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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Musik-Comedy
Tri Tra Trullala

 

Deutsche Musik Comedy zwischen Schwachsinn und Anspruch

Nicht alles, was sich unter deutscher Musik Comedy einordnen lässt, zwingt zum Gehirn abschalten - in der Regel jedoch hilft es. Die Bandbreite des Genres umfasst Ballermannhits, Schunkel- und Schmuddellieder der Marke Die Doofen einerseits und bitterböse Satiren wie die von Georg Kreisler andererseits. Der spitzbübische, augenzwinkernde Humor eines Tim Fischer dagegen bleibt eher die Ausnahme.

"Does Humor Belong in Music?" fragte Frank Zappa mit seinem 1984 erschienenen Album. Eine rhetorische Frage, wie Zappa Fans wissen. Die Antwort lautet natürlich ja! Feingeister kommen bei der Kohabitation zwischen Humor und Musik allerdings nur höchst selten auf ihre Kosten. Das in der Tradition der Bänkelsänger stehende Genre besinnt sich nur gelegentlich auf seine literarischen Wurzeln, die von François Villon und Heinrich Heine bis hin zu Walter Mehring und Ringelnatz reichen. Das große Geschäft machen mitgröhlkompatible Schunkel- und Dödellieder. So gehörten in den 70er Jahren die Blödelbarden Insterburg & Co. zum festen Bestandteil der Fernsehunterhaltung, die so lange "Diese Scheibe ist ein Hit" singen durften, bis es endlich soweit war. Ähnliche Verdienste um die zurecht gefürchtete deutsche Gemütlichkeit machten sich ferner die Gebrüder Blattschuss mit ihren "Kreuzberger Nächten", Klaus & Klaus, die bewiesen, dass man auch über Eierhändler einen Hit machen kann und natürlich der unermüdliche, nicht einmal durch seinen eigenen Humor zu erschütternde Fips Asmussen. An schamlosem Nachwuchs fehlt es nicht. Die Fabulösen Thekenschlampen z.B. verdeutschen den U2 Klassiker "Sunday, bloody Sunday" und schwingen riesige Tampons, während sie "Sonntag, blutig Sonntag singen". Und Mickie Krause wurde mit seinem Hit "10 nackte Friseusen" geradezu folgerichtig zu einer Galionsfigur der Generation Ballermann. Dass nicht alle alles lustig finden, beweist seit Jahren die "singende Herrentorte" Helge Schneider, der es mit "Katzeklo" 1994 sogar bis in die Top 20 brachte. Sein an Dada erinnernder Humor hebt sich wohltuend von der krachledernen Witzigkeit eines DJ Ötzi ab. Eine Klasse für sich sind die bitterbösen Satiren von Georg Kreisler, der an schönen Tagen schon mal dazu aufruft: "Gehn mer Tauben vergiften im Park". Seinen Sinn für Hintergründiges beweist mit androgynem Charme auch Tim Fischer, wenn er Chansons und Couplets unnachahmlich interpretiert. Die Zukunft gehört jedoch sicher jenen, die wie die Erste Allgemeine Verunsicherung Kabarettistisches hinter sich lassen und lieber mit "Ba-Ba-Ballermann" Kasse machen.

Weitere Meister des Genres sind:

Jürgen von der Lippe, Hape Kerkeling, Geier Sturzflug, Schobert & Black, Bürger Lars Dietrich, Mike Krüger, MTS, Hanns Dieter Hüsch, Biermösl Blosn, Georg Ringsgwandl

Ein paar Alben mit Schlüsselqualitäten

Georg Kreisler: Die Georg Kreisler Platte [1962]
MTS: Mut, Tatendrang, Schönheit [1977]
Gebrüder Blattschuss: Bla-Bla- Blattschuss [1978]
Mike Krüger: Der Nippel [1981]
Biermösl Blosn: Grüß Gott, mein Bayernland [1982]
Georg Ringsgwandl: Trulla! Trulla! (Re-Release) [2001]
Helge Schneider: Es gibt Reis, Baby [1993]
Die Doofen: Lieder, die Welt nicht braucht [1995]
Tim Fischer: Na so was [1995]
Hape Kerkeling: Das Beste von Hurz bis Helsinki is Hell [1999]