Start | Genres  | Black Music | Funk

GENRES

Info

Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Funk
Dein Hintern wird folgen

 

Funk stahl Soul die Melodie - und gab ihm schwere Beats

Als Slangwort der schwarzen Jugend taucht "Funk" Mitte der Sechziger Jahre zunächst in Soul-Titeln wie Bernhard Purdies "Funky Donkey" auf. Schnell aber wird es mit einer neuen Variante afroamerikanischer Popmusik verbunden: James Brown, Sly Stone oder Parliament erhöhen die Tanzbarkeit, indem sie ihre Arrangements basslastiger als früher üblich gestalten und auch noch die Bläsersätze raffen.

Wer tanzt, schwitzt. Das mag banal klingen, doch hat es auch etwas mit der Geschichte der Musiksorte "Funk" zu tun. Denn lange Zeit war "funky" zu sein nicht besonders erstrebenswert: Es bedeutete, dass man, tja, schlecht roch. Doch wer tanzt, der schwitzt. Und so kommt es Mitte der 60er Jahre zur Umwertung des Funky-Seins, das nun mit den schönen Dingen des Lebens verbunden wird.

Neben der Art, wie jemand tanzt, können auch Jeans oder Frisuren "funky" sein. Und eben Musik. Im Jahr 1967 taucht der Ausdruck gleich zweimal auf, nämlich in den Soul-Songs "Funky Broadway" von Dyke And The Blazes und dem Funky Donkey von Bernhard Purdie.

Im gleichen Jahr erscheint mit Cold Sweat eine besondere James Brown-Platte. Darauf findet sich neben etlichen Coverversionen das Titel gebende Cold Sweat. Das Stück zeigt eine Richtung an, die afroamerikanische Popmusik in den dann folgenden Jahren einschlagen wird. Verglichen mit dem Soul von Marvin Gaye oder den Supremes ist Cold Sweat funktionale Tanzmusik. Schwer drückt der Bass aufs Arrangement, die Beats verstecken sich nicht mehr im Hintergrund, die Bläser spielen eher Fetzen als Melodie-Phrasen. Von alldem lassen sich Browns Stimmbänder ergreifen und treiben die Musik voran: "Ho! Uhh! Ahh yeahh!"

Es ist diese erhöhte Tanzbarkeit, die schnell von der musizierenden wie tanzenden Jugend des schwarzen Amerikas als funky empfunden wird. Zu Beginn der 70er Jahre erreicht der Funk seine Hochzeit. Earth, Wind And Fire reüssieren mit leichter Partykost. Noch heute zieht der DJ gerne September aus der Plattenhülle, wenn er unzufrieden mit der Laune seiner Gäste ist. Mit Jazz versetzen die Ohio Players ihren Funk. Ihr Song "Funky Worm" aus dem Jahr 1972 wird später im HipHop unter anderem von Snoop Dogg und De La Soul gesampelt. Eine Art Südstaaten-Funk spielen The Meters aus New Orleans. Ihre Beats wippen wie der Schaukelstuhl auf der Veranda, und ihre Songs klingen so gelassen wie die Person, die es sich auf diesem Schaukelstuhl gemütlich macht. Besonders Kollegen wie Paul McCartney und Robert Palmer schätzen diese Gruppe und engagieren sie im Laufe der 70er Jahre als Backing Band für Plattenaufnahmen.

Die großen Funk-Bands sind allerdings Sly & The Family Stone sowie die beiden Gruppen um George Clinton: Parliament und Funkadelic. Sly Stone kommentiert in seinen Songs die Diskriminierung der Schwarzen in seinem Land ("Don't Call Me Nigger, Whitey!"). Bei aller ausdrücklichen Kritik, die offen mit den militanten Black Panthers sympathisiert, erteilt er doch dem Separatismus eine Absage und integriert auch Weiße in seine Band. Das mag heute nicht der Rede wert erscheinen - in seiner Zeit allerdings kommt das selten genug vor. Auch die Songs seiner Family Stone schaffen mühelos einen völlig neuen Sound, der von Slys beseeltem Gesang, psychedelischen Gitarren und harten Funk-Beats geprägt wird.

Auch George Clintons Gruppen Parliament und Funkadelic scheuen die politische Aussage nicht, wie etwa einem Album-Titel wie America Eats Its Young anzumerken ist. Ihr Ruhm gründet auf wahnsinnig tanzbaren Beats mit diesen Synthesizer-Sounds, die gerade die Milchstraße verlassen zu haben scheinen. Beide Bands sind in der personellen Besetzung eng miteinander verkoppelt. Als George Clinton und Bassist Bootsy Collins im Laufe der Siebziger Jahre auch noch Solo-Alben veröffentlichen, verliert das Schaffen dieses Funk-Konglomerats gänzlich die Überschaubarkeit. Wer faul ist, sagt bis heute "P-Funk" dazu.

Bis zum heutigen Tag sind auch die Beats des Funk da. Und wie: Durch HipHop und Popstars wie Prince und Michael Jackson durch die 80er getragen, entdecken in den 90ern Crossover-Bands wie Primus und die Red Hot Chilli Peppers den funky Break. Alle Breakbeat-Stile wie neben HipHop etwa Drum'n'Bass dürfen sich für den charakteristischen Rhythmus, der den ersten und dritten Schlag betont, beim Funk bedanken. Und Galliano erinnern 1992 mit dem Song Skunk Funk ("Stinktier-Funk") daran, dass Funk vom Tanzen kommt. Quatsch, vom Schwitzen.

Weitere Meister dieses Genres sind:

Tower Of Power, Average White Band, War, Dyke & The Blazers, The J.B.'s, Graham Central Station, Rose Royce, Tavares, Trammps

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

James Brown: Cold Sweat [1967]
Funkadelic: Free Your Mind And Your Ass Will Follow [1970]
Sly & The Family Stone: There's A Riot Goin' On [1971]
Ohio Players: Pleasure [1972]
Kool & The Gang: Wild And Peaceful [1973]
The Meters: Rejuvenation [1974]
Earth, Wind & Fire: That's The Way Of The World [1975]
Parliament: Mothership Connection [1976]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Wir singen weiter (Soul), Lizenz zum Illen (Crossover) oder Echo des Halls (Dub).