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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Urban Soul
Damit wird man King Of Pop

 

R’n’B, Soul und Rap im Universalformat: Urban

Zu Beginn der 80er Jahre speist sich der Urban Soul aus etlichen Quellen. Die Gesangslinien bleiben dem traditionellen Soul und R’n’B eng verhaftet. Die Produktion indes, etwa der Songs eines Michael Jackson, vereinnahmt mit E-Gitarren und dominanten Keyboard-Flächen die Instrumentation des Soft Rock. Ein Jahrzehnt später verschiebt sich die Bedeutung des Wortes Urban Soul: TLC, Mary J. Blige und Usher verschmelzen nun HipHop-Beats mit R’n’B.

Bis in die Achtzigerjahre hinein wirken die afroamerikanischen Musikstile Soul, Funk und R’n’B in den Mainstream hinein. Als zu Beginn des genannten Jahrzehntes Künstler und Künstlerinnen wie Lionel Richie, Michael Jackson, Anita Baker oder Whitney Houston Elemente aus dem Soft Rock miteinbeziehen, entsteht eine neue Musik fürs Formatradio. Schmachtende E-Gitarren-Soli, Keyboard-Sounds in der zu dieser Zeit neuen Digital-Ästhetik und überhaupt das Medium Ballade bringen eine bis dahin ungekannte Anzahl schwarzer Musiker und Musikerinnen in die allgemeinen Verkaufscharts.

"Urban Soul" wird diese Musik genannt, mit der sich Olympische Spiele eröffnen (Lionel Richie in Los Angeles, 1984) oder einfach die Ohrläppchen einer geliebten Person streicheln lassen. Dem Begriff lässt sich kaum nachspüren. Möglicherweise aber hat er mit den Drumsounds zu tun, die in ihrer Maschinenprogrammierung die Ästhetik von Disco als urbaner Clubkultur aufgreifen. So mustergültig wie gekonnt vermengt Michael Jackson Soul-Melodien, Rock und Beats mit Aufsehen erregenden Performances. Als 1982 sein Album Thriller erscheint, wird er zur Ikone der schwarzen Jugend im Südafrika der Rassendiskriminierung; erreicht er weltweit ein Massenpublikum und wird von Fred Astaire für sein Tanzen bewundert. Ein weiterer großer Musiker seiner Zeit ist Prince. Auch seine Musik inkorporiert E-Gitarren und Balladen. Doch im Gegensatz zu Jackson, der sich zum "King Of Pop" ausrufen lässt, bleibt Prince näher am Funk.

Rap kommt

Inzwischen allerdings hat sich der Inhalt des Begriffes Urban Soul gewandelt. Der R’n’B aus den Städten taucht weiterhin als Zeitgenosse auf. Doch gehen Ende der Achtziger Produzenten wie Teddy Riley oder das Janet Jackson-Team Jimmy Jam und Terry Lewis an die Arbeit, R’n’B-Gesang mit HipHop-Beats zu vermählen. Rap schwingt sich soeben zur allumfassenden Weltjugendkultur auf, seine gebrochenen, tanzbaren Beats sind da der Inbegriff des Heißen. Eine Zeitlang wird diese Fusion "New Jack Swing" genannt, und Janet Jackson hat ebenso viel Erfolg damit wie eine ganze Legion von Boybands wie etwa Jodeci.

Von dieser Zeit an wird auch all das mit "Urban" tituliert, was Rap miteinbezieht, jedoch nicht als harter Kern dieser Jugendkultur begriffen werden kann. So erleben die Neunziger Jahre eine ganze Welle von Frauenbands. TLC oder später Destiny's Child spielen mit R’n’B, Rap und HipHop-Beats ebenso wie mit radiotauglicher Einfachheit und Produktion. Mary J. Blige gelingt eine aufregende Verknüpfung von HipHop und R’n’B-Gesang, die Sugababes aus England lassen Breakbeats miteinfließen.

Längst ist Urban Soul die Musik des Pop-Mainstream. Wie in den Casting-Sows auch im deutschen TV zu sehen war und ist, versprechen sich auf kommerziellen Erfolg erpichte Produzenten besonders viel von Soul-Gesang und Choreografien. So ist denn auch kaum verwunderlich, dass Urban als importierte Musik längst auch in deutscher Sprache gesungen wird: zunächst ist es Sabrina Setlur, es folgt mit noch größerem Erfolg der christliche Pop des Xavier Naidoo. Mit der Delmenhorsterin Sarah Connor kann eine Englisch singende Europäerin sogar in den USA reüssieren - dort, wo das alles einmal herkam.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

Jennifer Lopez, Sisqo, Mariah Carey, R Kelly, En Vogue, Brandy, Aaliyah

Schlüsselalben dieses Genres sind:

Michael Jackson: Thriller [1982]
Prince: Sign 'O' The Times [1987]
TLC: Crazy Sexy Cool [1994]
Mary J Blige: Share My World [1997]
Destiny's Child: Destiny's Child [1998]
Usher: 8701 [2001]
Xavier Naidoo: Zwischenspiel - Alles für den Herrn [2003]
Sarah Connor: Key To My Soul [2003]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Wir singen weiter (Soul), "The Matrix" zum Hören (R’n’B) oder Wo es begann (Eastcoast Rap).