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Chuck Berry

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Berry, Chuck

Biografie

Chuck Berry (voc, g), mit den Vornamen Charles Edward am 18. Oktober 1931 im schwarzen Ellardsville-Distrikt von St. Louis geboren, war mit seinem geraden Rock ’n’ Roll, den er gelegentlich mit Mambo- und Calypso-Metren frisierte, der wichtigste Anreger der britischen Beat-Szene zwischen 1962 und 1964. Elvis Presley hatte eine ganze Generation in Bewegung versetzt; Berry motivierte mit zündenden Gitarrenchorussen und Songs, "in denen er die Wünsche und Frustrationen der jungen Hörer zur Vision einer Teenager-Subkultur verschmolz" (Franz Schöler), jene Musiker, von denen die Bewegung fortan in Gang gehalten wurde: The Beatles, The Animals, The Yardbirds, The Zombies und andere. Sie alle spielten zuerst Berry-Kompositionen, ehe sie eigenes Material entwickeln konnten.

Berrys Hitliste begann 1955 mit dem im Chicagoer Chess-Studio produzierten Song Maybelline und enthielt in den folgenden Jahren Rock ’n’ Roll-Klassiker wie Roll Over Beethoven, School Days, Rock And Roll Music, Sweet Little Sixteen, Johnny B. Goode, Jo Jo Gunne (nach dem sich später eine kalifornische Band benannte), Memphis, Little Queenie, Back In The U.S.A., Let It Rock, Nadine und zahlreiche andere.

In den Texten wurde von den Alltagsproblemen alltäglicher Menschen erzählt. Berry war der Erste, der konsequent die amerikanische Landkarte besang und mit vordem unbekannter Detailtreue rasant-ironische Rockballaden für Klein- und Mittelstädte, Flughäfen, Bahnhöfe und Greyhound-Stationen erfand. Die Verwendung der echten Namen gab seinem Publikum Ansatzpunkte für Identifikationen, die Beschreibung simpel-vertrauter Situationen an der Tankstelle, im Taxi, am Telefon verankerte die Melodien im eigenen Erlebnisfeld.

Vom Einspielergebnis seiner Erzeugnisse sah Berry während der ersten Erfolgsperiode bis 1966 nicht viel. Schon bei seiner ersten Aufnahme Maybelline drängten ihn beispielsweise die Brüder Chess, Inhaber der Plattenfirma, den weißen Rock ’n’Roll-Discjockey Alan Freed als Co-Autor eintragen zu lassen, damit dieser Grund habe, den Song im Radio zu propagieren. Freed und viele andere kassierten von Chuck Berry Tantiemen.

1965, nachdem die Beatles Roll Over Beethoven erneut in die Hitparaden gejubelt hatten und Berry wieder etwas galt, akzeptierte er daher einen hochdotierten Mercury-Schallplattenvertrag. Diese Firma war jedoch nicht in der Lage, seinen schwarzen Sound adäquat zu produzieren und imagegerecht zu vermarkten. Selbst in einem Live-Album mit der Steve Miller Band aus dem Fillmore West, das unter anderem an falscher Repertoiregestaltung litt, wurde Berry unter Wert verkauft.

Erst die erneute Partnerschaft mit der Bluesfirma Chess (nach 1969) brachte dem "absoluten Rock-Idol" ("Die Zeit") das Comeback und mit My Ding-A-Ling 1972 einen Millionen-Hit. Seine Gagen, die er sich stets vor den Konzerten in baren Dollars auszahlen ließ, investierte der Musiker seit etwa 1970 in den Berry-Vergnügungspark in Wentzville, Missouri, etwa 40 Meilen westlich seiner Geburtsstadt St. Louis.

Mehrfach kam der explosive Musikant mit dem Gesetz in Konflikt. 1959 holte er eine 14-jährige, Spanisch sprechende Prostituierte vom Stamme der Apachen aus Texas in seinen Nachtclub in St. Louis, angeblich als Garderobiere. Als er sie feuerte, zeigte sie ihn an. Ein erster Prozess wurde wegen offenkundiger rassistischer Voreingenommenheit der Justiz ausgesetzt, in einem zweiten Chuck Berry jedoch zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. 1979, kurz vor einem geplanten Auftritt für Präsident Jimmy Carter im Weißen Haus, wurde er wegen Steuerhinterziehung angeklagt und musste abermals für 100 Tage in den Knast.

In den achtziger Jahren machte Berry unverändert Musik, galt aber bei den Musikern seiner Pick-up-Bands und vor allem bei Veranstaltern noch mehr als früher als ungerecht, verbittert und launenhaft. In einem Galakonzert zu seinem 60. Geburtstag, das ihm Rolling Stone Keith Richards am 16. Oktober 1986 in St. Louis ausgerichtet hatte, traten unter anderen Etta James, Linda Ronstadt, Julian Lennon und Eric Clapton auf. Regisseur Taylor Hackford drehte dabei große Teile des biographischen Films "Hail! Hail! Rock ’n’ Roll", der im Oktober 1987 in Hollywood uraufgeführt wurde.

1988 erschienen Berrys 1979 überwiegend im Gefängnis geschriebene Memoiren sowie eine Chess Box seiner besten zwischen 1955 und 1973 gemachten Aufnahmen. Doch auch die Schwierigkeiten hielten an. Die Staatsanwaltschaft von Wentzville erhob Anklage, Berry habe in einer Damentoilette seines Amüsierparks eine versteckte Videokamera eingebaut und Bänder mit Urinalaufnahmen verkauft. Rund 200 Damen waren als Zeuginnen geladen. Bei einer Polizeirazzia im Juni 1989 wurden Haschisch, Marihuana, unangemeldete Schusswaffen und pornographische Acht-Millimeter-Filme beschlagnahmt. Berry erhielt eine Gefängnisstrafe und zahlte 5000 Dollar Buße an ein lokales Hospital.

Seine Berufung wurde 1993 vom Obersten Bundesgericht abgelehnt, was ihn nicht hinderte, kurz darauf bei der Inaugurationsgala von Präsident Clinton im Weißen Haus aufzuspielen. Begleitet von Bruce Springsteen & The E Street Band rockte der Veteran im September 1995 im Cleveland Stadium zur Eröffnung der Rock and Roll Hall of Fame, der er eine seiner Gibson-Gitarren stiftete. Sein Platz in der Geschichte war somit gesichert.

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs und
Zusammenstellungen (Auswahl):
Rock Rock Rock (1957)
After School (1958)
One Dozen Berrys (1958)
On Top (1959)
Rockin’ At The Hops (1960)
More Chuck Berry (1960)
New Juke Box Hits (1961)
Twist (1962)
On Stage (1964)
In London (1965)
Fresh Berry’s (1965)
St. Louis To Liverpool (1966)
Golden Decade (1967)
In Memphis (1967)
Live At The Fillmore Auditorium (1967 mit Steve Miller Band)
From St. Louis To Frisco (1968)
Concerto In B. Goode (1969)
Back Home (1970)
Original Oldies, Vol. 1/2 (1970)
San Francisco Dues (1971)
The London Sessions (1972)
Golden Decade Vol. 2 (1973)
Bio (1974)
Rockin’ Together (1974)
Chuck Berry (1975)
Motorvatin’ (1976)
Live In Concert (1978)
Rockit (1979)
Tokyo Session (1981)
The Great 28 (1982)
Live In Toronto (1982)
Hail! Hail! Rock ’n’ Roll (1987 Soundtrack)
Chess Box (1988)
On The Blues Side (1994)
Live On Stage (1995)
Chuck Berry In Concert (2002)
The Definitive Collection (2006)

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