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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Dub
Echo des Halls

 

In den Höhlen des Dub

Wähle 0180-M.U.S.I.K. und frage nach der Geschichte des Remixes - die Antwort beginnt mit "Dub". Denn was seit King Tubby, Lee Perry und deren Operationen am narkotisierten Reggae-Körper so alles auf das Gestaltungsprinzip Dub zurückgreift, das passt in kein Genrelexikon. Selbst wenn man The Orb, Dillinja, Tortoise oder Pole um Rat fragt. So weit verzweigt sind sie, die Höhlen des Dub.

"Ich bin der erste Wissenschaftler, der den Reggae mixt um herauszufinden, was der Reggae wirklich ist." Das sagt mit Lee "Scratch" Perry eine herausragende Figur des Dub. Perry gilt deshalb jeder Respekt, weil er im Laufe der Siebziger Jahre auf die Spitze treibt, was auf Jamaica Ende der Sechziger mit dem Produzenten King Tubby, beginnt: Das spielerische Neuerfinden von Reggae-Songs. Tubby knöpft sich ein paar Hits vor, lässt den Gesang erst mal weg. Oft lässt er sogar nur Bass und Schlagzeug als Skelett stehen. Dann sucht er sich psychoaktive Effekte wie Echo oder Phasing aus, behandelt ein paar Melodie-Fetzen oder Breaks damit.

Das Ergebnis ist die erste Sorte Pop, die zuallererst am musikalischen Material interessiert ist. "Herausfinden, was der Reggae wirklich ist" eben. Augustus Pablo, Prince Jammy und Clement "Coxsone"Dodd gehören zu den Aktivisten der frühen Dub-Stunde. In den Dancehalls Jamaicas werden die Dub-Versionen um die Jahrzehntwende zu den Siebzigern beliebter als die Originale. Entweder singt das Publikum dazu, oder der Dee-Jay selbst improvisiert ein paar Verse zu den Instrumentals. DJ Kool Herc wandert aus Jamaica aus und macht die Blockpartys in der New Yorker Bronx mit dieser Art zu Feiern bekannt - irgendwann in den Siebziger Jahren geht aus diesen Partys dann das Phänomen Rap hervor.

Dub wandert nach England

Doch so unerhört Dub klingt und so verstörend er auch wirkt: Lee "Scratch" Perry treibt alles noch einmal eine klangerfüllte Höhlenwindung weiter. Er sampelt Kühe, gibt dem Begriff "Soundlandschaft" einen tieferen Sinn und weiht seine Studiobänder mit Marihuana, damit sie besser klingen. Mad Professor lernt unter anderem von Perry, wie weit sich ein Dub-Track vom Song entfernen kann. Als 13-Jähriger wandert der Professor mit seiner Familie von Guyana nach London aus, wo er 1979 das Ariwa-Studio aufmacht. Das gleichnamige Label sorgt dann gemeinsam mit On-U Sound, der Plattenfirma von Adrian Sherwood, für Dub-Aufregung in Großbritannien. Bereits 1978 veröffentlicht die New Wave Band XTC ein Versions-Album. Zu den besonderen On-U Sound-Acts zählen dann das Dub Syndicate, African Head Charge und Bim Sherman; Lee Perry setzt seine Veröffentlichungen auf dem Label fort.

Dub und Klanggestaltung

In den Neunziger Jahren wird Dub als Grundprinzip herausfordernden Klangdesigns wieder entdeckt. Die meisten neu entstehenden Musiken und die meisten Medien Hypes werden aus der großen Dub-Erfahrung gespeist. Ambient wie The Orb, Drum'n'Bass von Typen wie Dillinja, Post Rock wie Tortoise, Minimal Techno von Gas und die urbane Klanggestaltung von Pole und Monolake - sie alle sagen "Danke, Dub".

Weitere Meister dieser Strömung sind:

The Twinkle Brothers, Prince Far-I, The Congos, Creation Rebel, New Age Steppers, Dreadzone, Zion Train, Rockers HiFi


Lee Perry & King Tubby: Blackboard Jungle Dub [1971]

King Tubby: Dub Gone Crazy - The Evolution of Dub At King Tubby's 1975-79 [2000]

Augustus Pablo: Original Rockers [1979]

Scientist: Heavyweight Dub Champion [1980]

Dub Syndicate: Pounding System [1981]

Mad Professor: Dub Me Crazy Pt.I [1982]

Massive Attack Vs Mad Professor: No Protection [1995]

Rockers HiFi: MishMash [1996]

Lee "Scratch" Perry: Arkology [1997]

Pole: 1 [1998]


Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Spiel noch mal den Würgebass, DeeJay (Drum’n’Bass), Innenarchitektur aus Klang (Ambient) oder Das weite Feld... (New Wave).