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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Blaxploitation
Blaxploitation

 

Afro-Look, funky Chicks & dicke Wummen

Zwischen 1970 und 1975 wurden in Amerika etwa 200 Filme gedreht, die schwarze Hauptdarsteller hatten. Ein Wortspiel aus "Black" und "Exploitation" (Ausbeutung) bezeichnet dieses Phänomen.
Blaxploitation-Filme waren Streifen mit schwarzen Schauspielern, die sich an ein schwarzes Publikum richteten. Durch "Jackie Brown" (1997), die Hommage von Star-Regisseur Quentin Tarantino an die Blackpower-Ikone Pam Grier erwachte das Interesse an den Blaxploitation-Filmen und besonders deren Soundtracks wieder neu. Das Remake von "Shaft" (2000) mit Samuel L. Jackson tat ein übriges dazu...

Anfang der 70er, als die USA in den Vietnamkrieg und in oft heftige Rassenunruhen verstrickt waren, lockten die politisch angehauchten Blaxploitation-Action-Abenteuer vor allem ein farbiges Publikum in die Kinos. Der Trash-Charakter und die stereotype Rollenverteilung ergänzten perfekt die simple Erzählweise der Filme, die oft genug an bessere Comic-Strips erinnern. Die afroamerikanischen Superhelden waren die perfekte Inkarnation von Coolness. Sie trugen Namen wie Sweetback, John Shaft oder Black Caesar, sahen glamourös aus und bewegten sich souverän über die Leinwand. Und vor allem waren sie nicht mehr auf den "weißen Mann" angewiesen, sondern kehrten die Spielregeln zum ersten Mal um.

Blaxploitation war aber zuallererst nicht mehr als B-Kino, in seinen Strukturen gar nicht so weit entfernt von den Spaghetti-Western oder Kung-Fu-Filmen. Mit diesen Genres teilten sich die Blaxploitation-Filme noch weitere Charakteristika: eine äußerst kurze Blütezeit, niedrigste Produktionskosten und einen relativ hohen Ausstoß an Schrott.

Melvin Van Peebles "Sweet Sweetback's Badasssss Song" war 1971 der erste unabhängig produzierte schwarze Film des Genres, der mit seinem Schlusswort "a badasssss nigger is coming back to collect some dues" die Richtung für die nächsten Jahre vorgab. "Sweetback" wurde für 500 000 Dollar produziert und spielte über zehn Millionen ein.

Die Schauspielerin Pam Grier kombinierte wie keine andere sinnlichen, selbstbewussten Black Power-Feminismus mit dem dynamischem Actionkino der Blaxploitation. Besonders in ihren frühen Filmen wie "Coffy" (1973) oder "Foxy Brown" (1974) erarbeitete sie sich einen Kultstatus. Nachdem sie zeitweise in der Versenkung verschwunden war, kehrte Pam Grier mit beachtlicher Ausdauer wieder auf die Leinwand zurück. Den vorläufigen Höhepunkt bildet ihre Hauptrolle im dritten Tarantino-Film "Jackie Brown", der sich auch im Soundtrack stark auf einen Blaxploitation-Ansatz bezieht. Ergänzend zu diversen Funk- und Soulsongs, greift hier Pam Grier sogar höchstpersönlich zum Mikrophon, gefolgt von der nach ihr benannten Rapperin Foxy Brown.

Auch Richard Roundtree war ein Star der Blaxploitation-Ära. Seine bekannteste Rolle: der Part des Super-Detektivs John Shaft, den er dreimal fürs Kino und von 1973 bis 1974 in einer TV-Serie spielte. Wie Pam Grier konnte auch Roundtree in den 90ern eine Art Comeback feiern: Für den Remake des Blaxploitation-Hits "Shaft" (2000) holte man ihn immerhin für einen Auftritt als Onkel des neuen Titelhelden (Samuel L. Jackson) vor die Kamera. Auf dem Soundtrack erweisen aktuelle HipHop- und R’n’B-Künstler wie OutKast, R. Kelly oder Angie Stone der Blaxploitation-Ära ihre Referenzen.

Klassische Blaxploitation-Soundtracks wie "Shaft", "Superfly" oder "Coffy" sind vornehmlich unerschöpfliche Sample-Fundgruben. Besonders Gangsta-Rapper wie N.W.A. , Snoop Doggy Dogg, Tupac oder Ice Cube haben sich reichlich aus dem Fundus der Blaxploitation bedient und das Genre als Rohstoff für Songs und Bastelanleitung für ihr Image benutzt.

Soul und Funk bestimmten stets die Atmosphäre der Blaxploitation-Filme und kommentierten konsequent das wilde Treiben auf der Leinwand. Oft war die Musik weit besser als der Film selbst. Kaum einer der Streifen konnte der großartigen musikalischen Untermalung von Isaac Hayes, Marvin Gaye, Curtis Mayfield, Bobby Womack, Roy Ayers, Willie Hutch oder James Brown wirklich gerecht werden. Isaac Hayes gewann mit dem "Shaft"-Soundtrack einen Oscar und einen Grammy. Und Curtis Mayfields "Superfly" hielt sich 46 Wochen in den amerikanischen Charts, davon fünf Wochen auf Platz eins.

Weitere musikalische Meister dieser Strömung:

Booker T & MGs, Donald Byrd & Blackbyrds, Charles Earland, Millie Jackson und Don Julian & Larks

Einige Schlüsselalben dieses Genres:

Melvin Van Peebles: "Sweet Sweetback's Badasssss Song" (1971)
Isaac Hayes: Shaft (1971)
Marvin Gaye: Trouble Man (1972)
Curtis Mayfield: Superfly (1972)
O.S.T. : Across 110th Street (1972)
Roy Ayers: Coffy (1973)
James Brown: Black Caesar (1973)
J.J. Johnson: Cleopatra Jones (1973)
Don Julian: Shortie The Pimp (1973)
O.S.T. : Foxy Brown (1974)
Edwin Starr: Hell Up In Harlem (1974)
V.A. : Jackie Brown (1997)

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