Start | Genres  | Andere Genres | Kinderlieder

GENRES

Info

Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Andere Genres-Neuerscheinung

Alle Andere Genres-
Neuerscheinung

Kinderlieder
Zahnlückenblues nach der Weihnachtsbäckerei

 

Klassik, Pop, tradiertes Gut: Musik für Kinder

Jahrhundertelang bedeutete "Musik für Kinder": Musik, die durch Singen von den Eltern ans Kind weiter gereicht wird. Zum Klassiker deutschsprachigen Kinderliedgutes konnte so ein Hoffmann von Fallersleben werden: Alle Vögel sind schon da stammt etwa aus seiner Feder. Heute dagegen existiert ein breit gefächertes Angebot für Kinder: da wird der Zahnlückenblues von Rolf Zukowski mitgeträllert, und abends im Bett lassen sich die Kleinen vom Holzwurm die Entführung aus dem Serail erklären.

Durch Singen und Musikmachen, so gaben Eltern die Musik an ihre Kinder weiter. Jahrhundertelang ging das so. In ganz besonders gebildeten Schichten kam noch etwas hinzu. Es war das Notenblatt oder gleich eine ganze Sammlung. So entstand eine Art Kanon, der innerhalb der Familie - ebenso jahrhundertelang die unumstrittene Keimzelle der Gesellschaft - weiter gereicht wurde. Änderungen gab es lange Zeit nur wenige. Und so besteht auch heute noch ein allgemein anerkanntes Liedgut im deutschsprachigen Raum. Zu ihm gehört, wie vor einhundert Jahren schon, das Vermächtnis des 1798 in Falllersleben geborenen A.H. Hoffmann.

Das Grammophon ändert alles

Der Schriftsteller und Textdichter ist nicht nur verantwortlich für "Das Lied der Deutschen". Er entdeckte auch das "Ludwigslied", eine Präziose der historischen Sprachforschung. Und als Hoffmann von Fallersleben, wie er sich selbst nannte, schrieb er bis zu seinem Tod im Jahr 1874 viele Kinderlieder, die scheinbar ewig existieren. Dazu gehören Summ, summ, summ und Alle Vögel sind schon da.

Mit der Erfindung des Grammofons gerade mal vier Jahre nach dem Tode von Fallerslebens, und mit der Erschwinglichkeit von Hi-Fi-Anlagen nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich der Umgang mit Musik radikal. Wie hätte die Musik für Kinder da eine Ausnahme bilden können, wo Kinder auf jede technische Neuerung so wild sind. Musik für Kinder bildet heute eine gar nicht so kleine Industrie innerhalb der Musikindustrie. Und wie sich die Musikstile aufgesplittert haben wie in einem rasanten Wettlauf um den scheinbar individuellen Geschmack, so hat sich auch das Angebot für Kinder entsprechend aufgefächert.

Auffächerung durch Massenmedien

Ein Kosmos im Kleinen: Mediale Instanzen wie der Kinderkanal stellen die Titelsongs ihrer Serien zu eigenen Compilations zusammen. Oder lassen ihre Prominente gleich ganze Solo-Alben produzieren. So etwa im Fall von Bernd Das Brot, der nervigen Quasselstrippe mit einer Grimme Preis-Auszeichnung in der Referenzenliste. Auf Rockt Das Brot rappt das Mehlgebackene. So lernen die Kinder auch gleich, was Vernetzung bedeutet.

Nicht eben eine überflüssige Kompetenz in Zeiten der breit gestreuten Medien. Sie haben längst die mündliche Überlieferung und das Notenblatt ersetzt. Durch die Tonträger sind allerdings Formen der Musikvermittlung möglich geworden, die das mündliche Weiterreichen aufgreifen. Ein gelungenes Beispiel dafür ist die Serie Der Holzwurm der Oper erzählt. Hier werden bekannte und gelungene Opern und Operetten von einer erfundenen Figur, dem Holzwurm eben, kindgerecht erklärt. Etwa die Die Entführung aus dem Serail oder die Götterdämmerung. Einen Anreiz für eine derartige Serie bot sicher auch der andauernde Erfolg klassischer Komponisten in ihren Versuchen, etwas ganz Eigenes für die Neugierigen zu komponieren - allen voran Prokoffiefs Peter und der Wolf und Saint-Saens' Karneval der Tiere.

Und wie jeder Extramarkt blickt auch das Kinder-Musikbiz auf seine eigenen Stars. Rolf Zuckowski hat schon fast sein eigenes Genre Kinderpop kreiert. Geschickt geht er auf die Anliegen der Kleinen ein, wenn er über die Freuden der Weihnachtsbäckerei ebenso singt wie über das Leiden an der Zahnlücke. Um den Kreis zu schließen: Auch Zuckowski streut neben dem Selbstgeschriebenen gerne mal einen von Fallersleben-Klassiker ein. Zum Beispiel ein Alle Vögel sind schon da.
(cb)

Weitere Meister dieses Genres sind:

Janosch, Konstantin Wecker & Chris Berg, Nena, Sommer-Bodenburg/ Vogel: Der kleine Vampir, Detlev Jöcker, Piccolo, Saxo und Company, Marko Simsa, Klassik für Kinder

Einige Schlüsselalben dieses Genres sind:

Prokofieff/ Saint-Saens/ Loriot: Peter und der Wolf/ Karneval der Tiere [1993]
Sven Nordquist/ Konstantin Wecker: Pettersson und Findus - Das Musical [2001]
Fredrik Vahle: Anne Kaffeekanne [2002]
Reinhard Lakomy: Der Traumzauberbaum [2002]
Nymphenburger Kinderchor: Die schönsten Kinderlieder [2002]
Der Holzwurm der Oper erzählt: Mozart - Die Entführung aus dem Serail [2002]
Bernd Das Brot: Rockt Das Brot [2003]
Verschiedene: Ki.Ka Lieder [2003]
Rolf Zuckowski: Rolfs bunte Liederreise [2004]