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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Drum'n'Bass
Spiel noch mal den Würgebass, DeeJay

 

Drum'n'Bass verändert Hörgewohnheiten

Booyaka! Rewind! Massive! Das Grundvokabular der Drum'n'Bass MCs ist schnell erlernt. Klar ist "Booyaka" das akustische Logo des Ragga Jungle, "Massive" eher die Kennung der Metalheadz-Posse um Goldie. Doch klar schreien sie alle "Rewind", wenn die Platte sich noch mal drehen soll: Nenn es Hardcore, Jungle oder Drum’n’Bass. Es ist ein Sound, der sich ständig wandelt und Twister mit den Hörgewohnheiten fährt.

Kaum ein anderer Style wirkt so heftig, ob zuhause oder im Club. Drum'n'Bass erwischt das feinmotorische Zentrum des Gehirns, vielleicht durch die verdammt wuchtigen, hinterher noch mal akribisch designten Bässe. Die sind in ihrer verstörenden Schärfe auf Goldies erstem Album zu hören, das Timeless heißt und tatsächlich zeitlos ist. Produziert ist es vom Chef einer weiteren wichtigen Bande: Rob Playford von Moving Shadow Records. Moving Shadow regiert gemeinsam mit Goldies Metalheadz-Imperium London, und beide scharen in der ersten D'n'B-Hochphase um 1995 eine Menge hervorragender Produzenten, DJs und MCs um sich. Kemistry and Storm genießen als Frauen Premium-Respekt in der von den Rude Boys dominierten Szene: Ihre DJ-Sets sind dran schuld.

Deepness und Wissenschaft

Wie das Gros der Metalheadz-Produzenten – Dillinja ragt da heraus – sind auch 4 Hero daran interessiert, Breakbeats erst in möglichst mikrokleine Partikel zu zerlegen, um dann mit freiem Geist und froher Wucht ungeahnte akustische Szenerien zu entwerfen. Gegen Ende des Drum'n'Bass-Jahrzehnts addieren sie den Soul-Song zu ihrem Repertoire und veröffentlichen 1998 Two Pages.

Auch LTJ Bukem wirkt in London, von Beginn an ist sein Drum'n'Bass allerdings durch klassische Vorstellungen von "Tiefe" gekennzeichnet. Das Wort vom Atmospheric Drum'n'Bass macht die Runde. Aufhorchen lässt LTJ Bukem 1996 durch die von ihm kompilierte LP Logical Progression. Weiter nördlich - in Manchester - produziert ein Typ, auf den sich alle einigen können: A Guy Called Gerald geht so wissenschaftlich vor wie die Posses um 4 Hero und die Metalheadz, seine Tracks aber flimmern so gelöst wie der Regenbogen nach dem Schauer.

Von Bristol nach Monnem

Auch der Bristol Sound rockt mit freundlichem Gehabe: Direkt auf die Party geht der Style der More Rockers und wird deswegen gerne Jump Up genannt. Produktionstechnisch ausgereifter und meist jazziger kommen die Tracks von Roni Size und DJ Krust, die in Bristol diverse Labels betreiben. Ihr gemeinsames Projekt Roni Size Reprazent sorgt mit dem Chart-Erfolg des Albums New Forms 1997 dafür, dass Drum'n'Bass nun endgültig keine Minderheiten Musik mehr ist.

Rewind! Beinahe wäre jetzt eine für Deutschland wichtige Compilation ungespielt auf dem Plattenteller liegen geblieben. Downbeat In The Jungle heißt die und macht 1994 stark ragga-beeinflusste Killatunes hierzulande zum ersten Mal auf einer LP zugänglich. Die Ohren in den späteren D'n'B-Hochburgen Mannheim, Köln und Berlin werden da gespitzt: Kaum ein anderer Style wirkt so heftig, ob zuhause oder im Club.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Nicolette, Dom & Roland, Doc Scott, Rufige Cru, Source Direct, Klute, Panacea, Makai

Diese Alben besitzen Schlüsselqualitäten:

Nicolette: Now Is Early [1992]
Diverse: Downbeat In The Jungle [1994]
Goldie: Timeless [1995]
LTJ Bukem: Logical Progression [1996]
Roni Size Reprazent: New Forms [1997]
4 Hero: Two Pages [1998]
Kemistry & Storm: DJ Kicks [1999]
Dillinja: Cybotron [2001]

Interesse geweckt?
Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Der DJ als Künstler (Turntablism), Zweimal so nett (2 Step) oder Uff-De-Dumpf statt Boing Bum Tschak (Dancepop (Dance/Eurodance/Dancepop)), Techno City (Detroit Techno).