreise zieht, stiftet der Begriff ein gerüttet Maß an Verwirrung. Manchmal taucht er als Ersatz für Synthie Pop auf, ein andermal wird er synonym mit Detroit Techno benutzt. Stimmt ja auch alles. Denn all die genannten Stile sind undenkbar ohne die Musik, die zu Beginn der 80er Jahre an den beiden Küsten der USA aufkommt und mit etwas Verzögerung auch in europäische Clubs einzieht. Electro als erste Musik, die auf maschinellen Rhythmusfüßen steht, zieht bis heute durch die Popgeschichte und ist dabei imstande, medienwirksame Revivals wie etwa das in Gestalt des Electroclash auszulösen.

Im Jahr 1977 nimmt das Düsseldorfer Quartett Kraftwerk einen Track auf, dessen Bedeutung für Electro kaum zu überschätzen ist. Trans Europa Express vom gleichnamigen Album besteht aus einem minimalen Rhythmusgerüst und einigen wenigen, aber ausgewählten Synthesizersounds. Dazu ertönt in einer Art Refrain eine Maschinenstimme. Wie Afrika Baambaataa noch heute in Interviews gerne erzählt, ist man im New York der Block Partys außer sich. Solch einen Track, der mit derart wenigen Mitteln eine geballte Ladung Energie transportiert, möchten alle produzieren.

Kühle Klangästhetik

Zu Beginn der 80er Jahre wird dieser Wille allerorten hörbar, und zwar im Norden wie im Süden der USA. In New York und Detroit sind Clubs und Straßen-Partys nicht mehr denkbar ohne den Electro-Funk: Don't Make Me Wait von den Peech Boys zählt 1981 zu den bahnbrechenden Singles, ebenso wie Hip Hop Be Bop von Man Parrish. Den Stücken hört man noch an, dass sie von Nächten auf Tanzflächen inspiriert sind, auf denen Synthie Pop mit Funk gemixt wird. In Detroit veröffentlichen Cybotron erste Electro-Tracks - auch die Techno-Stücke, die später aus der Ford-Stadt ertönen, sind deutlich von der kühlen Sound-Ästhetik von Beat und Melodie geprägt.

Auch in Los Angeles und Miami als weiteren frühen Zentren des Electro wird zu Electro getanzt, und als passendes "Zucken des Maschinenmenschen" entsteht dort wie in New York der Breakdance. Während in Miami die Party noch mehr zählt als die Produktion, kann sich eine Handvoll Produzenten aus L.A. einen Ruf programmieren. Zwingend breaken die Beats des Egyptian Lover, der noch heute als einer der energischsten Live-Acts der elektronischen Musik gilt.

Schleuse Großbritannien

Mit einer gewissen Verzögerung kommt Electro durch die Schleuse Großbritannien auch nach Europa. Gerade scheint sich der Sound Ende der 80er Jahre als der Club-Stil überhaupt durch zu setzen, als House und und vor allem die neue, aufregende Feierform des Raves einziehen. Electro zieht sich in Liebhaber-Kreise zurück, um von nun an immer wieder mal in anschaulichen Formen aufzutauchen wie etwa den Tracks von Legowelt oder I-F, beide aus den Niederlanden. Angereichert mit poppigen Melodien erlebt der Sound als Electroclash dann zu Beginn der Nuller Jahre sein erstes großes Revival, in dessen Folge Miss Kittin und Fischerspooner zu angesagten Live-Acts beziehungsweise DJs heranwachsen. Die Zukunft ist völlig offen. Aber da.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

George Clinton, C-Bank, Rocker's Revenge, Mantronix, Unknown DJ, Wreckin' Cru, Pretty Tony

Fünf Tracks mit Schlüselqualitäten:

Kraftwerk: Trans Europa Express [1977]
Peech Boys: Don't Make Me Wait [1981 ]
Man Parrish: Hip Hop Be Bop [1982 ]
Cybotron: Alleys Of Your Mind [1982 ]
Afrika Baambaataa And The Soulsonic Force: Planet Rock [1982 ]

Fünf Alben mit Schlüselqualitäten:
Cybotron: Enter [1993]
Herbie Hancock: Future Shock [1983]
I-F: Fucking Consumer [1998]
Miss Kittin: I Com [2004]
Detroit Grand Pubahs: Galactic Ass Creatures From Uranus [2004]

Interesse geweckt?
Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Der Körper als Maschine (Techno), Musik, Mode, Maschine (Electroclash) oder Das Zucken des MaschinenMenschen (Breakdance).