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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Blues Rock
Lernen von den Alten

 

Zeit der hochbegabten weißen Mucker: Das British Blues Revival

Nach dem Erfolg des Rock'n'Roll besinnt man sich in Großbritannien auf dessen Vorläufer. Alexis Korner und später Eric Clapton oder John Mayall entdecken den Delta Blues. Nach der ersten Europa-Tour eines Muddy Waters sind sie baff über dessen Intensität an der E-Gitarre. Und so gehen aus dem British Blues Revival viele Stars der Rockmusik hervor: Die Rolling Stones, Cream, die Yardbirds und Led Zeppelin.

Das Revival des Blues in Großbritannien betrifft lange Zeit die Frühform der Musik, also den Delta Blues. Denn der Rock'n'Roll kann sich zwar auch auf der Insel als die neue Musik der Teenager etablieren. Jener Prozess der Mainstreamwerdung aber ist es auch, durch den sich Musikbegeisterte wieder auf die Suche nach Alternativen machen. Schließlich ist gerade der Rock'n'Roll weit mehr als nur Musik - eine Industrie, die neben Schallplatten und Konzerten auch Fanartikel und Teenie-Magazine verkauft.

Der Gitarrist Alexis Korner gehört zu jenen, die seit Mitte der 50er Jahre suchen und mit dem Blues als einer Art Folkmusik fündig werden. In London spielt Korner seit 1949 in der Jazz Band von Chris Barber. Der wiederum ist der Erste, der US-Blueser von Format auf die Insel holt, z. B. Bill Broonzy im Jahr 1954. Muddy Waters' Konzertreise vier Jahre später hinterlässt dann baffe Musiker in ganz Großbritannien. Denn mit Waters' Energie an der auf Anschlag verstärkten Fender-Gitarre entdecken Korner und Gefährten, wie zeitgenössisch der Blues klingen kann.

Noch im Jahr 1958 gründet Korner gemeinsam mit Mundharmonika Spieler Cyril Davies eine Band. Die Blues Incorporation wird die Keimzelle des Blues wie auch des auf Blues basierenden Rock im United Kingdom. Blues Incorporated spielen 1962 das Album "Live At The Marquee" und damit das erste britische Blues-Album ein. Wer an den Jamsessions der Blues Incorporated im Marquee teil nimmt, der besitzt beinahe die Garantie für Weltstartum. Das sind unter anderem John Mayall, Eric Clapton, Peter Green (zeitweise bei Fleetwood Mac) oder überhaupt die späteren Cream.

Einen enormen Schub erhält die Bluesbegeisterung, als Bandleader John Mayall 1966 Eric Clapton einlädt. Gemeinsam mit Mayalls Bluesbreakers spielen der Organist und der Gitarrist ein Album ein, das als eines der großen Werke des British Blues Revival gilt: John Mayall & The Blues Breakers With Eric Clapton verbindet Blues mit Rock und zeigt Claptons pointiertes Gitarrenspiel an einem frühen Höhepunkt. Auch in den USA wird das Album begeistert aufgenommen.

Doch ein Unbekannter ist der 1945 im englischen Ripley geborene Clapton zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. Von 1963 bis 64 hat er bei den Yardbirds gespielt. Die Gitarristen dieser Band definieren mit ihren Verzerrungen, Feedback und nicht zuletzt ihrer Virtuosität den Klang der Rockgitarre. Neben Clapton sind das Jimmy Page und Jeff Beck. Im Jahr 1966 gründet Clapton gemeinsam mit Jack Bruce (Bass) und Ginger Baker (Schlagzeug) die Gruppe Cream und damit das erste Rock Trio mit kommerziellem Erfolg. Mit der Coverversion von Robert Johnsons Crossroads macht die Band 1968 klar, wo sie ihre Herkunft sieht. Auch Jimmy Page soll noch berühmter werden. Im Jahr 1968 zählt er zur Gründungsformation von Led Zeppelin - jener Band, die bis heute Vorbild zahlreicher Rock-, Hardrock- und Heavy Metal-Gruppen ist.

Nur eine Gruppe gibt es, deren Gründung ebenfalls auf die Sessions der Blues Incorporation zurück geht und die noch mehr Ruhm einfahren wird als Clapton und Led Zeppelin. Brian Jones, Charlie Watts und Mick Jagger gehörten zeitweise zur festen Besetzung der Rolling Stones steht auch ganz offensichtlich unter dem Stern des Blues. Ihren Namen leihen sie sich bei einem Song von Muddy Waters. Das erste Konzert der Band findet 1962 im Londoner Bluesclub The Marquee statt. Und nach ihrer ersten US-Tour nehmen sie 1964 in England eine Coverversion von Howlin' Wolfs Little Red Rooster auf. Und belegen damit Platz Eins der Charts - zum zweiten Mal in ihrer Karriere. Sie wird noch viele weitere Nr. Einsen bringen und die Rolling Stones zu der Rockband schlechthin machen. Sie betonen es bis heute immer wieder: Gelernt haben sie es von den Bluesern, den Alten.

Weitere Meister dieses Genres sind:

The Blues Band, The Animals, Ten Years After, Graham Bond Organisation, Them, Traffic, Chicken Shack, Rory Gallagher, Taste

Einige Schlüsselalben dieses Genres:

The Rolling Stones: England's Newest Hit Makers [1964]
The Yardbirds: Having A Rave Up [1965]
Cream: Fresh Cream [1966]
Alexis Korner Blues Incorporation: Sky High [1966]
John Mayall & The Blues Breakers: With Eric Clapton [1966]
Fleetwood Mac: Peter Green's Fleetwood Mac [1968]
Led Zeppelin: I [1969]
Gary Moore: Grinding Stone [1973]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Wissen über Musik. Zum Beispiel in den Einträgen Wir brauchen Verstärkung (Chicago Blues), Robert Johnsons Pakt mit dem Teufel (Delta Blues) oder Die Entdeckung des Teenagers (Rock'n'Roll).