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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Big Beat
Die Boutique bouncte

 

Big Beat blies Clubtracks zu Hubba Bubba Blasen auf

Mit den Chemical Brothers, The Prodigy und Fatboy Slim bringt Big Beat im Laufe der Neunziger Jahre drei Superstarnamen hevor. Das Heavenly Social in London und die Big Beat Boutique in Brighton gibt's als unverzichtbare Orte frühmorgendlichen Vergnügens gleich noch mit dazu. Big Beat bringt's halt: Erfrischt anfangs die DJ-Kultur dank allerlei Popzitaten und macht mobil bei PC-Game, Werbung und Film.

Mitte der Neunziger sind die maschinellen Clubsounds Techno und House als "Das Neue-Ding " abgefeiert. Ganze Lebensweisen, Sprachen und Moden haben sich etabliert. Die Party sucht nach frischen Sounds - und findet sie in der Vergangenheit der Popmusik. Sicher ist das Programm des Heavenly Social nicht weiter originell - "Alles Gute geht" lautet das Motto, als das Gitarren-Indie-Label Heavenly im Sommer 1994 erstmals auf die Tanzfläche eines Londoner Pubkellers lädt. Doch Heavenly setzen zur richtigen Zeit auf die richtigen Resident DJs.

The Dust Brothers - 1995 benennen sie sich aus juristischen Gründen in Chemical Brothers um - zerkauen in ihren Sets Barry White, Detroit Techno und Public Enemy. Um die ganzen Tracks auch richtig mixen zu können, produzieren die Brüder eigene Stücke dazu. Die Stücke klingen wie alle Chemical-Lieblinge auf einmal, bloß schauen zusätzlich noch Rockgitarren, eine Menge wilder Effekte, ab und an eine Sirene in den Tracks von Ed Simons und Tom Rowlands vorbei.

Das kommt an. Bis heute wird im Heavenly Social gefeiert, mittlerweile hat der Laden einen Ableger in Nottingham eröffnet. Das Social ist 1995 der erste Club, der Daft Punk auf die Insel einlädt. Weitere Namen mit Ausrufezeichen hinter dem Auflege-Modus "Freistil" folgen: Andrew Weatherall, David Holmes, Bentley Rhythm Ace, Basement Jaxx. Im Jahr 1997 hat sich der Begriff "Big Beat" für den zitatgespickten Sound der Party etabliert. International sind die Chemical Brothers bis dahin bereits so angesehen, dass sie für Block Rockin' Beats den Grammy für "Bestes Rock Instrumental" gewinnen.

Auf Anhieb: Arme hoch

Mit schnellen Breakbeats, Acid-Basslines und hochgepitchten Stimmen haben es Mitte der Neunziger Jahre auch The Prodigy heraus aus den Clubs und hinein in die Top Positionen der internationalen Charts gebracht. In der zweiten Jahreshälfte des Jahrzehnts halten sie dann zwar den Star Status, kippen aber immer deutlicher in harten Psychorock rüber.

Doch erhält im selben Jahrfünft die globale Big Beat Zentrale London dicke Unterstützung aus Brighton. Norman Cook hat jahrelang Bass bei den Housemartins gespielt und auch schon ein paar Clubhits mit seinen Beats International gehabt. Unter dem Namen Fatboy Slim bringt er auf dem Indielabel Skint seine Feierabend-Tracks heraus. Die kommen in den Big Beat Clubs des Landes so gut an, dass Cook gemeinsam mit Labelbetreiber Damian Harris 1997 einen eigenen Club gründet - die Big Beat Boutique. Dort testet er Tracks wie den Rockafella Skank, der in der Boutique auf Anhieb die Arme hochgehen lässt. Bei Erscheinen ein Jahr später wird jeder Radio-Jingle, jede jugendliche Fernsehreportage mit dem sportlichen Funk-Break untermalt.

Ein Sound für die Zweitverwertung

Big Beat ist tatsächlich eine ideale Musik für die Medien. Geht ab ohne anzustrengen, amüsiert ohne Ansprüche an das Wahrnehmungsvermögen zu stellen. Polylux, das Zeitgeist Magazin der ARD, ist leicht an der Hawaii Gitarre und den langsam verpuffenden Beats zu erkennen. Das ist Why Hawaii von Aleem aus England. Game-Klassiker wie Tombraider können auf Groove Armada und Fatboy Slim nicht verzichten, Levi's greift für TV-Kampagnen gerne mal auf Acts wie Pepe Deluxe aus Finnland zurück.

Als Clubmusik verläuft sich Big Beat gegen Ende der Neunziger ganz allmählich. Neue, bislang noch nicht aus den Clubs heraustönende Breakbeat-Verästelungen ergeben sich gegen Ende der Neunzigerjahre. So Nu Skool Breaks und Broken Beatz. In den Charts tauchen die großen Namen des Big Beat dennoch bis heute auf - sowohl die Chemical Brothers als auch Fatboy Slim verkaufen nach wie vor Unmengen Platten. Im Jahr 2001 veröffentlichen The Avalanches aus Australien eine Platte, die den Sample-Irrsinn konsequent auf die Spitze treibt. Since I Left You besteht zu 100% aus Samples und beschäftigt ein halbes Jahr lang eine Anwältin, die sich um die Rechteklärung kümmern muss. Es ist halt aufwändig, eine Hubba Bubba Blase auf ihre Zusammensetzung hin zu überprüfen.

Weitere Meister dieser Strömung sind:

Propellerheads, Leftfield, Freestylers, Midfield General, Lo Fidelity Allstars,Death In Vegas, David Holmes, Req

Diese Alben besitzen Schlüsselqualitäten:

The Prodigy: Experience [1992]
Chemical Brothers: Exit Planet Dust [1995]
Bentley Rhythm Ace: Bentley Rhythm Ace [1997]
Fatboy Slim: You?ve Come A Long Way, Baby [1998]
Propellerheads: Decksanddrumsandrocknroll [1998]
Verschiedene: This Is? Big Beat [1997]
OST/ Verschiedene: Lara Croft - Tombraider [2001]
Fatboy Slim: Live On Brighton Beach [2002]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Der Körper als Maschine (Techno), Techno City (Detroit Techno) oder Can You Feel It? (House).