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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

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Renaissance des gesprochenen Wortes: Die Lesung auf Hörbuch

Klaus Kinski, Christiane Paul und Rufus Beck haben etwas gemeinsam: Sie waren oder sind Schauspieler. Und sie haben der Literatur ihre Stimme geliehen, indem sie Hörbücher eingesprochen haben. Damit bringen sie eine Entwicklung voran, die sich dynamische entwickelt: das gesprochene Wort boomt im öffentlichen wie im privaten Raum, live und auf Tonträger.

Im Laufe der 90er Jahre hat sich in der Literaturlandschaft das Verhältnis zwischen gesprochener und geschriebener Sprache verändert: Das Sprechen rückt mehr und mehr raus aus seiner Rolle als Marginalie. Poetry Slams und Lesebühnen konnten sich etwa als neuere Veranstaltungsformen etablieren, der gute alte Salon erlebte eine Renaissance. So unterschiedlich die Millieus sein mögen, innerhalb derer diese verschiedenen Veranstaltungsformen organisiert werden: Slam, Lesebühne und Literarischer Salon machen Literatur an einem öffentlichen Ort hörbar.

Seit Mitte der Neunziger Jahre macht sich diese Veränderung auch in den literarischen Formaten bemerkbar. Das Hörbuch boomt. Bevor sich die CD im Laufe der 80er Jahre zum Standard der Tonträger entwickelt hatte, blieb das Format Hörbuch stark auf Kinderserien wie Die Drei ??? beschränkt.

Option auf längere Fahrten

Klangqualität und Skipfunktionen der CD aber stellen insofern einen entscheidenden Unterschied zur Musikkassette dar, dass nun auch das gesprochene Wort eine Option etwa für lange Autofahrten bietet. Und auch zum ICE-Radio der Bahn gehört mittlerweile ein eigener Kanal für literarische Lesungen.

Mit der Lesung auf Hörbuch nimmt man sich eben das gesprochene Wort ins Private. Gegenüber dem klassischen Buch hat das Hörbuch dabei ja einige Vorteile: Zunächst befriedigt sie die Multitasking-Bedürfnisse in der beschleunigten Gegenwart. Mit der Lesung auf Hörbuch findet Literaur auch beim Bügeln, Grill anwerfen und Nähen ins Ohr; das klassische Buch verhält sich da wesentlich einnehmender. Deshalb bilden Kinder ja auch die Vorhut des Hörbuch-Hörens, denn sie beschäftigen sich seit jeher am liebsten vielfach. Deshalb halten immer noch Kinderproduktionen wie Benjamin Blümchen einen Marktanteil von gut 75%.

Doch die Erwachsenen ziehen nach. Dafür gibt es neben dem Multitasking noch weitere Gründe: Beim klassischen Buch ist es ein etablierter Name, der Aufmerksamkeit erregt. Beim Hörbuch sind es dagegen mitunter schon zwei Attraktoren, denn auch Sprecher und Sprecherinnen konnten mit ihrer Stimme bereits Prominenz erlesen. Dazu gehört die Schauspielerin Christiane Paul. Von ihr liegt unter anderem eine Lesung des Kinderbuch-für-Erwachsene-Klassikers Alice im Wunderland vor. Desweiteren hat Rufus Beck mit seinen Harry Potter-Lesungen mehr Aufmerksamkeit erregen können, als es ihm je in seiner Karriere als Schauspieler gelungen ist. Und auch ein Christian Brückner, bislang bekannt als Synchronstimme von Robert De Niro, leiht seine Stimme einigen Hörbuchproduktionen wie Der Medicus
von Noah Gordon.

Wie Gordons Bestseller, ein historischer Roman, sind bereits auch alle anderen literarischen Gattungen auf CD aufgenommen. Klaus Kinski interpretiert Lyrik von Villon und Schiller, der Kabarettist und Rezitator Eberhard Esche gilt als Goethe- und Heine-Spezialist. Judith Herrmann liest die Erzählungen ihres Sammelbandes "Sommerhaus, später"selbst. Und führt damit ein Plus des Mediums Hörbuch vor: Eine Stimme kann einnehmender sein als die Literatur selbst.

Weitere meisterhafte Hörbücher sind:

Wladimir Kaminer: Menschen des Alltags, Dieter Bohlen: Nichts als die Wahrheit, Verschiedene: Kafka Erhören, Aleister Crowley: The Great Beast Speaks, Oscar Wilde: Das Gespenst von Canterville, Virginia Woolf: Mrs. Dalloway, Nick Hornby: High Fidelity, Minette Walters: Schlangenlinien

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Klaus Kinski: Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund [1990]
Gebrüder Grimm: Grimms Märchen [1995]
Judith Hermann: Sommerhaus, später [1999]
Jack Gonski präsentiert: Wortsalat - Poetry Slam [1999]
Eberhard Esche: Der Zauberlehrling [2001]
Rainer Maria Rilke: Recital R.M. Rilke [2002]
Benjamin v. Stuckrad-Barre: Deutsches Theater [2002]
Noah Gordon: Der Medicus [2002]
Lewis Caroll: Alice im Wunderland [2003]