Start | The Beach Boys | Rowohlt-Biografie

The Beach Boys

Im Handel erhältliche Produkte

Beach Boys, The

Biografie

The Beach Boys , 1961 in Hawthorne, Kalifornien, gegründet, reflektierten in ihren Songs den Westküstenmythos von permanentem Sonnenschein, ewiger Jugend und unaufhörlichem Aktivismus. Im Stil der epischen Jukebox-Schlager Chuck Berrys, mit der motorischen Rhythmik der Ventures und dem vom Cool Jazz inspirierten Harmoniegesang der Four Freshmen priesen sie die Artefakte kalifornischer Freizeitkultur und ihre Nutznießer. Das erregende Geschicklichkeitsspiel des Surfing (Wellenreiten) und den Geschwindigkeitsrausch in schnellen Autos und auf hochgezüchteten Motorrädern verherrlichten sie als amerikanische Urerlebnisse. "Was bedeuten denn Autos und Surfbretter?", fragte der Rock-Kritiker Donald Lyons. "Sie sind die Hauptcharakteristika des amerikanischen Bewegungsdrangs. Autos verkörpern die aktive Nutzbarmachung natürlicher Energie durch die Maschine und Surfbretter das passive Vergnügen an natürlicher Energie mit Hilfe körperlicher Geschicklichkeit."

Indem die Beach Boys solche alltäglichen Betätigungen zu Primärsymbolen des American Way of Life emporstilisierten, vermittelten sie ihrem Publikum das Gefühl, ein exemplarisches Leben zu führen. Die Musiker, die privat ihrem Show-Image entsprachen, projizierten das konventionelle Idealbild eines Clans netter amerikanischer Jungen von nebenan und gaben ihren Zuhörern damit ein leicht erreichbares Identifikationsmodell. Obwohl zahlreiche Beach Boys-Songs einen patriotischen Akzent hatten ("California girls are the cutest in the world"), vermied die Gruppe dennoch chauvinistische Töne, indem sie in ihren Texten mit Humor und gelegentlichen Frustrationsausbrüchen gegensteuerte – und damit den Westküsten-Mythos nur noch glaubwürdiger machte.

1961 gehörten zu den Beach Boys die Brüder Brian Wilson (bg, kb, voc), geboren am 20. Juni 1942, Dennis Wilson (dr, voc), geb. am 4. Dezember 1944, Carl Wilson (g, voc), geb. am 21. Dezember 1946, ihr Vetter Mike Love (voc, perc), geb. am 15. März 1941, sowie der Schulfreund David Marks, der kurze Zeit später von Al Jardine (g, voc), geb. am 3. September 1942, abgelöst wurde. Vater Murry Wilson, Maschinengroßhändler, Gelegenheitskomponist und treibende Kraft hinter der Beach Boys-Karriere, vermittelte dem Familienensemble, das sich da-mals noch Carl & The Passions nannte, einen Start auf dem lokalen Candix-Label mit Surfin’, das jedoch über einen regionalen Hit nicht hinauskam. Bereits die nächste Single Surfin’ Safari, nun auf Capitol, schaffte den Sprung in die nationalen Bestsellerlisten.

Von da an vermarktete das Quintett kalifornisches Strandleben sowie den Slang und die Wortspiele der Surfer, Sonnenanbeter und Geschwindigkeitsfetischisten zu ausnahmslos erfolgreichen Single-Produktionen : Surfin’ U.S.A., Little Deuce Coupe (1963), Fun, Fun, Fun, I Get Around (ihr bester Titel in jener Periode), Dance, Dance, Dance (1964), Help Me Rhonda, California Girls (1965), Barbara Ann (1966). Brian Wilson, der Sound-Direktor der Gruppe (siehe Bio), wusste den Mythos von der Sommersonnen-Jugend in immer neuen Variationen frisch zu halten. Er war nach drei Nervenzusammenbrüchen im Dezember 1964 als aktives Mitglied des Ensembles ausgeschieden, blieb aber weiterhin als Komponist, Arrangeur und Produzent der wichtigste Mann der Gruppe, die Bruce Johnston (bg, voc), am 27. Juni 1944 in Chicago geboren, als Ersatz aufnahm.

