Start | Genres  | Dance & Electronic | Disco

GENRES

Info

Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Disco
Samstag Nacht Nonstop

 

Mit der Maxi in den endlosen DJ-Mix: Disco

Der Club wie wir ihn heute kennen, er zieht mit Disco in die Popgeschichte ein. Unter dem Begriff versteht man erst eine Art zu feiern: Endlos mixen DJs Soul- und Funk-Platten. Gut angezogene Menschen tanzen dazu. Erst aus den Disco-Partys geht die Musik Disco hervor, die Stars wie die Bee Gees und Grace Jones hervorbringt. Und mit Saturday Night Fever einen der berühmtesten Musikfilme überhaupt.

Zuerst ist es nur eine Form der Party. Im Herbst 1973 bringt das US-amerikanische Musikmagazin Rolling Stone eine Story zu "Discotheque Rock". Der Anlass: In New Yorker Stadtteilen wie Harlem, Brooklyn und der Bronx mehren sich abendliche Treffs, auf denen DJs Musik mixen. Es geht um den schieren Tanz und das reine Feiern. Besucher wie Veranstalter zählen zu den gesellschaftlichen Minderheiten. Afro- und Hispano-Amerikaner sind zu arm, um Bands zu bezahlen. Schwule haben Probleme, Live-Bands zu engagieren.

So feiert die Disco-Szene bald schon DJs als eigene Stars. Der bekannteste in den frühen 70ern ist Francis Grosso, der das "Slip-Cueing" erfindet. Bis heute ist jede nachfolgende Clubmusik undenkbar ohne dieses DJ-Essential: Bei rotierendem Teller wird eine Platte festgehalten und in genau jenem Moment losgelassen, in dem das Stück auf dem anderen Plattenspieler endet. Soul und Funk von Edwin Starr, James Brown und Parliament werden in die DJ-Mixe eingespeist.

Wenn der Werber wieder wirkt

Beim Besuch der Disco-Partys fällt dem Werbemanager Tom Moulton auf, dass sich die Stimmung auf der Tanzfläche gegen Ende jedes Songs senkt, um dann im Laufe des nächsten Titels wieder anzusteigen. So kommt er auf die Idee, Disco-Stücke mit dem Dancefloor im Sinn neu abzumischen. Erste Gehversuche startet er 1972 mit den Trammps, gegen Mitte der 70er setzt sich der Remix als Format durch. Um die Tracks auch länger als die auf Single üblichen 3:30 Minuten gestalten zu können, brauchen die Produzenten mehr Raum auf der Vinylplatte. So kommt man auf die Maxi: Mit der Größe einer LP schafft sie Platz für bis zu sechzehn Minuten lange Mixe. Erste in den Läden erhältliche Maxi ist Ten Percent von Double Exposure. Ein Jahr später wollen z. B. auch Chic ihre Spielbarkeit in den Discotheken erhöhen, 1977 mit Dance Dance Dance.

Zu dieser Zeit ist Disco allerdings längst schon weit mehr als eine reine Club-Musik. Schon 1975 erscheint die LP "Disco Baby" von Van McCoy, auf der reine Tanzstücke zu finden sind. Das bekannteste unter ihnen heißt "The Hustler" und sorgt für den gleichnamigen Modetanz in den Diskotheken. Zunehmend bringt Disco eigene Popstars hervor. Entweder schaffen schon länger Aktive erst mit Discostücken ihren Durchbruch, wie etwa Hot Chocolate und Shirley & Company. Oder ihre Stücke sind einfach so zwingend gut produziert und arrangiert, dass sie über die Tanzfläche hinaus strahlen. Letzteres trifft besonders zu auf Chic und Grace Jones zu. Auch München trägt zur Pop-Werdung von Disco bei. Produzent Giorgio Moroder lässt die Musical-Sängerin Donna Summer 16 Minuten lang über einen Beat stöhnen und erreicht so 1975 Platz zwei in den US-amerikanischen Charts mit Love To Love You Baby.

Der Staffelstab wird weitergereicht

Der Film Saturday Night Fever setzt dem großen Hype Disco einen würdigen Schlussstrich. John Travolta spielt den von seiner Arbeit genervten Jugendlichen, der am Wochenende alles hinter sich lässt, sich super anzieht, mit Tanzen Bewunderung einheimst und das schöne Mädchen kriegt. Gedreht in einem Club in Brooklyn, wird der Film mit der von größtenteils den Bee Gees interpretierten Musik 1978 zum Kassenhit. Neben den Gebrüdern Gibb sorgen Disco-Größen wie Tavares, KC & The Sunshine Band und die Trammps für den Soundtrack. So hält der Film glaubwürdig die Aufgeregtheit der Underground-Kultur Disco ein. Gleichzeitig belegt er mit einem Pop-Disco-Soundtrack anschaulich, wie sehr sich Disco im Laufe der Jahre an die Konventionen des Popsongs angepasst hat.

Bis heute aber lebt Disco weiter. Als Idee eines die Einfachheit zelebrierenden Pop bei Stars wie Madonna und den Pet Shop Boys. Und als Tanzmusik in all den DJ-Styles, die danach gekommen sind. House übernimmt da nur den Staffelstab, Ende der 70er in Chicago und New York.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Hues Corporation, George McCrae, Gloria Gaynor, A Taste Of Honey Of Honey, L.T.D., Lakeside, GQ, Bunny Sigler, Loleatta Holloway

Schlüsselalben dieses Genres sind:

Donna Summer: Love To Love You Baby [1975]
OST: Saturday Night Fever [1977]
The Trammps: Disco Inferno [1977]
Chic: C' est Chic [1977]
Anita Ward: Songs Of Love [1979]
Sister Sledge: We Are Family [1979]
Grace Jones: Nightclubbing [1981]
Evelyn King: Best Of Evelyn "Champagne" King [2001]

Interesse geweckt?
Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Uff-De-Dumpf statt Boing Bum Tschak (Dancepop), Techno City (Detroit Techno) oder Zentrum der Welt im Summer Of Love (Acid).