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Cajun/Zydeco
Monsieur Schultze spielt Akkordeon

 

Folklore aus den großen Sümpfen: Cajun und Zydeco

Cajun und Zydeco sind Begriffe sowohl der Welt- als auch der US-amerikanischen "Old Time Music", der Musik vor Erfindung der Vinyl-Schallplatte. Diese Sonderstellung resultiert aus der französischsprachigen, katholischen und aus Kanada emigrierten Cajuns Louisianas, deren Alltag Cajun und Zydeco Musik bis heute begleiten. Zu den Größen des Cajuns zählen Joe Falcons und später Michael Doucet mit seiner Gruppe Beausoleil, während Zydeco als Blues-Abwandlung etwa von Boozoo Chavis prominent gespielt worden ist.

Schultze wird so richtig angesteckt: In Michael Schorrs Film aus dem Jahr 2003 rettet ein Zydeco-Stück aus dem Radio den Hauptprotagonisten davor, im Vorruhestand ein Leben voller Routine zu leben. Insofern könnte Schultze Gets The Blues also auch "Schultze Gets The Zydeco" oder "Schultze Gets The Cajun" heißen. Denn der in Frührente geschickte Salzbergbauer macht sich schließlich von Sachsen-Anhalt aus auf den Weg, um Louisiana zu erkunden.

Der US-Bundesstaat ist der Ort der beiden Musikstile. Während des Unabhängigkeitskrieges in Kanada wurden die französischsprachigen Katholiken aus der Region Acadia vertrieben, ihr Zug brachte sie bis ans Mississippi-Delta. Wie auch im Falle der direkt in die USA Emigrierten ist das europäische Volkslied die Grundlage der Folklore-Musik der Cajuns, wie sich die Bevölkerung Louisianas noch heute selbst nennt.

Musik des Karnevals

Erst in den 20er Jahren des zurück liegenden Jahrhunderts erweiterte sich ihre Instrumentierung um die akustische Gitarre - das traditionelle Cajun-Lied wird gespielt mit Violine und Triangel, vor allem aber mit dem Hauptinstrument, dem diatonischen Akkordeon. Es ist ein ursprünglich deutsches Instrument, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Cajuns für ihre Gesellschaftstänze entdeckt worden ist.

Wo in Deutschland, etwa von der Filmfigur Schultze, bis heute Polka und Walzer auf Vereinsfesten mit dem Instrument gespielt werden, existiert in Louisiana und Ost-Texas der regionale Ausdruck "Fais-Do-Do". So werden die Tanzveranstaltungen genannt, auf denen bis heute Onestepp, Twostepp und ebenso Walzer aufgespielt werden. Die "Fais-Do-Do" sind jährlich im Ort statt findende Großveranstaltungen wie hierzulande etwa das Schützenfest oder die Kirmes. Doch neben der Musik der Marching Bands sind Cajun und Zydeco auch die Musik des Mardi Gras, des Karnevals, der vor allem in den Großstädten Baton Rouge und New Orleans gefeiert wird.

Revival in den 80ern

Gespielt wird die Musik dabei in all ihren Evolutionsarmen: Seit der ersten Schallplatten-Aufnahme, seit "Allons A La Fayette" von Joe Falcons, hat Cajun eine lange Geschichte hinter sich gebracht. Mit den Tonträgern kamen erste überregionale Stars wie etwa Vin Bruce, der 1959 aus Jole Blon einen Signatur-Hit des Cajun machte. Danach zog sich der Stil weitgehend zurück nach Louisiana, um ab und an als Swamp Rock oder Swamp Pop in den Charts aufzutauchen: Radiotaugliche Musik mit einem gewissen Kolorit des Cajun, meist natürlich dem dynamischen Akkordeon-Spiel und dem Text in französischer Sprache. Rusty und Doug Kershaw zum Beispiel stiegen immer wieder in die US-Charts ein, ebenso wie Charles Mann, als er 1988 mit seinem Akkordeon den Dire Straits-Song Walk Of Life coverte.

Doch aus der Sumpfregion am Mississippi entwuchs eine weitere Variante von Bedeutung. Zydeco wird deshalb immer in einem Atemzug mit Cajun genannt, weil diese Musik auf den selben Instrumenten gespielt wird und auch auf dem gleichen Liedgut basiert. Allerdings wird mit Zydeco jener Stil beschrieben, den die Nachfahren der afroamerikanischen Sklaven entwickelten. Im Zydeco spielt deshalb auch der Blues eine weitaus größere Bedeutung als im Cajun. Nach frühen Zydeco-Hits wie Paper In My Shoe von Boozoo Chavis wurden Cajun und Zydeco in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder entdeckt, als das Interesse an regionaler Musik aus aller Welt sprunghaft anstieg. Mit ihnen eben auch der Folklorist Michael Doucet und seine Band Beausoleil oder Rufus Thibodeaux. Womöglich wäre ohne dieses Revival auch dieser eine Song überhaupt nicht im Radio gelaufen, den der Akkordeonspieler aus Sachsen-Anhalt zufällig im Radio hört. Es ist übrigens der Zydeco From 1988 der Zydeco Force aus Opelousas, Louisiana. Durch ihn macht Schultze die Erfahrung seines Lebens.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

Clifton Chenier, Terrance Simien, Iry Lejeune, Eddie Lejeune, Marc Savoy, Zachary Richard, Hackberry Ramblers, Rockin' Dopsie

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

V.A.: Kings Of Zydeco [1988]
Beausoleil: Bayou Boogie [1995]
The Balfa Brothers: J'ai Vu Le Loup, Le Renard Et La Belette [1995]
Boozoo Chavis: Johnnie Billy Goat [2000]
V.A: Rough Guide To Cajun & Zydeco [2001]
Buckwheat Zydeco: Buckwheat's Zydeco Party [2001]
Rusty + Doug Kershaw: Louisiana Men [2004]
V.A.: Schultze Gets The Blues Original Soundtrack [2004]