Zu jener Zeit waren die Beach Boys die erste Rock-Formation, die sich im eigenen Studio selbst produzierte und damit einen für die Entwicklung der Rockmusik wesentlichen Trend einleitete. Brian Wilson nutzte diese Freiheit auf dem von Capitol widerwillig veröffentlichten Album Pet Sounds (1966), das die Hinwendung der Musiker zu komplexeren Sounds markierte, wie es parallel auch die Beatles mit ihrer LP Revolver versuchten. Im Gegensatz zu dem englischen Quartett nahmen die Kalifornier jedoch nur wenige Fremdklänge in ihre Musik auf. Außer der Chuck Berry/Ventures/Four Freshmen-Synthese holten sich die Beach Boys lediglich bei der klassischen Musik sowie beim Rhythm & Blues von Detroit und Memphis stilistische Anregungen. Selbst ihre intensive Bekanntschaft mit dem Maharishi Mahesh Yogi verleitete sie nicht zur Adaption fernöstlicher Folklore.

Die Beschäftigung mit asiatischer Philosophie und Experimente mit angeblich bewusstseinserweiternden Drogen führten jedoch zu einer ästhetischen Verfeinerung und thematischen Differenzierung der Beach Boys-Musik, zu einer Zeit, da Surf-Seligkeit und Auto-Kult von dem neuen kalifornischen Mythos der Flower Power-Generation abgelöst wurden. Die Produktion des sinfonischen Mosaiks Good Vibrations dauerte sechs Monate und bescherte den Wilson-Musikern Ende 1966 ihre erste Millionensingle. Noch aufwendiger war das LP-Projekt Smile, das Brian während einer Europa-Tournee der anderen Beach Boys gemeinsam mit Van Dyke Parks zu realisieren versuchte. Von dem ambitioniert orchestrierten und surrealistisch betexteten Vier-Stunden-Werk fanden sich schließlich nur Bruchstücke auf den LPs Smiley Smile und 20/ 20.

Heroes And Villains, ein Single-Zusammenschnitt aus weiteren Smile-Teilen, markierte 1967 den Abstieg der Gruppe in der Publikumsgunst. Die subtilen Trickklänge missfielen zahlreichen Anhängern aus der Surf-Zeit. Progressive Rock-Fans wiederum argwöhnten, "wir seien Doris Day auf Wellenbrettern" (Bruce Johnston). Die Beach Boys erspielten sich jedoch mit erfolgreichen Tourneen und erstklassigen LP-Veröffentlichungen eine Renaissance. Do It Again aus ihrem zwanzigsten Album 20/20 war perfekt getimete Nostalgie nach Sonne, Strand und Surfing.

Auf der LP Surf’s Up (1971) mochten die Musiker dann den Wellen, die sie einst auf bunten Songbrettern beritten hatten, nicht mehr zu nahe kommen. Don’t Go Near The Water warnten sie umweltbewusst, denn "Zahnpasta und Seife machen unsere Meere zu einem Schaumbad". In brillanter Manier artikulierten sie das Heimweh nach der schwindenden Jugend der "Kirchgänge, Bingo-Spiele und altmodischen Tänze" ( Disney Girls), empfahlen trotz ihres Engagements für Vietnam-Protest, Wehrdienstverweigerung und Rassenintegration: "Wenn’s wieder mal Krawall gibt, haltet euch besser raus" ( Student Demonstration Time), und feierten in dem Titelsong Surf’s Up, einem weiteren Reststück aus der unvollendeten LP Smile, in ätherischer Poesie die Rückkehr zur Unschuld der Kinderzeit.

Trotz ständiger peripherer Personalveränderungen blieb der Sound der Strandjungen unverändert. Über dem sonnigen Image der Band jedoch zogen düstere Schicksalswolken auf. Brian Wilson, der Spiritus Rector, verlor sich mehr und mehr in Trübsal und benötigte schließlich jahrelange psychiatrische Betreuung rund um die Uhr. Zwischen Mike Love und Dennis Wilson entwickelte sich eine Feindschaft, die sogar in ungenierte Handgreiflichkeiten bei ihren zahlreichen Comeback-Konzerten ausartete. Der von Drogen und Alkohol derangierte Dennis war ein Sympathisant des wirren Massenmörders Charles Manson und verkorkste sein Privatleben, seine Soloambitionen, seine Auftritte im Gruppenverband. Nach dem Konsum einer halben Flasche Wodka ertrank der beste Schwimmer und Surfer des Clans am 28. Dezember 1983 bei einem Tauchversuch vor Marina del Rey in Kalifornien.

