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Das musicline.de-Genrelexikon bietet Hintergründe zu den verschiedensten Stilen und Phänomenen in der Musik. In jedes Thema führt ein kurzer Text ein, der die wichtigsten Entwicklungen, einflussreichsten Künstler und besten CDs vorstellt. Das Genrelexikon erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern wird fortwährend erweitert und aktualisiert.

Alternative Rock
Fetter Sound aus fettigen Haaren

 

Wie zu Beginn der 1990er Jahre "Alternative Rock" entstand

Zu Beginn der 1990er ändern sich die Strukturen des Pop-Marktes. Durch Erfolge ehemaliger Underground-Bands wie Nirvana, den Red Hot Chilli Peppers oder Jane's Addiction fährt Hit-Alben ein, was nur wenige Jahre zuvor noch mit konspirativem Blick in Jugendzentren auf der Bühne gestanden hatte. Aus der Ursuppe von Grunge, Crossover und auch Metal entstand so der Alternative Rock.

Es ereignet sich um 1990 herum, in jenen Jahren also, in denen die politische Dualität in der Welt einkracht. In Deutschland fällt die Mauer - ein Ereignis, das all jene nicht für möglich gehalten hätten, die mit der in Beton gegossenen Grenze zwischen DDR und BRD, zwischen dem realsozialistischen Osten und dem kapiatlistischen Westen, aufgewachsen sind. Durch die gesellschaftspolitischen Ereignisse entsteht weltweit eine neue Aufbruchstimmung. So ist es zu erklären, dass in jenen Jahren mit Techno und HipHop gleich zwei, und höchst unterschiedliche, Jugendbewegungen zu höchster Popularität gelangen. So ist allerdings auch zu erklären, dass ein lärmendes Genre des Rock zu einem Mainstream-Phänomen wird: Grunge.

Ausgerechnet Grunge! Jene Musik der Rumhänger und Tu-nicht-Gute, die entweder vollyer Zynismus über die Gesellschaft spotten wie Kurt Cobain von Nirvana oder sich bewusst dem Abstoßenden zuwenden, wie etwa Mudhoney mit ihrem bitterbösen "Sweet Young Thing", einem Song über Kindesmissbrauch.

Aus der Garage in die Arena

Redakteure in den Radiostationen, TV-Produzentinnen, der Vibe in den Fashion- und Trend-Magazinen: Rückblickend betrachtet waren sie alle angesteckt von einer Aufbruchstimmung. Eine Band wie die Red Hot Chilli Peppers hatte schließlich schon seit 1983 unermüdlich in kleinen Clubs ihren Funk mit Kanten gespielt, nun, im Jahr 1991, fand sie sich mit Blood Sugar Sex Magik auf einmal an der Chart-Spitze wieder - bereit, die Stadien der Welt zu bespielen. Und die kaputten Hosen des Kurt Cobain wurden zum Fashion Trend der Haute Couture ausgerufen, zu haben in Mailand und Tokio für 300 Dollar. Oder mehr.

Dass Grunge, Techno, Rap nun aus der Garage in die Arena wanderten, wirkte sich auf den kompletten Musikmarkt aus: Die Musikkonzerne suchten nun händeringend nach subversiv klingenden, aussehenden, oder sich benehmenden Gruppen und steckten teure Budgets in deren Produktion. So entstand Alternative Rock: Zunächst fasste der Begriff nur eine Vielzahl unterschiedlichster Gruppen zusammen. Gemeinsam war den Fun-Punks Green Day, den pathetischen Rockern Stone Temple Pilots, den Melodie und Lärmausbrüche miteinander verbindenden Smashing Pumpkins oder den nach Rock-Authentizität suchenden Pearl Jam ja eigentlich nur das Bedürfnis, sich vom Mainstream Rock abzugrenzen. Genau diese Notwendigkeit zum Sich-Unterscheiden regte zu jener Zeit die Pop-Theoretiker Christoph Gurk und Mark Terkessidis dazu an, von einem "Mainstream der Minderheiten" zu reden - einer Situation also, in der sich die Charts wie nie zuvor aus Sounds von Menschen mit Spezial-Mission zusammen setzten.

Sich ja keine Denkmäler erreichten lassen

Ironie der Geschichte deshalb, dass Alternative Rock über die Jahre selbst zum Mainstream sui generis mutierte: Emo-Bands wie Muse brachen ein eigentlich schon für tot erklärtes Sub-Genre des US-Hardcore vor tausende von Menschen. Anhand des Deutschrock der Nuller Jahre wird die Wirksamkeit der Alternative Rock-Idee deutlich: von den Die Ärzte über Wir sind Helden bis hin zu Tokio Hotel ist bei allen - kostenintensiven - Produktionsmöglichkeiten noch eine rebellierende Haltung heraus zu hören. Davon bleibt: Errichtet uns bloß keine Denkmäler!

Weitere Meister dieses Genres sind:

Placebo,Selig, The Dandy Warhols, Live, Silverchair, Weezer

Schlüsselalben dieses Genres sind:

Jane's Addiction: Ritual De Lo Habitual [1990]

Red Hot Chilli Peppers: Blood Sugar Sex Magik [1991]

Nirvana: Nevermind [1991]

Smashing Pumpkins: Siamese Dream [1993]

Hole: Live Through This [1994]

Green Day: Dookie [1994]

Die Ärzte: Le Frisur [1996]

Wir sind Helden: Die Reklamation [2003]

Interesse geweckt? Im Genrelexikon bietet musicline.de noch mehr Informationen rund um die Musikstile an. Zum Beispiel in den Einträgen Flanellhemden in Heavy Rotation (Grunge), Erwachsene auf der Mitte der Straße (Mainstream Rock) oder Das Theater des Bösen (Heavy Metal).