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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Stand Up Comedy
Große Freiheiten auf kleinen Bühnen

 

Spaß ohne Grenzen mit Stand Up Comedy

"Die Bühne, ein Mikrofon, ein paar Pointen, ein Mensch und sein Publikum - das ist purer Sex", definiert Thomas Herrmanns, der Mentor der deutschen Stand Up Szene, das Genre. In den USA gilt das Training dieses Triebs seit langem als Sprungbrett, von dem aus Stars wie Woody Allen, Robin Williams und mittlerweile auch hierzulande Michael Mittermeier und Ingo Appelt zu ihren Karrieren ansetzten.

Kleine, verrauchte Clubs mit winzigen Bühnen, die gerademal genug Platz für eine Person, ein Mikrofon sowie (mit etwas Glück) ein Glas Wasser bieten, bilden den Ausgangspunkt der Stand Up Comedy. Die Aufgabe, die die Clubbesitzer an die Comedians stellen ist eindeutig: sie sollen das Publikum, das den Künstler in der Regel weder kennt, noch extra für ihn bezahlt hat, unterhalten. Und zwar ohne jedes Hilfsmittel, ohne Requisiten, ohne Kostüm oder Musik - nur mit Sprache, Gestik und Mimik.

Wer sich so mit wortreichem Scherzen behauptet, hat in den USA gute Chancen von Film und Fernsehen entdeckt zu werden. Lang ist die Liste der Größen, die als Stand Up Comedians begannen: Eddie Murphy, Steve Martin, Whoopi Goldberg, Roseanne Arnold und und und...In Deutschland verbringt das Genre dagegen lange Jahre ein Schattendasein. Nur gelegentlich lugt es im Kabarett und der Kleinkunst mit unbekümmertem Sprachwitz aus den sozial und politisch engagierten Disziplinen hervor. Heinz Erhardt erheitert in den 50ern und 60ern die öffentlich-rechtliche Fernsehnation mit seinen fröhlich dissenden Reimen, später sind es Otto Waalkes und Emil Steinberger, die in ihren Shows zumindest Elemente der Stand Up Comedy bieten.

Erst ab den 90ern entwickelt sich auch hierzulande eine Stand Up Comedy Szene. Michael Mittermeier kitzelt als bekennender TV-Junkie mit Knautschgesicht und überzogenem Getue die Lachmuskeln der mit Lassie, Flipper und Bonanza groß gewordenen Generationen. Seine zweite CD "Back to Life" chartet sogar auf Anhieb auf Platz sechs der CD-Charts. Nie zuvor verkaufte sich Comedy in Deutschland besser.

Fernab jeglicher Tabu- und Geschmacksgrenzen macht sich mit ähnlichem Erfolg auch Wadenbeißer Ingo Appelt über alles und jeden lächerlich. Rüdiger Hoffmann ("Ja, hallo erst mal...") dagegen erzählt lieber pointiert von eigenen Missgeschicken und kommt damit beim Publikum als charmanter Verlierer stets sympathisch rüber. Musikalisch mit den Rodgau Monotones unterwegs waren bereits Gerd Knebel und Hendrik Nachtsheim, ehe sie es als Badesalz spätestens mit ihren TV-Shows zu bundesweitem Kultstatus bringen. "Ultrakrass" ist auch das Duo Mundstuhl, dass im eigenem kanakisch-hessischem Slang als Dragan & Alder krasse Dialoge abliefern, die oft sogar ohne klassische Pointe auskommen.

Weiter Meister dieses Genres sind:

Django Asül, Olli Dietrich & Wigald Bonig ("Die Doofen")Michael "Bully" Herbig, Kaya Yanar, Piet Klocke, Monty Arnold, Georg Schramm, Jess Jochimsen

Weitere Alben mit Schlüsselqualitäten:

Steinberger, Emil: Feuerabend [1988]
Badesalz: Och Joh [1990]
Waalkes, Otto: Oh, Otto [1992]
Erhart, Heinz: Da gibt's gar nichts zu lachen [1993]
Mundstuhl: Nur vom Allerfeinsten [1998]
Various: Quatsch Comedy Club [1998]
Hoffmann, Rüdiger: Asien, Asien [1998]
Mittermeier, Michael: Back to Life [2000]