Den Showdampfer der Beach Boys brachte diese Tragödie nicht zum Kentern. Im Gegenteil: Getragen von der konservativen Woge der Reagan-Ära schwang sich die Wilson-Clique wieder und wieder auf die Wellenbretter ihrer Surf-Oldies und fand mit ihrer "good time music" auch bei der nachgewachsenen Generation Gehör. 1988 gelang der Band sogar nach jahrzehntelanger Top-Hit-Abstinenz mit Kokomo aus dem Tom Cruise-Film "Cocktail" ein Nummer-eins-Erfolg. "Wir erwecken in den Leuten ein Gefühl von Sommer", erklärte Al Jardine den andauernden Erfolg der Beach Boys. "Ich glaube, manche Leute gehen sogar erst mal ins Bräunungsstudio, bevor sie zu uns ins Konzert kommen."

Ihre Auftritte entwickelten sich folgerichtig zu Oldie-Shows, in denen die Beach Boys ihre zahllosen Hits herunterspielten. Um die Anteile an den Einnahmen aus den Songs gab es Streit zwischen Brian Wilson und der übrigen Truppe. Über den Gerichtsterminen zerbrach die Band beinahe, kam aber gelegentlich wieder zusammen. So sangen sie mit der britischen Gruppe Status Quo Fun Fun Fun zu deren 25-jährigem Bühnenjubiläum und nahmen 1996 in Nashville einige ihrer alten Hits in Country-Fassung auf; Brian Wilson half bei der Produktion.

Der Krebstod Carl Wilsons am 7. Februar 1998 entließ die Beach Boys endgültig in die Geschichte. Mike Love rekrutierte mit Bruce Johnston (bg) und David Marks (g) zwei Sidemen aus den alten Tagen und repetierte unter dem alten Markennamen weiterhin die alten Hits. "Rolling Stone": "Den Fans sind die Namen der Typen auf der Bühne eh völlig Wurscht – Hauptsache, der Sound schmeckt nach endless summer." Al Jardine zog mit seinen Söhnen und Brian Wilsons Töchtern als Beach Boys Family & Friends übers(...)

(Text gekürzt - Die vollständige Biographie finden Sie im "Rock-Lexikon") Entnommen aus: Rock-Lexikon Bd. 1+2, hgg. von: Siegfried Schmidt-Joos und Wolf Kampmann unter Mitarbeit von Barry Graves und Bernward Halbscheffel,

Historische Diskografie

LPs:
Surfin’ Safari (1962)
Surfin’ USA (1963)
Surfer Girl (1963)
Little Deuce Coupe (1963)
Shut Down Volume 2 (1964)
All Summer Long (1964)
The Beach Boys’ Christmas Album (1964)
Beach Boys Concert (1964)
The Beach Boys Today! (1965)
Summer Days (and Summer Nights!!)
(1965)
Beach Boys’ Party! (1965)
Pet Sounds (1966)
Smiley Smile (1967)
Wild Honey (1967)
Friends (1968)
20/20 (1969)
Sunflower (1970)
Live In London (1970)
Surf’s Up (1971)
Carl And The Passions – «So Tough» (1972)
Holland (1973)
The Beach Boys in Concert (1973)
15 Big Ones (1976)
Love You (1977)
M.I.U. Album (1978)
L.A. (Light Album)
(1979)
Keepin’ The Summer Alive (1980)
The Beach Boys (1985)
Still Cruisin’ (1989)
Summer In Paradise (1992)
Stars And Stripes Vol. 1 (1996)
Good Timin’:
Live At Knebworth, England 1980 (2002)

Zusammenstellungen (Auswahl):
Best Of The Beach Boys (1966)
Best Of The Beach Boys Vol. 2 (1967)
Best Of The Beach Boys Vol. 3 (1968)
Good Vibrations – Best Of The Beach Boys (1975)
Classics Selected By Brian Wilson (2002)
Sounds Of Summer:
The Very Best Of The Beach Boys (2003)
The Warmth Of The Sun (2007)
LP Bruce Johnston:
Going Public (1977)
LP Mike Love:
Looking Back With Love (1981)
LP Carl Wilson:
Carl Wilson (1981)
LP Dennis Wilson:
Ocean Blue (1977)
LPs Brian Wilson Wilson, Brian

Ähnliche Künstler